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Bedrohte Arktis: „Beluga II“ auf Info-Tour

Wismar Bedrohte Arktis: „Beluga II“ auf Info-Tour

Greenpeace-Aktivisten legten in Wismar an. An Bord ihres Aktionsschiffs stellten sie ihr Programm vor.

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Die „Beluga II“ steuert den Wismarer Hafen an. Dort machten die Umweltaktivisten auf die bedrohte Arktis aufmerksam. Fotos/Repro: zg

Wismar. Nicht nur der Schriftzug und die Regenbogenfarben am Bug des 34 Meter langen Greenpeace-Seglers „Beluga II“ machten in dieser Woche Besucher im Alten Hafen neugierig.

Es war vor allem der übergroße Hinweis mit dem Eisbären und der Mahnung „Schützt die Arktis“, der sich weit sichtbar aufgespannt zwischen den beiden Masten des Klippers zeigte. Damit war Besucherneugier beim Open Ship ausdrücklich erwünscht. „Klimawandel und Ölindustrie setzen der Arktis immer mehr zu. Das immer stärker abschmelzende Meereis ermöglicht es der Ölindustrie, auf der Suche nach neuen Vorkommen immer weiter nach Norden vorzudringen. Dabei wird die Sicherheit zugunsten möglicher Gewinne vernachlässigt“, erklärte Tour-Koordinatorin Verena Mohaupt.

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Spektakuläre Aktion mit Greenpeace-Schlauchbooten in der Ostsee. Die Aktivisten verzögerten die Weiterfahrt eines Eisbrechers in Richtung Arktis.

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Seit 1971 macht die von Friedens- und Umweltschutzaktivisten gegründete Vereinigung mit verschiedenen Aktionen weltweit von sich reden. Auf dem Aktionsschiff, das in Binnengewässern und küstennahen Bereichen navigiert, ging es dagegen ruhiger zu. Überzeugungsarbeit, Unterschriften sammeln und Spenden entgegennehmen statt aktionsgeladener oder gar spektakulärer Auftritte, so lautet die Devise auf der derzeitigen Info-Tour entlang der Ostseeküste. Die begann in Flensburg und endet nach Anlauf von 18 Häfen in Stralsund. „Agitation und Hintergrundarbeit sind für uns ebenso wichtig wie spektakuläre Aktionen“, so Stefan Bunde. Der 28-Jährige stammt aus Potsdam, hat technische Informatik studiert und unterstützt seit August 2010 die Greenpeace-Arbeit. Gestern führte er nicht nur verschiedene Gruppen durch das Schiff, sondern stellte im großen Laderaum anschaulich und überzeugend das aktuelle Anliegen des Schutzes der bedrohten Arktis und ihrer Gewässer in Wort, Bild und per Video vor. Anhand von großformatigen Bildern schilderte er ebenso einige besondere, wie auch spektakuläre Aktionen. „Unser Prinzip ist die Gewaltfreiheit, niemand wird tätlich oder gar beleidigend“, erklärt der Ehrenamtler mit dem grünen T-Shirt.

Das arktische Eis schmilzt kontinuierlich und gefährdet durch den Klimawandel, hausgemacht durch die Menschen selbst, nicht nur den Lebensraum von Robben und Eisbären. Gleichzeitig ermöglicht dies das weitere Vordringen in unberührte Regionen. „Es geht um die Erschließung neuer Rohstoffe, vor allem von Erdöl durch große Konzerne, die gnadenlos Jagd auf das immer knapper werdende ‚schwarze Gold' machen“, so der studierte Informatiker. Er schilderte, wie arktische Anrainer Anspruch auf die neuen Energiereserven erheben und wie sie sich mit ihren Interessen positionieren.

Daher sieht seine Organisation neben eigenen Aktivitäten ebenso die Mobilisierung der Massen. „Wenn es gelingt, mindestens fünf Millionen Unterschriften zu sammeln und entsprechend zu präsentieren, wäre dies ein bemerkenswerter Schritt, um folgende Ziele zu erreichen“, heißt es. Es geht um drei Schwerpunkte: Errichtung eines umfassenden Schutzgebietes rund um den Nordpol, keine neuen Ölbohrungen in der Arktis und Verbot der industriellen Fischerei in der Arktis. Etwa 550 000 Menschen gibt es allein in Deutschland, die für Greenpeace spenden. Gestern haben etliche Leute nach dem Bordbesuch die Büchsen weiter gefüllt und auch die Liste der Unterschriften ist länger geworden.

In Wolgast gebaut

34 Meter lang und 5,60 Meter breit ist der stählerne Segler, der durch seine schiffbauliche Wuchtigkeit und Stabilität auffällt. Mit einem Tiefgang von nur 1,40 Meter und damit keinem typischen Seglerkiel kann das Schiff auch in flacheren Gewässern und kleinen Häfen navigieren. Deshalb ist ein Einsatz auf europäischen Binnengewässern ebenso möglich wie vor den Küsten der Nord- und Ostsee oder des Atlantiks.
Es war der erste Neubau, den Greenpeace Deutschland Anfang 2003 in Auftrag gab. Den Zuschlag erhielt die Fridtjof-Nansen-Werft in Wolgast, die den Klipper mit zwei Masten 2004 ablieferte. Die Werft realisierte damit den Anspruch auf optimale Mehrzweckmäßigkeit und höchste Effizienz im Betrieb hinsichtlich des Umweltschutzes.

Neben der Stammcrew von drei bis sechs Leuten können weitere sechs ehrenamtliche Aktivisten untergebracht werden. Der Frachtraum, zugleich Ausstellungsbereich, wird zu diesem Zweck als zusätzliches Logis benutzt.

Hans-Joachim Zeigert

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