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Nordwestmecklenburg „Bei uns im Dorf kennt jeder jeden“
Lokales Nordwestmecklenburg „Bei uns im Dorf kennt jeder jeden“
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12:09 07.12.2018
Der ehemalige Maurer Dieter Drews ist in Neu Greschendorf aufgewachsen und nie wirklich fortgegangen. Quelle: Annett Meinke
Neu Greschendorf

 Dieter Drews (67) hat blitzblaue Augen – und er lacht gern. Der ehemalige Maurer ist im Dorf aufgewachsen, in genau dem Haus, in dem er jetzt mit seiner zweiten Frau lebt. Er ist nie wirklich fortgegangen – auch wenn er früher öfter mal für längere Zeit auf Montage war. „Ich habe damals, noch in der DDR, sechs Jahre in Berlin gearbeitet. ’Aufbau Ost’ nannte man das damals. Wir mussten Wohnungen für die DDR-Hauptstädter bauen.“ Auch nach der Wende war er viel, dann auch häufig im westlichen Bundesgebiet unterwegs. „Ich war nicht einen Tag arbeitslos“, sagt er stolz.

Vier Kinder hat Dieter Drews insgesamt, zwei aus erster Ehe, zwei aus zweiter. Arbeiten müsste er nicht mehr, – schließlich ist er schon in Rente. Manchmal unterstützt er seinen Nachbarn, den Elektrikermeister Andreas Bulz.

Straße, die von Neu Greschendorf Richtung Alt Greschendorf und Mallentin führt. Quelle: Annett Meinke

„Bei uns im Dorf“, sagt er, „kennt jeder jeden.“ Und eigentlich ist das mit dem Zusammenhalt auch nach wie vor in Ordnung. „Wir haben vor nicht allzu langer Zeit immer noch Dorffeste zusammen gefeiert. Es wurde ein Zelt aufgestellt, manchmal spielte auch eine Band oder ein DJ kam, es wurde gegrillt, Alt und Jung zusammen.“ Dass das in den letzten Jahren ein bisschen eingeschlafen ist, sagt Drews, hat nichts damit zu tun, dass man sich nicht mehr leiden könne. „Es sind einige eben sehr alt geworden inzwischen, andere nicht mehr da. Die Jungen sind alle weggegangen, um zu studieren oder einen Beruf zu erlernen, oder, um woanders zu arbeiten. Die jungen Leute fehlen uns im Dorf.“ Seine eigenen Kinder wohnen auch ein wenig weiter weg, in Schwerin und Kiel zum Beispiel.

Dabei ist die Lebenssituation in Neu Greschendorf, wie Drews findet, nicht ganz so schlecht, wie mancher vielleicht glauben mag. „Mallentin ist nicht weit, dort gibt es eine Kita, Grevesmühlen ist nah mit seinen Schulen, nach Schönberg ist es nicht weit, auch nach Lübeck nicht. Und auch Schwerin und Hamburg sind über die Autobahn gut erreichbar.“

„Nicht einmal ein Auto bräuchte man unbedingt“, sagt der Neu Greschendorfer dann, „der Schulbus, der in der Woche täglich kommt, nimmt auch andere Leute mit.“ Früher machten auch mal so fahrende Kaufmannsläden im Dorf Station, aus Grevesmühlen Schlachter Rump zum Beispiel. „Doch die kommen nicht mehr. Hat sich wohl einfach nicht mehr gelohnt.“

Der Schulbus, der regelmäßig in Neu Greschendorf hält, nimmt auch Fahrgäste mit, die keine Schüler sind. Quelle: Annett Meinke

Dieter Drews ist noch äußerst agil. „Ich gehe regelmäßig, mindestens zweimal in der Woche in ein Fitnessstudio in Schönberg“, sagt er. „Nicht unbedingt, um wie verrückt Gewichte zu stemmen. Ich mache da so Programme mit, die mir helfen, fit zu bleiben.“ Es sind viele in seinem Alter dort, sagt er, „das macht Spaß, man kann sich unterhalten und hat Kontakt zu Gleichaltrigen.“

Zahlen und Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Greschendorf (Greskendorpe) datiert aus dem Jahr 1404. In einer Urkunde vom 7. Januar 1404 heißt es: „Der Bischof von Ratzeburg, Detlef Parkentyn, verkauft dem tüchtigen Knappen Henry Quitzowen, den Zehnten in Benkendorf, Wilmsdorf, Greskendorpe und Börzow für 115 Mark Silber (lüb. Pfund).

Im Jahr 1820 wurde der Beschluss zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Mecklenburg verkündet. Ostern 1821 trat der Beschluss in Kraft. In dessen Zuge sollten in den Dörfern mehr Häusler und Büdner angesiedelt werden. Deren Land wurde von den Pacht- und Bauernhöfen im damaligen herzoglichen Domanium abgezweigt.

Durch die Büdner- und Häusleransiedlung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden dann zum Teil komplett neue Dörfer. Neu Greschendorf entstand im äußersten Ostzipfel der alten Greschendorfer Feldmark, – weit vom alten Dorf entfernt –, sodass diese Büdnerkolonie, die sich im Laufe der Zeit vergrößerte, und zu der um die letzte Jahrhundertwende eine größere Anzahl von Häuslereien hinzukam, seit 1831 im Gegensatz zum „Mutterdorf“ Alt Greschendorf mit Neu Greschendorf benannt wurde und von da an ein komplett eigenständiges Dorf bildete.

Annett Meinke

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