Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Berichte von Schikane, Haft und Freikauf
Lokales Nordwestmecklenburg Berichte von Schikane, Haft und Freikauf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 18.09.2013

Was ist das, Heimat? Eine Veranstaltungsreihe des Vereins „Deel 28“ mit dem Titel „Heimat und Flucht“ geht dem bis Ende November im Hofcafé in Palingen auf den Grund. Etwa alle 14 Tage kommt eine andere Persönlichkeit zu Wort. Sie erzählen von ihrem Leben, ihren Geschichten und versuchen, den beiden Begriffen auf den Grund zu gehen. Heute Abend ab 19.30

Uhr berichtet Christoph Guhr auf dem roten Sofa von Republikflucht, Fluchthilfe, Zuchthaus — und von den Heimaten, die er gefunden hat.

Die Auftaktveranstaltung bildete ein Gespräch mit Dagmar und Manuel Nordus, Jahrgang 1954 und 1955, mit ihren Erinnerungen an ihre Ausreise aus der DDR. Das Ehepaar lebte in Jena, als es 1987 seinen Ausreiseantrag stellte. Ende 1989 fuhren sie dann im Zug nach Gießen. Wie sie die Zeit seit Antragstellung verlebten, was sie hörten von Menschen, die es ihnen gleich taten, das erzählten sie in einer Runde mit etwa 30 Zuhörern. Auch die ersten Wochen und Monate nach der Ausreise — Dagmar und Manuel Nordus lebten das erste Vierteljahr in einem Hotel im Schwarzwald, das zu dieser Zeit überwiegend Flüchtlingen vorbehalten war, wurde angerissen.

„Der psychische Druck, den wir nach der Antragstellung erlebten, war sehr groß“, sagte Manuel Nordus. Schikaniert sei er worden bei seiner Arbeit als Ingenieur bei Carl Zeiss in Jena. Es wurden ihm Gehälter gekürzt und plötzlich war er ein „schlechter Ingenieur“, obwohl er früher doch immer so sehr gelobt wurde. Sogar der Titel sollte ihm aberkannt werden — und entlassen wurde er zwei Monate vor der Ausreise auch.

Zu Gründen, die zum Ausreiseantrag führten, sagte Dagmar Nordus: „Ich war vor allem eines: genervt. Ich wurde nicht behandelt, wie ein eigenständiger Mensch als Lehrerin und einfach nicht für voll genommen. Unter Fabrikarbeitern redete man anders, offener.“ Wie es nach der Ausreise war, fragte Moderator Jörg Rohwedder, der die Veranstaltungsreihe für den Verein „Deel28“ präsentiert. „Ich hatte es wieder, mein Selbstwertgefühl“, sagte Dagmar Nordus.

Zuhörer berichteten von ähnlichen Erlebnissen in der DDR, berichteten von der Angst, verhaftet zu werden, von Zeiten im Gefängnis, von der erzwungenen Trennung von ihren Kindern, vom Freikauf durch die Bundesrepublik.

Gesprächsrunde „Heimat und Flucht“ heute 19.30 Uhr im Hofcafé in Palingen, Hauptstraße 28. Eintrittspreis: Erwachsene zwei Euro, Jugendliche frei.

Dana Dolata

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Ausstellung „Warmzeit“ von elf Künstlern aus vier Bundesländern mit fast 100 Werken ist noch bis Sonntag, 22. September, im Schloss Plüschow zu sehen.

18.09.2013

Knapp 50 Westmecklenburger Unternehmen präsentieren sich und ihre Ausbildungsstellen bei der 12.

18.09.2013

Nach anderthalb Jahren hat der Lübecker Hafen jetzt wieder einen Schlepper. Am Freitag wird „Simson“ am Skandinavienkai in Travemünde erwartet.

18.09.2013
Anzeige