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Nordwestmecklenburg Dokumentation über Schulen
Lokales Nordwestmecklenburg Dokumentation über Schulen
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17:32 27.11.2018
Kurdirektorin Claudia Hörl und Bibliotheksleiterin Steffi Reimann (v.l.) nehmen die Mappe mit persönlichen Bemerkungen zu den Schulen des Ostseebads von Boltenhagens Chronist Horst Günther entgegen. Quelle: MALTE BEHNK
Boltenhagen

Die Geschichte seines Heimatortes Boltenhagen liegt Horst Günther (88) sehr am Herzen. Seit er 1952 nach seiner Ausbildung zum Lehrer ins Ostseebad kam, beschäftigt er sich mit der Vergangenheit und dokumentiert aktuelle Geschehnisse.

Seine Chronik über das Ostseebad wurde 2003 zum ersten Mal veröffentlicht. 2004 und 2016 folgten weitere Auflagen. In der Bibliothek in Boltenhagens Kurhaus sind außer dieser Chronik verschiedene Mappen zu finden, in denen Horst Günther bestimmte Themen ausführlicher aufgearbeitet hat. Jetzt hat der Ortschronist eine weitere Zusammenstellung an Kurdirektorin Claudia Hörl überreicht, in der der ehemalige Lehrer persönliche Bemerkungen zu den Schulen des Ostseebads notiert hat.

Die historische Postkarte aus Horst Günthers Archiv zeigt die Villa Südwest, die von 1946 bis 1954 Schule in Boltenhagen war. Quelle: ARCHIV HORST GÜNTHER

„Die heutige Gemeinde Boltenhagen hatte ursprünglich drei Schulen – in Boltenhagen, Tarnewitz und Redewisch“, berichtet Horst Günther. Das war auch 1952 als er als junger Lehrer nach Boltenhagen kam noch so. Er unterrichtete hauptsächlich an der Schule in Boltenhagen. „Ich habe aber auch Vertretung in Redewisch gemacht. Dort wurden die Klassen 1 bis 3 noch in einem Raum gemeinsam unterrichtet. Ein Teil machte Stillarbeit und die anderen lernten mit dem Lehrer“, schildert Günther. Mit seinen 88 Jahren hat er sich die Mühe gemacht, die früheren Schulwege der Kinder abzugehen und in seiner Mappe zu beschreiben.

Diese Schulwege durch die Landschaft waren früher Abkürzungen für die Kinder, heute sind sie zum Teil attraktive Wanderstrecken. Horst Günther blättert in seiner Mappe und zeigt das Foto einer kleinen brücke inmitten von Wiesen. „Das ist die Lügenbrücke zwischen Wichmannsdorf und Redewisch“, sagt der 88-Jährige und berichtet, dass er als Lehrer immer einen Spaziergang mit den Erstklässlern über diese Brücke machte. „Denen habe ich dann gesagt, dass man nur über die Brücke gehen kann, wenn man an dem Tag noch nicht gelogen hatte.“ Einigen Kindern sei dann schon mulmig geworden. Doch Horst Günther ließ sich leise die Lüge erzählen und mit der Vergebung des Lehrers konnten die Kinder unbescholten die brücke über den Bach passieren.

Auch an seinen Alltag als Lehrer in der DDR hat sich Horst Günther bei der Zusammenstellung seiner neuesten Mappe erinnert. Da er kein Mitglied der SED war, habe er immer wieder Repressalien erlebt. „Wir mussten am Schwarzen Brett in der Schule angeben, welche Zeitung wir lesen“, berichtet Günther. Da er der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NDPD) angehörte und auch deren Zeitung anstatt der Ostsee-Zeitung las, erntete er Kritik.

Öffnungszeiten der Bibliothek

Die Aufzeichnungen von Horst Günther können in der Bibliothek im Kurhaus an der Ostseeallee in Boltenhagen eingesehen werden. Von Oktober bis Mai gelten folgende Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch von 10 bis 14 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 12 bis 17 Uhr. Freitags ist von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

„Ich habe in zwei Diktaturen gelebt“, sagt Horst Günther der 1930 geboren wurde. Als Kind habe er erlebt, wie Freunde in der Hitlerjugend sein mussten, damit sich Berufswünsche erfüllten. „Ich musste in der FDJ sein, um Lehrer werden zu können“, schildert Boltenhagens Chronist. Viele der Aufzeichnungen in der neuesten Mappe tauchen auch in der Chronik Boltenhagens auf. „Ich wollte aber für mich eine Zusammenstellung zu dem Thema Schule machen“, begründet Horst Günther.

Fotos in der Dokumentation zeigen die Schulstandorte des Ostseebads. Quelle: MALTE BEHNK

Die Dokumentation besteht zu einem großen Teil aus Fotos. Archivbilder zeigen unter anderem, in welchen Häusern sich die einzelnen Schulen in Tarnewitz, Boltenhagen und Redewisch befanden. Die frühere Schule von Boltenhagen existiert zum Beispiel nicht mehr. Sie befand sich in der ehemaligen „Villa Südwest“ an der Strandpromenade, auf deren Grundstück heute zwei Strandvillen mit zwölf Wohnungen stehen.

Erst im April hatte Horst Günther der Kurverwaltung eine ähnliche Mappe überreicht, deren Inhalt die markantesten Winter im Ostseebad beschreibt. Ähnliche Dokumentationen des Chronisten beschäftigen sich mit der Entwicklung des Bade- und Strandlebens, mit der Steilküste, den Fischern oder der Weißen Wiek.

Die Chroniken und die zusätzlichen Dokumentationen sind in der Bibliothek im Kurhaus zu finden. „Vor allem in der Hauptsaison interessieren sich viele Gäste für die Unterlagen“, sagt Bibliotheksleiterin Steffi Reimann. „Oft kommen auch ehemalige Bewohner, die dann gerne in der Chronik stöbern“, sagt sie.

Malte Behnk

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