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Bad Kleinen: Sammelbörse und die Tafel stehen vor dem Aus

Bad Kleinen Bad Kleinen: Sammelbörse und die Tafel stehen vor dem Aus

Dem Arbeitslosenverband drohen sieben Arbeitsplätze wegzufallen. Das Jobcenter lehnte die Verlängerung von zwei Maßnahmen wegen einer Haushaltssperre ab.

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Anja Rothe (33, l.) und Marianne Schuldt (58) sortieren Kleidung in der Sammelbörse Bad Kleinen. Ihr droht das Aus. Fotos (2): Sylvia Kartheuser

Bad Kleinen. Der Arbeitslosenverband (ALV), Ortsgruppe Bad Kleinen, schlägt Alarm. Die von ihm betriebene „Tafel“, die wöchentlich zwischen 75 und 80 Familien im Amt Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen betreut, steht vor dem Aus. „Und wie lange wir die Sammel- und Möbelbörse noch halten können, weiß ich nicht“, sagt Joachim Wölm, Vorsitzender der ALV-Ortsgruppe.

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Unsere Maßnahmen werden nicht fortgeführt, weil das Job- center kein Geld mehr hat. Davon sind alle Träger von geförderten Arbeitsplätzen betroffen.“ Joachim Wölm, ALV-Vorsitzender

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Der Arbeitslosenverband ist Träger von mehreren Maßnahmen mit geförderten Arbeitsplätzen. Für zwei hat das Jobcenter die Verlängerung abgelehnt. Das bedeutet: Kein Geld mehr für den ALV ab 1.

Oktober für die eine und ab 15. Oktober auch für die zweite Maßnahme. „Sieben Arbeitskräfte werden dadurch für uns wegfallen“, erklärt Joachim Wölm.

Wie Martin Greiner, Geschäftsführer des Jobcenters Nordwestmecklenburg, auf Anfrage sagte, sind nur Ein-Euro-Jobs betroffen. „Regelmäßig überprüfen wir unsere Maßnahmen auf Sinnhaftigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten“, erklärte er. Einige Maßnahmen seien einfach auch zu teuer, die sogenannte Maßnahmenkostenpauschale, das ist der Zuschuss für Nebenausgaben wie Miete oder Fahrkosten, zu hoch. „Ich habe ein festes Budget und das muss ich einhalten.“ Wenn Maßnahmen verlängert würden, dann „zu unseren Bedingungen“. Derzeit befinde sich das Jobcenter mit verschiedenen Trägern in Verhandlungen. „Sie sollen uns ihre Vorstellungen mitteilen“, so Greiner weiter. Einige hätten das bereits getan. „Ich habe großes Verständnis für die Träger, sie haben eine gute Arbeit geleistet.“

Aber für jeden geförderten Ein-Euro-Job fehle ihm das Geld für eine Maßnahme, um jemanden in Arbeit zu bringen.“ Kerstin Schimske vom ALV-Vorstand befürchtet, dass es künftig weniger Geld und auch weniger Stellen geben wird: „Wenn wir eine geringere Maßnahmenkostenpauschale bekommen, werden wir die ,Tafel‘ aufgeben müssen, weil wir die Nebenkosten wie Miete, Fahrkosten oder Versicherung nicht mehr aufbringen können.“

Der Verein sucht dennoch nach Wegen, um seine sozialen Angebote aufrechterhalten zu können. „Wir haben sogar unsere Mitarbeiter gefragt, ob sie bereit wären, die Arbeiten ehrenamtlich weiterzuführen“, erklärt Wölm. Doch das könne sich nicht jeder leisten.

Marianne Schuldt, seit mehr als acht Jahren beim ALV und Leiterin der Sammelbörse, würde sich darauf einlassen. Sie zählt auf: „Erstens gibt es viele Leute hier, die wegen ihres schmalen Geldbeutels darauf angewiesen sind, hier zu kaufen. Zweitens ist Bad Kleinen ein kleiner Ort. Viele Geschäfte sind kaputtgegangen und manches gibt es eben nur noch bei uns. Und drittens sind wir zum Treffpunkt geworden. Die Leute kommen einfach, um zu quatschen.“ Zudem sei die Einrichtung die einzige, die dem ALV etwas Geld einbringe.

Auch Anja Rothe ist in der Sammel- und Möbelbörse beschäftigt. „Für mich wäre es ganz schlecht, wenn ich hier nicht mehr arbeiten könnte“, sagt die Mutter von vier Kindern. Die Vorstellung, untätig zu Hause zu sitzen, ist für sie schrecklich. „Denn schließlich will ich ja ein Vorbild für meine Kinder sein, die 14, zwölf, zehn und vier Jahre alt sind“, sagt die 33-Jährige.

Marianne Schuldt sieht nur einen Weg aus der Misere: „Alle Träger und Vereine von geförderten Maßnahmen müssen einen offenen Brief an die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern schreiben und ordentlich Rabatz machen.“

Sylvia Kartheuser

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