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Nordwestmecklenburg Benny, Tarzan und die Soay-Schafe
Lokales Nordwestmecklenburg Benny, Tarzan und die Soay-Schafe
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16:20 06.12.2018
Zwei Soay-Schafe kaufte sich Elektrikermeister Andreas Bulz aus Neu Greschendorf schon vor zwei Jahren. Die anderen beiden Wildschafe kamen in diesem Jahr hinzu. Quelle: Annett Meinke
Neu Greschendorf

Das kleine Dörfchen liegt eigentlich nur wenige Kilometer von Mallentin entfernt – und doch wissen die wenigsten Einheimischen in und um die nahe Stadt Grevesmühlen, wo genau es sich befindet. Dabei muss man nur gleich am Anfang von Mallentin rechts abbiegen, – Richtung Greschendorf steht auf dem Schild –, und fährt dann nur knapp 1,2 Kilometer auf der schmalen Straße, die sich durch die Felder schlängelt. Die gabelt sich, links geht es Richtung Alt Greschendorf, rechts führt ein Weg nach Neu Greschendorf. 39 Menschen wohnen zurzeit dort. Zwei von ihnen sind Rita und Andreas Bulz. Das Ehepaar lebt seit 1993 im Dorf, – zu jener Zeit sind sie in das Elternhaus von Rita Bulz, die einmal den schönen Namen Edelhäuser trug, gezogen. Ein hübsches, altes Reetdachhaus. „Erbaut im Jahre 1822, in Besitz der Familie meiner Frau war es seit 1926“, wie Elektrikermeister Andreas Bulz berichtet.

Elektrikermeister Andreas Bulz vor seinem Reetdachhaus in Neu Greschendorf, das einst den Eltern seiner Frau Rita gehörte. Quelle: Annett Meinke

Seitdem Neu Greschendorf zur Gemeinde Stepenitztal gehört, – früher war es ein Ortsteil der Gemeinde Mallentin –, und im Zuge der Entwicklungen dann Straßenumbenennungen notwendig wurden, haben Rita und Andreas Bulz eine neue Adresse: „Zur Büdnerei 1“. Der Hof war ehemals eine Büdnerei. Allerdings weitere Straßennummern gibt es in der Straße nicht. „Wir ganz allein wohnen hier. Das bedeutet, wir haben jetzt eine eigene Straße“, amüsiert sich Andreas Bulz.

Benny begrüßt alle Fremden

Wer von der Neu Greschendorfer Dorfstraße aus rechts in den kleinen Weg einbiegt, der zum Hof der Familie und damit auch zum Elektro Service Bulz führt, wird auf temperamentvolle Weise erst einmal von Benny begrüßt, – dem dreijährigen Border Collie-Jungspund, der meistens draußen herumläuft und zuverlässig jedes fremde Auto durch lautes Bellen und um den Wagen Herumspringen begrüßt. Er beruhigt sich erst, wenn „Herrchen“, von ihm alarmiert, aus dem Haus tritt und das Signal dazu gibt.

Auch der schwarz-weiße Kater Tarzan, Bennys bester Freund, treibt sich meist irgendwo in der Nähe herum. Zum Hof der Bulz-Familie zählen auch noch vier Schafe, die auf der Koppel neben Haus weiden. Besondere Schafe, wie Andreas Bulz erzählt, für den „Tiere zum Leben auf dem Land dazugehören“. Familie Bulz hat sich die Schafe als „Rasenmäher“ angeschafft. Soay-Schafe brauchen keine Schur, werfen ihr Fell in Büscheln ab. Sie gehören zu den sogenannten Wildschafen, erklärt Andreas Bulz, sind einfach zu halten, sehr robust, genügsam und wetterfest, brauchen keinen Stall, nur einen Unterstand.

Seinen Namen hat das Soay-Schaf von der Insel Soay, von der es ursprünglich stammt – einer Insel des St. Kilda Archipels, vor der Westküste Schottlands. Dort leben diese Schafe seit Jahrhunderten wild und stellen entwicklungsgeschichtlich eine sehr frühe Form des Hausschafes dar. „Das merkt man auch daran“, sagt Andras Bulz, „dass sie sich nicht hüten lassen.“ Das allerdings findet Border Collie Benny gar nicht gut. Zu gerne würde er den Schafen einmal richtig zeigen, wo es lang geht. Doch die entziehen sich stoisch jedem seiner Disziplinierungsversuche.

Benny, der Border Collie-Jungspund, ist meistens nicht eingesperrt, sondern läuft frei um den Hof der Familie Bulz herum – um Fremde anzukündigen. Quelle: Annett Meinke

Seit zehn Jahren selbstständig

Elektromeister Bulz hat vor zehn Jahren sein eigenes Gewerbe angemeldet. Er selbst stammt auch aus Nordwestmecklenburg, wie seine Frau, ist in Zehmen aufgewachsen, das zur Gemeinde Grieben gehört – die kleinste Gemeinde im Landkreis, wie es heißt. Deshalb stimmt es für ihn auf jeden Fall, in Neu Greschendorf zu leben. „Ich bin im Ländlichen aufgewachsen und könnte nie in der Stadt leben. Ich brauche die Natur um mich herum und einen freien Himmel über mir“, sagt er. „Das ist auch der perfekte Ausgleich zur Arbeit.“ Seine Aufträge umfassen Elektroinstallationen, Wartungsarbeiten, unter anderem auch Reparaturen von Photovoltaik- und Wechselsprechanlagen. „Ich werde von Privat- und Firmenkunden beauftragt, meistens arbeite ich in Grevesmühlen und Umgebung“, sagt er. Es geht ihm, wie vielen selbstständigen Handwerkern. Wenn dringende Anfragen kommen, irgendwo Jemand im Umkreis Probleme mit der Elektrik bekommt, dann fährt er los, egal, was die Uhr zeigt. „Man kann das nicht wirklich planen“, sagt er. Dennoch, – anders will er es nicht.

In der DDR hat Andreas Bulz als Betriebshandwerker in der LPG Mallentin gearbeitet. Nach der Wende hat er einiges probiert, war unter anderem Verkäufer für Elektroartikel in einem Baumarkt, hat als Elektroinstallateur in einer großen Lübecker Firma gearbeitet, war Schiffselektriker eines Wismarer Unternehmens für Werften in Lübeck, Papenburg, Kiel. Seinen Meisterabschluss erhielt er im Jahr 2006 – „am Tag gearbeitet, abends gelernt“ – und entschied sich im Jahr 2008 dann für die Selbstständigkeit. Direkt Angestellte hat er nicht, – doch sein Nachbar Dieter Drews (67) unterstützt ihn dann und wann als „geringfügig Beschäftigter“. Andreas Bulz ist, was seine Firma angeht, alles in Personalunion. Er nimmt die Aufträge entgegen, plant und terminiert, setzt die Projekte um und ist auch für die Buchhaltung zuständig. „Letztlich weiß ich ja auch am besten, was ich getan habe.“, sagt er.

Gäste lieben die Ruhe und Einsamkeit

Seine Frau und er haben, als sie aus Mallentin nach Neu Greschendorf zogen, das alte Familien-Reetdachhaus um- und ausgebaut, damit es für heutige Lebensbedürfnisse und auch für Feriengäste im Sommer passt. Im bis dahin nicht ausgebauten Teil des Hauses existierten sogar noch Lehmfußböden, die Decken waren nicht höher als zwei Meter. Das mit dem Ausbau wurde sinnig angegangen, sagt Andreas Bulz: „Schritt für Schritt, eins nach dem anderen“.

Die Feriengäste, die den Hof besuchen, kommen oft aus dem Rheinland. „Die kommen nicht unbedingt wegen der Ostsee, Boltenhagen ist denen im Sommer auch zu voll. Die kommen vor allen Dingen wegen der Ruhe und Einsamkeit und der Landschaft hier um Neu Greschendorf. Und“, setzt Andreas Bulz dann hinterher: „Natürlich wegen dem fantastischen Sternenhimmel, den man hier ohne irgendwelche Lichtverschmutzung ganz in Ruhe betrachten kann.“

Zwei Söhne hat Familie Bulz, die beide nicht mehr Zuhause wohnen. Der eine lebt in Berlin und der andere studiert in Lübeck Biomedizinische Technik. Auch ein Enkelkind gibt es bereits. Ob einer der „Jungs“ das Haus mal später übernimmt, um darin zu leben, wird sich zeigen, sagt Andreas Bulz. „Alles steht und fällt ja mit dem Fakt, ob sie hier Arbeit hätten, die passt.“

Annett Meinke

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