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Blaulichtkonferenz: Retter bereiten sich auf den Notfall vor

Grevesmühlen Blaulichtkonferenz: Retter bereiten sich auf den Notfall vor

Was passiert, wenn der Strom in Grevesmühlen ausfällt? Wie gut sind die Helfer vernetzt? Reichen die Hilfsmittel aus? Experten suchen derzeit die Antworten.

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Bei Großlagen müssen Rettungskräfte Hand in Hand arbeiten.

Grevesmühlen. Der Sturm, der im Frühsommer über den Klützer Winkel fegte, verlief in der Bilanz mehr als glimpflich. Jede Menge umgestürzter Bäume, aber Menschen wurden nicht verletzt, der Sachschaden hielt sich in Grenzen. Die Erkenntnis aus diesem Naturereignis: Die Feuerwehren sind gut gerüstet für den Notfall. „Das Problem ist, dass wir in anderen Dimensionen denken müssen“, sagt Ekkehard Giewald, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Nordwestmecklenburg. „Wir sind als Region mit den Feuerwehren, dem Katastrophenschutz, dem Technischen Hilfswerk und dem Rettungsdienst für die normalen Ereignisse gut aufgestellt. Für wirkliche Großlagen müssen wir mehr tun.“

LN-Bild

Der Sturm, der im Frühsommer über den Klützer Winkel fegte, verlief in der Bilanz mehr als glimpflich.

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Um dieses Thema ging es auf der sogenannten Blaulicht-Konferenz in Berlin. Die SPD-Bundestagsfraktion lädt seit einigen Jahren dazu ein, die Vertreter der Rettungs- und Hilfskräfte beraten dort, wie mit Notfällen, sogenannten Großlagen, umzugehen ist.

„Dabei geht es vor allem um Situationen, die es so bislang bei uns nicht gab“, erklärt Ekkehard Giewald. „Was passiert beispielsweise, wenn der Strom im Landkreis für mehrere Tage ausfällt?“ Das Krankenhaus in Grevesmühlen beispielsweise verfügt über ein Notstromaggregat und kann sich selbst versorgen. „Aber die Telefone würde nicht mehr funktionieren, Wasser und Abwasser sind ebenfalls ein Problem“, so der DRK-Geschäftsführer. „Und wir als Rettungsdienst können untereinander nicht mehr kommunizieren.“

Gab es zu DDR-Zeiten noch zahlreiche Bunkeranlagen, in die sich Teile der Bevölkerung im Notfall hätten zurückziehen können, wurden die mittlerweile abgerissen und zugeschüttet. Die Aufforderung der Bundesregierung vor einigen Wochen, sich Vorräte anzulegen, wurde belächelt. „Man muss nicht den Teufel an die Wand malen, aber wir müssen uns Gedanken machen, wie im Ernstfall das Leben weiterlaufen könnte“, so Ekkehard Giewald.

Denn auch wenn beispielsweise in Nordwestmecklenburg das Technische Hilfswerk (THW) und die Feuerwehren technisch gut ausgerüstet sind. Beim Zusammenspiel der Rettungseinheiten gibt es noch Potenzial. Bestes Beispiel dafür war der Großbrand von drei Strohmieten nahe Kirch Mummendorf im Mai 2014. Mehrere Feuerwehren und das THW waren dort tagelang im Einsatz. Reibungslos verlief der jedoch nicht. Im Nachgang wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich damit beschäftigte, die Kommunikation zu verbessern. Die Ergebnisse sollen demnächst vorgestellt werden.

Zumindest ansatzweise gerüstet für einen Stromausfall ist die Feuerwehr in Grevesmühlen. Wie Wehrführer Steve Klemkow berichtet, verfügen die Fahrzeuge über Stromaggregate. „Unser Gerätehaus besitzt einen Puffer, der für einige Stunden dafür sorgt, dass wir dort arbeiten können.“ Danach wird es kritisch.

DREI FRAGEN AN...

1Warum beruft die SPD-Fraktion die Blaulicht-Konferenz ein? Der Bevölkerungsschutz und die Katastrophenhilfe der Bundesrepublik Deutschland stehen vor neuen Herausforderungen. Wir wollen die Vertreterinnen und Vertreter der Hilfsorganisationen und die Fachleute, die Praktiker vor Ort, in einem offenen Dialog an der Erarbeitung unserer Konzepte beteiligen, denn Starkniederschläge, Unwetter, Überschwemmungen - die Folgen des Klimawandels, die wachsende Verwundbarkeit unserer modernen Gesellschaft, Angriffe auf kritische Infrastrukturen, Cyberattacken, Terrorismus und die Zunahme von internationalen Krisen sind wichtige Zukunftsthemen.

2 Sind die Behörden und Organisationen auf solche Situationen vorbereitet? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass unsere Behörden und Organisationen alles in allem bei Hochwasserkatastrophen, Extremwetterereignissen oder auch bei Unglücken mit einer Vielzahl von Verletzten und auch Toten durchaus in der Lage sind, effektiv und schnell Hilfe zu leisten. Anders sieht es jedoch aus, wenn wir an den Ausfall sogenannter kritischer Infrastrukturen denken, wie etwa ein länger andauernder Stromausfall oder eine länger anhaltende Störung von Informations- und Telekommunikationstechniken. Darauf sind wir bislang nicht ausreichend vorbereitet 3 Was muss passieren, damit die Bevölkerung entsprechend geschützt wird? Zuallererst brauchen wir einen Bewusstseinswandel.

Sowohl in Behörden als auch bei den Organisationen muss man sich besser auf solche Situationen vorbereiten. Das fängt bei der Frage an, wie halte ich in einem solchen Fall die Funktionsfähigkeit der eigenen Behörde oder Organisation, etwa der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes u.a. aufrecht. Dafür müssen Pläne entwickelt und entsprechende Ressourcen, zum Beispiel für die Notstromversorgung oder Notbetankung, bereitgestellt werden. Dies gilt aber auch für andere lebenswichtige Bereiche, etwa für die ärztliche und medizinische Versorgung, die Wasser- und Lebensmittelversorgung oder die Bereitstellung von Bargeld. Und natürlich liegt auf der Hand, dass dann, wenn die Behörden besser vorbereitet sind, sie nicht alle Ausfälle bei den Bürgern kompensieren können. Da muss sich schon jeder selbst Gedanken darüber machen, was passiert, wenn zu Hause die Wasserversorgung nicht funktioniert oder der Strom länger als ein paar Stunden ausfällt.

 Michael Prochnow

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