Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Boltenhagens Bootsbauer suchen Nachwuchs
Lokales Nordwestmecklenburg Boltenhagens Bootsbauer suchen Nachwuchs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 08.02.2019
Hannes Leischow (31) aus Wismar ist Meister im Bootsbauerhandwerk in der Yachtwelt Weiße Wiek in Boltenhagen. Er begutachtet das Anbauen eines Kiels an den Bootsrumpf. Quelle: MALTE BEHNK
Boltenhagen

Wenn Hannes Leischow (31) über seinen Beruf als Bootsbauer spricht, schwingt viel Leidenschaft für den Wassersport sowie für Segel- und Motorboote mit. Die Begeisterung hält er für wichtig, um das umfangreiche und abwechslungsreiche Handwerk auszuüben. Nach seiner Lehre hat der gebürtige Güstrower, der heute in Wismar lebt, bei verschiedenen Bootsbaufirmen gearbeitet. Mit 29 hielt er schließlich seinen Meisterbrief in den Händen und all sein Können möchte er Lehrlingen weitergeben.

Zwei Azubis werden gesucht

Die Yachtwelt Weiße Wiek in Boltenhagen sucht daher zwei Auszubildende, die Bootsbauer werden möchten. Der Beruf ist sehr vielschichtig. „An einem Boot zu arbeiten ist genauso umfassend wie bei einem Haus“, sagt Hannes Leischow. So arbeitet er mit seinen Kollegen nicht nur an den Rümpfen der Boote. Sie reparieren auch Elektrik für die gesamte Bordtechnik, für die Navigation und für die Unterhaltung der Bootsbesitzer oder bauen sie komplett neu ein. „Auch Gas- und Wasserleitungen verlegen oder reparieren wir“, sagt Leischow. Ebenso seien die Bootsbauer auch Tischler und Schlosser, die häufig nach individuellen Lösungen suchen. „Wir haben ein Boot komplett umgebaut, so dass die beiden Besitzer mit ihren Rollstühlen an Bord gehen und alles selber bedienen können. Da funktioniert jetzt viel mit Joysticks“, berichtet Hannes Leischow von einem spannenden Auftrag.

Das Hobby zum Beruf machen

Hannes Leischow hat mit seiner Lehre und der Meisterausbildung sein Hobby zum Beruf gemacht. Das sei für einen Bootsbauer der Idealfall. „Mein Vater hat sich, als ich 13 oder 14 war, ein Motorboot gekauft. Da musste immer etwas repariert werden und mein Vater hat mich dabei immer eingespannt“, sagt der 31-Jährige. Seine Lehre hat er in Travemünde bei der Böbs-Werft absolviert. „Da konnte ich alle Techniken lernen. Das ging vom notwendigen Wissen zum Einlagern der Boote über Lackierarbeiten, die Schlosserei bis zu der Arbeit mit Kunststoffen.“

Hannes Leischow zeigt sein Meisterstück, ein selbst gebautes Segelboot. Quelle: MALTE BEHNK

Nach der Lehre in Schleswig-Holstein arbeitete Hannes Leischow in Rostock beim Vorgänger der heutigen Tamsen-Werft. „Da haben wir 65-Fuß-Motorboote gebaut“, sagt er. Nach den etwa 20 Meter langen Booten beschäftigte sich Leischow auch noch mit moderner Energieversorgung, als er zum Knierim-Yachtbau nach Kiel wechselte. „Da habe ich an einem 30 Meter langen Trimaran mitgebaut, der mit Solarenergie angetrieben wurde und einmal um die Welt gefahren ist.“ Seit 2011 arbeitet Leischow nun in der Yachtwelt Weiße Wiek in Boltenhagen.

Ausbildung gegen Fachkräftemangel

„Meine Eltern haben zu mir gesagt, bevor du 30 bist, musst du alles in Sack und Tüten haben“, berichtet er. Mit 29 Jahren war er dann Meister. In der Funktion bildet er auch neue Bootsbauer aus. Zwei Lehrstellen werden in diesem Jahr vergeben. „Wir müssen Fachkräfte einfach selber ausbilden“, sagt Hannes Leischow zur Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Die Bootsbauer in der Marina in Boltenhagen reparieren alle Bootstypen. Neben Booten mit Kunststoff- oder Metallrumpf gibt es auch Bauten aus Holz wie bei diesem Folkeboot. Quelle: MALTE BEHNK

Die Ausbildung zum Bootsbauer dauert dreieinhalb Jahre. „Ein Azubi sollte Interesse fürs Segeln und anderen Wassersport haben“, sagt Hannes Leischow. „Man muss den Beruf schon leben, ähnlich wie ein Kfz-Mechaniker auch viel am eigenen Auto rumbastelt.“ Im Gegenzug bietet die Yachtwelt Weiße Wiek den Lehrlingen einen Lohn, der über dem Tarif liegt. „Der Tarif ist im ersten und zweiten Lehrjahr sehr lausig“, sagt Etzard Plath, Geschäftsführer der Weißen Wiek. Auch Personalwohnungen können den Azubis gestellt werden.

Bootsbauer sind viel an der Sonne

An diesem Boot wurde die Holzbeplankung erneuert. Quelle: MALTE BEHNK

„Außerdem sind wir Bootsbauer die ersten im Jahr, die von der Sonne gebräunt sind und wir haben sicherlich keinen Vitamin D-Mangel“, sagt Hannes Leischow mit einem Zwinkern. „Wir arbeiten schließlich an und auf der Ostsee.“ Sogar am Mittelmeer arbeiten die Handwerker aus Boltenhagen an Booten. „Ich fahre jetzt für zwei Wochen nach Ibiza, um dort an Großyachten zu arbeiten. Auch zu solchen Aufträgen könnten Lehrlinge mitkommen“, sagt der Handwerksmeister. „Entscheidend ist, dass ein Lehrling Disziplin hat und handwerklich seinen Kopf einschalten kann. Ein Interesse an der sich rasant entwickelnden Technologie ist wichtiger als ein bestimmter Schulabschluss“, sagt Etzard Plath. Wer sich für eine Lehre als Bootsbauer interessiert, kann sich in der Yachtwelt Weiße Wiek melden.

Infos für künftige Azubis

Zwei Ausbildungsstellen im Bootsbauerhandwerk bietet die Yachtwelt Weiße Wiek in Boltenhagen an. Die Lehre dauert dreieinhalb Jahre. Die Berufsschule befindet sich auf dem Priwall.

Bewerbungen können per Mail an Hannes Leischow unter der Adresse info@yachtwelt.de geschickt werden.

Der Ausbildungslohn liegt über dem Tarif. Personalwohnungen können gestellt werden.

Informationen über die Marina in Boltenhagen gibt es im Internet auf www.yachtwelt.de.

Malte Behnk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt Klütz in Nordwestmecklenburg fällt nach einer Änderung künftig aus der Bäderregelung heraus. Sonntags dürfen in Klütz dann keine Geschäfte mehr öffnen. Dagegen wehrt sich der Bürgermeister.

07.02.2019

Im Ostseebad Boltenhagen in Nordwestmecklenburg haben Vorbereitungen für den Bau einer Dünenpromenade begonnen. Wo die Bauarbeiten im Herbst beginnen werden jetzt Bäume und Büsche abgeholzt.

07.02.2019
Nordwestmecklenburg Vertriebenenlager im Questiner Wald - Modell zeigt Zufluchtsstätten im Detail

Wie es in den Unterkünften im Vertriebenenlager im Questiner Wald (Nordwestmecklenburg) von 1945 bis 1947 aussah, darüber berichteten schon mehrere Betroffene in der OZ. Eine Schülerin entwarf nun ein Modell.

09.02.2019