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Nordwestmecklenburg Bei Wind und Wetter raus aufs Meer
Lokales Nordwestmecklenburg Bei Wind und Wetter raus aufs Meer
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21:07 31.10.2013
Wenn es die Zeit zulässt, steigt auch der vierjährige Sohn Jonathan zusammen mit Vater Kai auf das Boot zum Fischen. Quelle: Fotos: Maik Freitag (2)

Es ist 4.30 Uhr. Der Wecker klingelt, Kai Dunkelmann macht sich nach einem starken Kaffee auf zum Strand. In dunkelgrünen, wasserdichten Watthosen stampft er zur „Jule“, seinem kleinen Beiboot. Das liegt am Steilufer vor Boltenhagen, festgezurrt, nur 30 Meter vor dem Strand. Es ist noch dunkel, doch den gut 100 Meter langen Ruderweg zum 1948 gekauften Fischkutter „Günter“, getauft auf den Namen des Großvaters, findet der 34-Jährige im Schlaf. Schon als Kind ist er mit auf die Ostsee gefahren, kennt jede Untiefe und jede Sandbank.

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Wenn es die Zeit zulässt, steigt auch der vierjährige Sohn Jonathan zusammen mit Vater Kai auf das Boot zum Fischen.

Um 5 Uhr ist Kai Dunkelmann auf dem Wasser. Zehn Kilometer geht es raus aufs Meer, das sich an diesem Herbstmorgen von seiner ruhigen Seite zeigt. Dorsche und Flundern will der in vierter Generation als Fischer tätige Boltenhagener fangen. Sechs am Tag zuvor ausgebrachte Netze holt er nach und nach aus dem Wasser. „Heute war ein guter Tag“, sagt er. Die Fische werden sofort getötet, die Köpfe bleiben im Meer. Die Möwen wissen genau, wo es sich lohnt. Fünf Kisten Dorsch und vier Kisten Flundern holt der vierfache Familienvater aus den Netzen. Gegen elf Uhr gehts wieder nach Hause.

Dort warten schon die Eltern. Während Vater Klaus zu Hause die Fische ausnimmt und filetiert, verkauft die Mutter die Stücke gebraten im Fischimbiss in der Dorfstraße. Kunden kommen reichlich, der fangfrische Fisch ist bekannt und beliebt. Auch Einheimische kaufen hier oder direkt im Laden zu Hause im nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Fritz-Reuter-Weg.

Der Fischereibetrieb besteht seit 1917, feiert in vier Jahren seinen 100. Geburtstag. „Hmm, ich dachte, das hätte ich schon verpasst. Aber da können wir ja noch mal ein Fest machen“, sagt Kai Dunkelmann, der auch schon den jüngsten Spross Simon mit auf das Wasser nimmt. „Als meine Tochter Paula — sie ist heute sechs Jahre alt — noch so jung war, hat sie auch schon mal in der Fischkiste auf See geschlafen“, erzählt er. Und der vierjährige Jonathan ist sich bei der Frage nach seinem zukünftigen Beruf schon sehr sicher: „Fischer, was sonst?“

Wenn Kai Dunkelmann „fangfrisch“ hört, wird er etwas ernster. „Früher haben wir auf einer Werbetafel ,fangfrisch‘ geschrieben und dachten, die Kunden würden dann lieber kaufen. Doch das war nicht der Fall. Gerade im Sommer wollen die Kunden nicht nur Flundern. Vor allem die Sachsen wollen nicht auf ihren Rotbarsch verzichten. Und den müssen wir zukaufen. Genauso wie Aale. Davon fangen wir zu wenige.“ Er empfiehlt Gästen aber, den Fisch aus der Ostsee in Boltenhagen zu probieren. „Denen entgeht ein Gaumenschmaus“, schwärmt er.

Kai Dunkelmann, der 1996 eine Ausbildung zum Fischwirt der kleinen Hochseefischerei in Sassnitz abschloss, hat das Fischen verinnerlicht, auch wenn er manchmal nicht mehr mag, wie er sagt.

„Die See ist ja nicht immer ruhig. Es gibt auch schlimme Tage. Da denkt man schon darüber nach, was man sich da antut.“ So wie in diesem Jahr, wo „Günter“ erstmals von einem Seenotkreuzer in den Hafen geschleppt werden musste. Eine Leine hatte sich in der Schiffsschraube verfangen, das Boot war manövrierunfähig.

Doch am 19. Oktober 2002 hatte das Fischen auf hoher See auch etwas Gutes. Da rettete Dunkelmann gegen 7.30 Uhr zwei Angler aus dem Wasser, deren Boot Stunden zuvor gekentert war. Der damals 23-Jährige bekam die beiden aufgrund ihres Gewichts nicht ins Boot, befestigte sie mit Tauen an der Bordwand. Später hinzugestoßene Boote nahmen die beiden dann auf. Als die Angler im Rettungswagen lagen, war Dunkelmann schon wieder auf hoher See. „Die Kunden im Imbiss wollen ihren Fisch“, so Kai Dunkelmann, der auch auf die Wichtigkeit einer funktionierenden Familie als Fischer anspricht: „Bei so einer Arbeit muss die Frau mitspielen, sonst hat das keinen Sinn“, sagt er.

Die Familie muss mitspielen. Sonst macht dieser Beruf keinen Sinn.“Kai Dunkelmann, Fischer

Maik Freitag

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