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Nordwestmecklenburg Ausweg in der Not: Dassow leiht Drehleiter
Lokales Nordwestmecklenburg Ausweg in der Not: Dassow leiht Drehleiter
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21:13 27.04.2017
Ein nach außen zu öffnendes Fenster dient im alten Rathaus in Dassow als zweiter Rettungsweg. Der Notausstieg ist durch ein Piktogramm gekennzeichnet. Es zeigt ein Fenster und eine Drehleiter. Quelle: Foto: Jürgen Lenz
Dassow

Nur in Fällen äußerster Dringlichkeit darf die amtierende Dassower Bürgermeisterin Annett Pahl (SPD-Fraktion) eine wichtige Entscheidung ohne vorherigen Beschluss der Stadtvertreter treffen. Diese Möglichkeit hat sie nun genutzt – um den Brandschutz sicherzustellen. Der ist nur noch eingeschränkt gegeben, seitdem die Drehleiter der Dassower Feuerwehr nicht mehr einsatzfähig ist. Annett Pahl entschied: Dassow leiht sich eine Drehleiter, bis die Stadt, was schon seit Längerem geplant ist, eine neue kauft. Monatliche Mietkosten nach Auskunft der Bürgermeisterin: rund 1000 Euro.

Bis die Mietdrehleiter in Dassow ist, alarmiert die Rettungsleitstelle eine Feuerwehr in der Umgebung, die über ein einsatzfähiges Drehleiterfahrzeug, auch Hubrettungsfahrzeug genannt, verfügt. Das kann, je nach Einsatzort in der Stadt und ihren Ortsteilen, die Schönberger Wehr sein, aber auch die in Klütz oder Grevesmühlen. Ein Dauerzustand darf das jedoch nicht sein, denn Dassow muss selbst eine Drehleiter haben, um vorgeschriebene Rettungszeiten einhalten zu können. „Wir müssen eine Drehleiter vorhalten“, sagt denn auch Wehrführer Daniel Selzer. Hintergrund ist die Landesbauordnung MV.

Sie schreibt nicht nur vor, dass in bewohnten Gebäuden in aller Regel neben der Innentreppe ein zweiter Rettungsweg vorhanden sein muss, sondern bestimmt auch: „Gebäude, deren zweiter Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr führt und bei denen die Oberkante der Brüstung von zum Anleitern bestimmten Fenstern oder Stellen mehr als acht Meter über der Geländeoberfläche liegt, dürfen nur errichtet werden, wenn die Feuerwehr über die erforderlichen Rettungsgeräte, wie Hubrettungsfahrzeuge, verfügt.“ Von dieser Verpflichtung kann sich die Stadt nicht befreien, denn zahlreiche Baugenehmigungen sind nur deshalb erteilt worden, weil im Bestand der Dassower Feuerwehr eine Drehleiter vorhanden ist. Sie ist aber nicht nur als zweiter Rettungsweg wichtig, sondern auch zum Bekämpfen von Bränden, etwa in der Schule, im Gewerbegebiet, im Kindergarten und Hort, im Schloss Lütgenhof und in Gutshäusern. Das Dassower Drehleiterfahrzeug ist bereits 34 Jahre alt. Deshalb beantragte die Stadt bereits 2014 für 2018 Zuschüsse des Landkreises Nordwestmecklenburg und des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Beide sollen je ein Drittel zahlen, so der Wunsch in Dassow. Nun bemüht sich die Amtsverwaltung darum, dass das Geld möglichst bald fließt. Außerdem soll nicht nur, wie bisher, der Kreis einem „vorzeitigen Maßnahmebeginn“ zustimmen, sondern auch das Land, denn: Je eher ein neues Drehleiterfahrzeug in Dassow ist, desto geringer sind die Mietkosten. Die alte Drehleiter zu reparieren, wäre nach einhelliger Einschätzung der Dassower Stadtvertreter unwirtschaftlich. Die Instandsetzungskosten würden die zu erwartenden Mietkosten bei Weitem übersteigen. Das betont auch Gerd Matzke (SPD).

Kaputt ist die Dassower Drehleiter seit einer Havarie bei einer Truppmannausbildung. Nach Auskunft des Amtes wurden Sprossen deformiert. Zuvor soll ein Lautsprecher am Korb abgebrochen sein. Daniel Selzer versicherte in einer Sitzung des Hauptausschusses der Stadtvertretung: „Es ist nicht absichtlich oder grob fahrlässig passiert.“

Der Dassower Stadtvertreter Sven Dutschke (CDU) zeigte sich überrascht, als er von der Eilentscheidung der amtierenden Bürgermeisterin erfuhr. Er versichert jedoch: „Wir kämpfen dafür, dass wir so schnell wie möglich eine Drehleiter bekommen.“ In Richtung des Wehrführers sagte Dutschke: „Wir haben nichts dagegen, dass ihr eine Drehleiter bekommt.“

Jürgen Lenz

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