Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Boltenhagen will das Klima schonen
Lokales Nordwestmecklenburg Boltenhagen will das Klima schonen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 06.04.2017

Bei Staus auf der Ostseeallee pusten Autos Stickstoffgase und Feinstaub in die Luft. Die Quartiere für Urlauber sorgen zusätzlich für einen hohen Verbrauch von Strom und Wärme. Dabei muss Boltenhagen als Seeheilbad auf die Sauberkeit der Luft achten. Deswegen sollen im Ort weniger Energie verbraucht und weniger Kohlendioxid (CO

„„Einige Vermieter verbrauchen im Sommer mehr Öl und Gas, damit ihre Gäste duschen können, als zum Heizen im Winter.“ Michael Steigmann, Vorsitzender Bauausschuss
Während der Sommersaison staut sich regelmäßig der Verkehr auf der Ostseeallee in Boltenhagen. Das verursacht Lärm- und Geruchsbelästigungen. Zusätzlich wird im Ostseebad sehr viel Wärme verbraucht. Quelle: Foto: Malte Behnk
„Ein großes Problem sind die Paketdienste, die den ganzen Tag anliefern und fast immer in zweiter Reihe stehen. Udo Onnen-Weber, Kompetenzzentrum ländliche Mobilität

2) ausgestoßen werden. Die Gemeinde kann jetzt Fördermittel für Klimaschutzmaßnahmen beantragen, nachdem ein Klimaschutzkonzept erarbeitet wurde. Ulrich Tuch, Geschäftsführer der Trigenius GmbH in Wismar, und Udo Onnen-Weber vom Kompetenzzentrum ländliche Mobilität haben dieses Konzept im Bauausschuss vorgestellt. Kernaussage war, dass der größte Teil des CO2-Ausstoßes aus dem Verbrauch von Wärme herrührt. „Im Jahr haben wir für die Gemeinde eine CO2-Emission von 30777 Tonnen errechnet. Davon entstehen fast 24000 Tonnen durch den Verbrauch von Wärme“, erklärte Ulrich Tuch. Die Wärme werde zum Heizen und zum Duschen genutzt.

In Boltenhagen gab es 2016 insgesamt 10053 Gästebetten, von denen etwa 6000 zu Ferienwohnungen und Pensionen gehören. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Ostseebad knapp über 1,5 Millionen Übernachtungen. Dort sieht der Vorsitzende des Bauausschusses, Michael Steigmann, einen Ansatzpunkt. „Einige Vermieter verbrauchen im Sommer mehr Öl und Gas, damit ihre Gäste duschen können, als zum Heizen im Winter. Wie kriegen wir die dazu, Kollektoren auf dem Dach zu installieren?“, war seine Frage. Man müsse vielleicht über eine Investitionshilfe vonseiten der Gemeinde nachdenken.

Unter den Ausschussmitgliedern wurde daraufhin diskutiert, wie die Gemeinde bei Neubauprojekten Einfluss auf die Nutzung alternativer Energien nehmen kann. Beim Bau von neuen Hotels oder des Wohngebiets gegenüber der Grundschule könnten eventuell Vorgaben gemacht werden, Solarthermie oder ein gemeinsames Heizkraftwerk zu installieren.

Für Sonnenkollektoren, die Wasser auf bis zu 70 Grad Celsius erwärmen, gebe es in Boltenhagen großes Potenzial, erklärte Ulrich Tuch. „Etwa 79000 Quadratmeter der geneigten Dachflächen im Ort könnten mit Anlagen für Solarthermie oder Fotovoltaik bestückt werden.“ Die Gemeinde könnte nach Einschätzung des Fachmanns mit ihren eigenen Gebäuden ein Beispiel geben. So sieht Tuch Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß der kommunalen Gebäude zu verringern. So könnte eine Fotovoltaikanlage für 14000 Euro auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses installiert werden, die 5,3 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen würde. „Die Investition würde sich nach etwa fünfeinhalb Jahren amortisieren“, so Tuch. Große Einsparmöglichkeiten, die aber auch mit großen Investitionen verbunden wären, sieht er auch beim Schulgebäude. „Ein Energieträgerwechsel bei der Heizung wäre sinnvoll. Eine Holzschnitzelheizung würde etwa 270000 Euro kosten.

Dabei wäre eine Förderung von 60 Prozent durch das Land möglich“, sagte Tuch. Die Gemeinde könnte dann 1400 Euro Heizkosten pro Jahr und auch 70 Prozent der CO2-Emission einsparen. Allerdings würde es etwa zehn Jahre dauern, bis sich diese Heizungsanlage amortisiert hat.

Autoverkehr in der Saison ist zusätzliches Problem

Ein zusätzliches Problem des Ostseebads Boltenhagen ist der Autoverkehr im Sommer. Zwar hält sich dabei der Ausstoß von CO2 in Grenzen, aber als Seeheilbad sollen auch die Werte von Stickstoffgasen, Feinstaub oder Ozon gering gehalten werden. Udo Onnen-Weber stellte Möglichkeiten vor, den Verkehr auf der Ostseeallee zu verringern. Aus seiner Sicht könnte seit einer Gesetzesänderung der Fahrradverkehr in Boltenhagen durch ein Tempolimit von 30 km/h im gesamten Ort gefördert werden. „Ein großes Problem sind die Paketdienste, die den ganzen Tag anliefern und fast immer in zweiter Reihe stehen“, sagte Onnen-Weber. Für sie könnten Sammelboxen an den noch nicht ganz ausgebauten Parkplätzen am Ortsrand geschaffen werden. „Von dort werden die Pakete dann mit Lastenfahrrädern verteilt. Das funktioniert in Bad Doberan und würde ein immenses Problem beheben.“ Mit der Planung der Großparkplätze an den Ortseingängen, verbunden mit einem eng getakteten Busverkehr, sei Boltenhagen auf einem guten Weg.

Malte Behnk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

International gefragter Artist tritt im Erlebnis- und Tigerpark in Dassow auf / Die Saison beginnt am Sonntag.

06.04.2017

Rund drei Millionen Euro Einnahmen aus Gewerbesteuern erwartet die Stadt Grevesmühlen aus dem Jahr 2016. Das sagte Bürgermeister Lars Prahler vor Gewerbetreibenden der Stadt.

06.04.2017

Schule macht Mädchen und Jungen mit viel Praxis-Unterricht fit fürs Leben.

06.04.2017
Anzeige