Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Brandanschlag auf Hof von Anti-Nazi-Aktivisten
Lokales Nordwestmecklenburg Brandanschlag auf Hof von Anti-Nazi-Aktivisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:35 13.08.2015
Jamel

Ihr Kampf gegen den Rechtsextremismus hat sie bundesweit bekannt gemacht. Jetzt hat es offenbar einen Brandanschlag auf den Hof von Birgit und Horst Lohmeyer in Jamel (Nordwestmecklenburg) gegeben. In der Nacht zu Donnerstag brannte die Scheune des Paares vollständig nieder. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einer politisch motivierten Tat aus.

Der 35-Einwohner-Ort zwischen Grevesmühlen und Wismar gilt als eine Hochburg der Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern. Das aus Hamburg zugezogene Künstlerpaar organisiert daher seit 2007 das Anti-Nazi-Festival „Jamel rockt den Förster“, sollte dafür jetzt mit dem Georg-Leber-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet werden. Horst Lohmeyer glaubt an einen Zusammenhang. „Der Anschlag war vermutlich eine Reaktion auf die kürzlich bekanntgebene Verleihung des Preises an uns.“ Schon in der Vergangenheit habe es immer wieder Anfeindungen gegeben.

Kampagne für „Jamel rockt den Förster“ gestartet

Die Ermittler haben bislang zwar noch keinen konkreten Tatverdacht gegen bestimmte Personen. Es wird aber offenbar davon ausgegangen, dass der Anschlag das Werk von Rechtsextremen war. „Der Tatort spricht für sich“, kommentiert der Schweriner Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek. Sollte sich der Verdacht bestätigen, „dann wäre dies eine neue Stufe, die es so noch nicht gab“, sagt Marion Schlender, Sprecherin des Innenministeriums in Schwerin.

Das Ehepaar Lohmeyer ist fassungslos. „Es war beängstigend, die schrecklichste Nacht meines Lebens“, sagte Birgit Lohmeyer den LN. Nur mit Mühe habe die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf das nur sechs Meter entfernte Wohnhaus des Paares verhindern können. Die Auseinandersetzung in Jamel habe jetzt eine „andere, lebensgefährliche Qualität erlangt“, sagt Horst Lohmeyer. Dennoch wollen die Lohmeyers ihren Kampf fortsetzen. Das Festival am 28. und 29. August werde stattfinden. Jetzt erst recht“, so Birgit Lohmeyer.

Sind die Neonazis wieder im Norden wieder im Aufwind? Tatsächliche habe die Asyldebatte in Deutschland die Szene befeuert, heißt es aus den Innenministerien in Kiel und Schwerin. Die Rechtsextremen versuchten gegenwärtig massiv, von den in der Bevölkerung bereits vorhandenen Vorbehalten gegen Flüchtlinge zu profitieren und eine fremdenfeindliche Stimmung zu schüren.

„In Schleswig-Holstein spielt sich das aber vorwiegend im Internet ab“, erklärte ein Mitarbeiter des Kieler Verfassungsschutzes den LN. Mit Ausnahme von Plakat- und Briefkastenaktionen, vorwiegend im südöstlichen Teil des Landes, trete die Szene kaum öffentlich in Erscheinung. Die Szene in Schleswig-Holstein, der 1070 Personen zugerechnet, sei von ihrer Substanz zwar nicht mit der in Mecklenburg-Vorpommern zu vergleichen. Es gebe aber enge Kontakte. Nach der Schließung des „Club 88“ in Neumünster sei das „Thing Haus“ in Grevesmühlen für Neonazis aus Schleswig-Holstein ein neuer Treffpunkt.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!