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Nordwestmecklenburg Brandstiftung: Viele ungeklärte Fälle in der Region
Lokales Nordwestmecklenburg Brandstiftung: Viele ungeklärte Fälle in der Region
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20:15 22.12.2015
August 2015: Eine Woche vor dem Forstrock-Festival brennt eine leer stehende Scheune auf dem Hof der Familie Lohmeyer ab.

Seit April 2014 brennt es immer wieder in der Region um Grevesmühlen. Das verheerende Feuer im Pferdestall am Tannenberg im Frühjahr vergangenen Jahres kostete vier Pferden das Leben, nur wenige Tage später begann eine regelrechte Brandserie in der Gemeinde Stepenitztal. Mehrere Strohmieten gingen in Flammen auf. Allein bei einem Großbrand Ende Mai in Hof Mummendorf brauchten die Rettungskräfte mehrere Tage, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Ende Juni 2015 dann der Großbrand auf dem Recyclinghof in Neu Degtow. Vier Tage sind rund 300 Einsatzkräfte aus 28 Wehren im Einsatz, um die brennenden Müllberge zu löschen. Weil Löschwasser aus dem Ploggensee gepumpt wird, sinkt der Wasserspiegel um mehrere Zentimeter.

Anfang August gerät ein Feuer aus der Region bundesweit in die Schlagzeilen. Eine Woche vor dem Forstrock-Festival in Jamel brennt die leer stehende Scheune der Familie Lohmeyer ab. Die Kripo bildet in diesem Fall eine Sonderermittlungsgruppe „Forst“, die jedoch Mitte November ihren Dienst einstellt, nachdem es bis heute keine Spur zu den Tätern gibt.

Bei kaum einem Fall ist die Spurensicherung für die Ermittler so schwierig wie bei Brandstiftung. Wenn die Rettungskräfte abgezogen sind, dann beginnt für die Polizisten die Arbeit. Doch viele Spuren gibt es meist nicht mehr. So ist es auch im Fall des Feuers in Grevesmühlen, als die Außenboxen am Reitstall am Tannenberg in Flammen aufgehen.

Am Tag nach dem verheerenden Brand suchen die Ermittler das gesamte Umfeld ab, befragen etliche Personen, die zum Umfeld des Vereins gehören, gehen Hinweisen nach. Die Pferdesportler loben eine Belohnung für Hinweise aus, die inzwischen 10000 Euro beträgt. Doch auch das bringt die Polizei nicht weiter, die meisten Spuren verlaufen im Sand. Wie Nancy Schönenberg, Sprecherin der Wismarer Polizei, mitteilt, wurde die Akte vor rund einem Jahr geschlossen. „Es sind zwar Hinweise eingegangen, die mit hoher Intensität verfolgt und auch geprüft wurden. Diese Anstrengungen waren jedoch vergeblich, weil es leider keine neuen Erkenntnisse brachte.“

Beziehungsweise, es fehlen die Beweise. Denn nach LN-Informationen gibt es durchaus konkrete Indizien. So wurde nach einem Zeugenhinweis ein Jugendlicher ermittelt, der Dateien auf seinem Handy haben soll, die aus der Brandnacht stammen — und zwar zu einem Zeitpunkt, als noch keine Rettungskräfte vor Ort waren. Doch Fragen beantwortet der Jugendliche nicht.

In einer Sackgasse stecken die Ermittler auch im Fall der brennenden Strohmieten in der Gemeinde Stepenitztal rund um Grevesmühlen im Jahr 2014. Im September vergangenen Jahres nahm die Polizei einen 18-Jährigen fest, der im Verdacht steht, etwas mit den Bränden zu tun zu haben. Der junge Mann streitet allerdings jedwede Tatbeteiligung ab, er befindet sich wieder auf freiem Fuß — allerdings haben seitdem auch die Brandserien auf den Dörfern ein Ende gefunden.

Einen Tatverdächtigen gibt es im Fall des Großfeuers auf dem Recyclinghof in Neu Degtow nicht — obwohl die Betreiber der Anlage eine Belohnung in Höhe von 15000 Euro ausgesetzt haben. Auch Gerüchte, nach denen laut einer Überwachungskamera zum Tatzeitpunkt eine unbekannte Person über das Gelände gelaufen sei, haben sich bislang nicht bestätigt.

Zahlreiche Gerüchte ranken sich auch um den Brand der Lohmeyer-Scheune in Jamel. Ein Zeuge will in der Tatnacht gar eine Person habe weglaufen sehen. Doch Beweise dafür gibt es nicht. Ebenso wenig wie für die Behauptung Lohmeyers, dass der beziehungsweise die Täter aus der rechten Szene stammen und einen Anschlag verübt hätten.

Ermittlungserfolge nach Brandserien
Im Dezember 2005 versetzte eine Brandserie die Einwohner von Grevesmühlen in Schrecken. Mehrere Papiercontainer brannten, das Futterhaus im Questiner Wildgehege, eine Scheune in Pieverstorf und mehrere Gartenhäuser wurden innerhalb weniger Tage zerstört. Die Polizei ermittelte fünf junge Leute im Alter von 14 bis 21 Jahren aus Grevesmühlen als Tatverdächtige, drei wurden vom Jugendschöffengericht in Wismar zu Haftstrafen verurteilt.

Im November 2007 zerstörte ein Großbrand den historischen Speicher am Grevesmühlener Bahnhof. Ein 17-Jähriger wurde nach aufwendiger Ermittlungsarbeit zu einer zweieinhalbjährigen Jugendstrafe für die Brandstiftung verurteilt.

Michael Prochnow

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