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Nordwestmecklenburg Bayer baut Forschung und Produktion in Wismar aus
Lokales Nordwestmecklenburg Bayer baut Forschung und Produktion in Wismar aus
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20:30 08.10.2016
Unterm Mikroskop zählen Andrea Tesch (vorn) und Marion Kargel Sporen. „Pantoffeltierchen sind dagegen Elefanten.“

Mit einem neuen Forschungs- und Entwicklungsgebäude und einer neuen Produktionshalle will die Bayer Crop Science Biologics GmbH den Standort in der Hansestadt stärken. Nach einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren eröffneten Vertreter des Konzerns, der Wirtschaft und Politik die Gebäude jetzt offiziell. Hauptgeschäftsfeld ist die Entwicklung und Produktion biologischer Pflanzenschutzmittel.

Zwei neue Gebäude sind offiziell eröffnet worden / Für die Produktion von biologischen Pflanzenschutzmitteln werden noch Mitarbeiter gesucht.

Fast 18 Millionen Euro fließen in die Erweiterung. Knapp 4,5 Millionen davon kommen vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 29 auf 45 gestiegen, weitere 15 werden noch gesucht. „Wir suchen vor allem motivierte Leute für die Produktion“, sagt Geschäftsführer Daniel Karsch. Das Arbeiten selbst könne in der Produktion erlernt werden. „Wir haben auch Lokomotivführer und Kfz-Mechaniker in unseren Reihen.“ Bezahlt werde nach Tarif, gearbeitet in drei Schichten.

Hinter den Türen auf den reinlichen Fluren im Forschungs- und Entwicklungsgebäude sitzt Andrea Tesch vor dem Mikroskop. Die Chemielaborantin zählt, wie viele Sporen eines Pilzes innerhalb von 24 Stunden gekeimt haben. Der Pilz soll eines Tages Fadenwürmer unschädlich machen, die sich an Wurzeln zu schaffen machen, beispielsweise bei Bananenstauden. Die Folge: Entweder die Pflanze vertrocknet oder fällt um. Doch bis des Produkt ausgebracht werden kann, werden noch einige Keimtage vergehen. In unterschiedlich temperierten Räumen werden die Sporen auf ihre Überlebensfähigkeit getestet. „Wir müssen Produkte entwickeln, die auch draußen funktionieren“, sagt Tesch. Forschung für den internationalen Markt in der Hansestadt. Kein Wunder, dass auch Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) stolz darauf ist, dass Bayer Wismar als Standort ausbaut. „Unsere wachsende Stadt wird auch vom wirtschaftlichen Wachstum dieses Unternehmens getragen“, sagt Beyer.

Das Wachstum macht sich auch im Produktionsumfang bemerkbar. Die drei von Bayer Crop Science entwickelten Produkte könnten ab sofort parallel hergestellt werden, erklärt Karsch. „Und wenn ich den Zahlen der Marketingabteilung glaube, dann müssen wir in drei Jahren wieder neu bauen.“ Platz dafür ist genug: Von den 15000 Quadratmetern nimmt das Forschungsgebäude gerade einmal 1600 ein.

Laborantin Andrea Tesch bewegt sich hingegen im Mikrobereich. 50 Milliarden Sporen des Pilzes gegen den Fadenwurm passen auf ein Gramm. „Ein Pantoffeltierchen ist dagegen ein Elefant“, sagt sie und lacht. Sechs bis acht Jahre dauert es, bis sie und ihre Kollegen ein Produkt von der Idee bis zur Marktreife bringen. „Auch jeder biologische Mikroorganismus braucht eine Zulassung – und die ist mindestens so streng wie bei chemischen Substanzen.“

Glaubt man Bayer-Vorstand Mathias Kremer, liegt die Zukunft im biologischen Pflanzenschutz. Selbst mit Monsanto, dem US-amerikanischen Saatguthersteller mit dem umstrittenen Pestizid Glyphosat, verbinde Bayer ein großes Interesse, solche Produkte zu entwickeln. Noch aber prüfen Kartellbehörden die geplante Übernahme.

Vom Kleinunternehmen zum Weltkonzern

1992 wird die Firma Prophyta gegründet. Ziel: die Entwicklung eines biologischen Pflanzenschutzmittels.

1997 erfolgt die Zulassung des ersten Produkts.

2000 beginnt die Herstellung des Mittels in industrieller Produktion.

2001 kauft Prophyta die Lizenz für ein weiteres biologisches Pflanzenschutzmittel von einem australischen Unternehmen.

2007 ist die Nachfrage so stark gestiegen, dass die Produktionskapazitäten ausgeschöpft sind.

2008 beginnen die Planungen für einen Erweiterungsbau.

2009 kann die Produktion von 320 auf etwa 600 Tonnen erhöht werden.

2013 übernimmt die Bayer Crop Science AG das Unternehmen, das von nun als Bayer Crop Science Biologics firmiert.

Nicole Buchmann

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