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Nordwestmecklenburg Bauern für Blüten und Wohl der Bienen
Lokales Nordwestmecklenburg Bauern für Blüten und Wohl der Bienen
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21:39 07.08.2018
Landwirt Mats Heinrich Röttger (25) hält auf einer Blühfläche nahe Selmsdorf eine von zahlreichen Sonnenblumen in der Hand. Quelle: Foto: Jürgen Lenz
Selmsdorf/Lauen

Gelb leuchten die Sonnenblumen auf einem Feld unweit von Selmsdorf. Zu verdanken ist das Familie Röttger. Sie sorgt nicht nur an dieser Stelle für eine Blütenpracht, die auch Bienen und anderen Insekten zugute kommt. „Wir haben rund drei Hektar Blühflächen verteilt über den Betrieb“, sagt Mats Heinrich Röttger. Der 25-Jährige steigt bald in den Betrieb ein, den sein Vater Heinrich (56) und sein Onkel Hans-Ulrich (52) führen. Zurzeit studiert Mats Heinrich noch Landwirtschaft an der Fachhochschule Kiel. Er ist dabei, seinen „Bachelor“

genannten Abschluss zu machen. Warum hat er sich für die Landwirtschaft entschieden? Er antwortet: „Weil ich die Vielseitigkeit des Berufes liebe.“ Auch liebe er es, Dinge zu managen. Für einen Beruf in der Landwirtschaft spreche außerdem: „Es gibt immer wieder neue Herausforderungen und man ist viel draußen.“

Im Selmsdorfer Ortsteil Lauen betreibt Familie Röttger seit 1991 einen Landwirtschaftsbetrieb. Ein Großteil der Flächen, die die Röttger GbR bewirtschaftet, liegt in der Gemarkung Bardowiek. Dort haben Röttgers ihre familiären Wurzeln. Zur DDR-Zeit wurden alle Bauernhöfe in dem grenznahen Ort von der LPG übernommen, nach und nach leergezogen, dem Verfall überlassen und schließlich abgerissen.

Eine 1993 gegründete Initiative ehemaliger Bardowieker scheiterte 1998 endgültig mit ihren Versuchen, wieder Gebäude in der früheren Ortslage zu errichten.

„Wir haben überall in der Gemeinde Selmsdorf Blühflächen angelegt“, sagt Heinrich Röttger. Das sei besser als eine Fläche einfach liegenzulassen, sagt der Landwirt. Dann nennt er ein weiteres Argument, das die Familie dazu bewog, Blühflächen anzulegen: „Wir dachten, wir machen etwas für das Image der Landwirtschaft.“ Das machten Röttgers kürzlich auch auf dem Dorffest in Selmsdorf. Sie organisierten Fahrten zu ihren Flächen und verteilten Sonnenblumen. Die Familie weiß bei ihrem Einsatz für Blühflächen viele Kollegen auf ihrer Seite. Manfred Leberecht, Vizepräsident des Bauernverbands Mecklenburg-Vorpommern, erklärte anlässlich des Starts der bundesweiten Aktion „Deutschland blüht auf“: „Was wir leisten, ist vielfältig. Ob Pufferstreifen um Gewässer und Sölle, der Anbau von Zwischenfrüchten, ob Blühflächen oder Brachen: Wir reden nicht nur. Wir tun etwas für die Tiere und die Natur.“ Das gilt nicht nur für Blühflächen. Nach Auskunft des Landesbauernverbands haben Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen und ökologischen Vorrangflächen bereits auf 33000 Hektar Ackerland Brachflächen sowie Rand- und Pufferstreifen angelegt. Der Verband erläutert: „Dass auf über 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Mecklenburg-Vorpommern Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen freiwillig von den Landwirten durchgeführt werden, ist ein großer Erfolg für die Umwelt – aber auch für die Landwirtschaft.“

Blühflächen in MV: 220 Prozent mehr Anträge

5318 Hektar: So groß sind die Blühflächen in Mecklenburg-Vorpommern, für die Landwirte in diesem Jahr Zuschüsse neu beantragt haben. Damit hat sich die Antragsfläche gegenüber dem Vorjahr um 220 Prozent erhöht. „280 Betriebe sind 2018 neu in diese Fördermaßnahme eingestiegen“, erläutert das Ministerium. Eine Ursache für den Trend: Seit diesem Jahr bekommt ein Betrieb Zuschüsse für bis zu 20 Hektar Blühflächen und Blühstreifen. Zuvor waren es maximal fünf Hektar. Der Prämiensatz beträgt 680 Euro pro

Hektar. Pflanzenschutzmittel und Düngemittel mit Stickstoff dürfen auf Blühflächen und Blühstreifen nicht angewendet werden. jl

Jürgen Lenz

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