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Berend Krüger: Deponie Ihlenberg ist sicher

Deponie Berend Krüger: Deponie Ihlenberg ist sicher

Der Chef der größten Sondermülldeponie Europas zur Zukunft des Unternehmens und Rückständen im Sickerwasser.

Lübecker Nachrichten: Herr Krüger, die Landesregierung hatte vor drei Jahren beschlossen, dass die Deponie noch bis zum Jahr 2035 im Müllgeschäft mitmischen soll. Ministerpräsident Sellering hatte dagegen den Gedanken geäußert, den Betrieb der landeseigenen Deponie langsam zu beenden. Wie lange soll denn nun noch Müll auf den Ihlenberg gebracht werden?

Berend Krüger: Fakt ist zum einen, dass die Landesregierung am 14. Dezember 2010 beschlossen hat, dass die Deponie bis zum Jahr 2035 aktiv betrieben werden soll. Fakt ist aber auch, zum anderen, dass die Landesregierung beziehungsweise der Ministerpräsident es gerne sehen würde, wenn dies schon früher der Fall wäre, der aktive Betrieb also schon früher eingestellt würde. Wir sind im Moment dabei, unterschiedliche Szenarien hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen zu prüfen.

LN: Vor kurzem gab es eine Demonstration vor der Deponie. Der Vorwurf der Deponiegegner: Es soll ein Leck in der Abdichtung der Deponie geben. Und dieses Sickerwasserleck soll das Grund- und Oberflächenwasser in Nordwestmecklenburg und Lübeck verunreinigen.

Krüger: Ich vermute, dass sich die Vorwürfe auf die Untersuchungen von Dr. Gäbler vom niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung stützen, die er im Auftrag des Geologischen Landesamtes Mecklenburg-Vorpommern 1998/99 hier gemacht hat. Herr Gäbler hat im Bereich des Vorfluters, in das unser Permeat (gefiltertes Wasser, Anm. d. Red.) geht, Bormoleküle festgestellt. Wir haben in der Zwischenzeit aber festgestellt, dass Bormoleküle durch die Umkehrosmose durchgehen, weil sie so klein sind. Das heißt, wir finden die Bormoleküle im Permeat, weil sie mit dem sauberen Wasser hindurchtransportiert worden sind. Aber: Bor wird nach der Trinkwasserverordnung nicht einmal beprobt, weil es nämlich nicht schädlich ist.

LN: Prof. Pegdecker hat vor Jahren festgestellt, dass der Untergrund der Deponie „nicht so geeignet“ sei. Es habe zu „DDR-Zeiten keine Folienabdeckung zum Untergrund gegeben“ und die Keramikrohre zur Sickerwasserableitung sollen „den Druck nicht ausgehalten haben“.

Krüger: Was die Keramikrohre angeht, kann ich nichts dazu sagen, weil ich darüber nichts weiß. Richtig ist, dass in den Bauabschnitten, die vor 1988 errichtet wurden, natürlich nicht die Anforderungen der Deponieverordnung des Jahres 2012 eingehalten worden sind. Insofern ist unter dem Altteil ein gewisses Gebiet — ich schätze so ein Fünftel bis ein Sechstel — mit einer Basisabdichtung belegt, die nicht den Anforderungen an eine Sondermülldeponie der Klasse DKIII nach heutigem Standard entspricht. Das ist Fakt. Da können wir aber schwer etwas dran ändern, weil der ganze Berg da drauf liegt.

LN: Was könnte passieren durch eine fehlende Folienabdeckung des Untergrundes?

Krüger: Für eine Deponie ist der größte anzunehmende Unfall, wenn Sickerwasser in den Grundwasserleiter eintritt. Aber der Boden weist wegen der Mergelschicht eigentlich ordentliche, abdichtende Eigenschaften auf. Nach unseren Erkenntnissen tritt kein Sickerwasser in das Grundwasser ein. Wenn das einträte, müssten wir Sanierungsmaßnahmen ergreifen.

LN: Warum macht man das nicht, um einem möglichen „Worst Case“ vorzubeugen?

Krüger: Auf Verdacht jetzt irgendetwas zu bauen, was relativ teuer ist, das ist unwirtschaftlich. Man muss doch erst einmal abwarten, ob so ein Fall überhaupt eintritt und dann muss man durch vertiefende Untersuchungen feststellen, wie der Weg des Sickerwassers verläuft, um es gezielt zu stoppen.

LN: Warum hat man den Altteil nach der Wende weiter verfüllt, obwohl man wusste, dass die Abdichtungen dort nicht dem neuesten Stand der Technik entsprechen?

Krüger: Dazu kann ich nichts beitragen. Aber ich kann hier feststellen, dass der gesamte Altteil seit dem 25. Mai 2012 stillgelegt ist. Unser aktiver Betriebsabschnitt erfüllt alle rechtlichen Vorgaben.

LN: Ein weiterer Vorwurf von Deponiegegnern ist, dass es keine regelmäßige Überprüfung des Selmsdorfer Grabens gibt. Für die Stadt Lübeck wird seit neuestem sogar der Palinger und Lüdersdorfer Graben beprobt. Warum der Selmsdorfer Graben nicht?

Krüger: Wir haben im vergangenen Jahr mit den Lübeckern eine gemeinsame Beprobung des Palinger Grabens vereinbart, weil dort immer noch die Hypothese bestand, dass Schadstoffe von der Deponie über diesen Vorfluter in die Wakenitz kommen. Die Untersuchungen hat ein Lübecker Labor gemacht. Da ist ein Befund herausgekommen, dass keine Schadstoffe von der Deponie in die Wakenitz gelangen.

LN: Inzwischen gibt es wieder einen Deponiebeirat. Wie stellen Sie sich die Arbeit mit dem Beirat vor?

Krüger: Die beiden ersten Sitzungen waren Sitzungen, in denen der Beirat versucht hat, sich zu finden. Eine Geschäftsordnung gibt es noch nicht. Ich denke aber, dass wir bald ein Arbeitsprogramm haben. Der Beirat hat ja nach wie vor die Funktion, dass er als Mittler zwischen der IAG und der interessierten Öffentlichkeit fungieren soll.

Interview: Steffen Oldörp

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