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Nordwestmecklenburg Bewährungsstrafen nach SEK-Einsatz in Dassow
Lokales Nordwestmecklenburg Bewährungsstrafen nach SEK-Einsatz in Dassow
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20:26 30.05.2016

„Es werden Leute brennen“, kündigt Paul L. an. Er schaut aus dem Fenster einer Dassower Wohnung. Dabei hält er in einer Hand eine Flasche, die an der Öffnung mit Stofffetzen versehen ist. In der anderen Hand hat er ein Feuerzeug. L. droht den herbeigerufenen Polizeibeamten aus Grevesmühlen, sie mit Molotow-Cocktails zu bewerfen, sollten sie sich der Eingangstür nähern. Wenig später zerspringt eine Glasflasche auf dem Gehweg vor dem Mehrfamilienhaus. Eine Explosion bleibt aus. Doch L. scheint es ernst zu meinen, für die Polizisten eine zu große Gefahr. Sie fordern ein Sondereinsatzkommando (SEK) an. Zwei Stunden später stürmt die Spezialeinheit die Wohnung im Dassower Ortsteil Lütgenhof. Paul L., seine Lebensgefährtin Tanja L. und sein Kumpel Lars F. werden in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2014 festgenommen.

Ein SEK-Beamter in voller Ausrüstung. Quelle: dpa

Etwas mehr als zwei Jahre nach diesem Vorfall hat gestern der Prozess im Amtsgericht Wismar stattgefunden. In der Anklageschrift der drei Personen standen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz. „Wir reden über eine gefährliche Situation, die absolut entbehrlich war“, so der Staatsanwalt.

In der Tat: Ausgangspunkt des polizeilichen Sondereinsatzes war ein „Boxtraining“, das Paul L. und Lars F. damals in der Wohnung durchgeführt hatten. „Das haben wir häufiger gemacht“, berichtete L.

vor Gericht. Doch unter Einfluss von Alkohol und Drogen artete das Sparring aus. Aus Spaß wurde Ernst. Die beiden prügelten aufeinander ein. Daraufhin forderte Tanja L. ihren jetzigen Ehemann und dessen Kumpel auf, die Wohnung zu verlassen. Sie wollte nicht, dass ihre zwei Kinder, die nebenan schliefen, etwas von den Tumulten mitbekommen. Es folgte ein Streit. Der Bruder von Tanja L., der zu Besuch war, alarmierte die Polizei. „Da oben tickt jemand aus“, meldete er. Zwei Streifenwagen aus Grevesmühlen rückten gegen 22 Uhr wegen des Verdachts der häuslichen Gewalt an.

Die bestätigte sich nicht, dafür trat L. den Beamten gegenüber enorm aggressiv auf. Nach Eintreffen der Polizei rief der 37-jährige aus dem Fenster: „Kommt hoch zum Eins-gegen-Eins. Ich mach’ euch platt.“ Wenige Augenblicke später bedrohte der mehrfach vorbestrafte Deutsch-Pole die Beamten vor der Haustür mit seinem Hund, einem Bulldog-Mix. Zudem war er mit einem großen Hammer bewaffnet. Die Polizei sah sich gezwungen, zum eigenen Schutz die Waffe zu ziehen.

Eskaliert war die Situation schließlich, als Lars F. die Polizisten aus dem Hinterhalt mit Pfefferspray attackierte. Mit starken Augenreizungen zogen sich die Einsatzkräfte zurück. Die drei Angeklagten verschanzten sich daraufhin in der Wohnung. Paul L. drohte dann am Fenster mit den selbst gebauten Brandsätzen.

Bei der späteren Stürmung des angeforderten SEK besprühte L. die Einsatzkräfte noch mit einem Feuerlöscher. Dennoch konnte die Spezialeinheit alle drei überwältigen. Die Kinder des Paares blieben unverletzt. Zudem konnten in der Wohnung leere Bierflaschen, Stofffetzen, Schraubgläser mit Flüssigkeit, der Hammer, das Reizgas, und ein Teleskopstock sichergestellt werden.

Für Tanja L., die vor Gericht zur Tat geschwiegen hat, endete der Prozess mit einem Freispruch. Ihre Mittäterschaft konnte nicht zweifelsfrei bewiesen werden. Paul L. zeigte sich geständig und wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe verurteilt. Auch Lars F. gab die Tat zu und ist mit neun Monaten auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit davongekommen.

Daniel Heidmann

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