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Nordwestmecklenburg Bulldoggen greifen Rentner an
Lokales Nordwestmecklenburg Bulldoggen greifen Rentner an
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22:24 04.11.2013
Ein Hund dieser Rasse hat in Grevesmühlen einen Rentner und dessen Schoßhund angegriffen. Quelle: imago
Grevesmühlen

Im Gesicht von Uwe Gerlach zeichnen sich mehrere Schürfwunden ab. Seine Hand ist großflächig verbunden. Ergebnis einer Attacke von drei Bulldoggen. Nach seinem Krankenhausaufenthalt findet der 71-Jährige dennoch die Kraft, über den Angriff Mitte Oktober zu sprechen.

Mit seinem kleinen Hund „Raudi“ ist der Rentner in dem Wohngebiet Ploggenseering unterwegs. Was dann geschieht, gleicht einem Albtraum: Aus dem Nichts rennen eine weiße und zwei braune Bulldoggen auf ihn und seinen Vierbeiner zu. „Die weiße Bulldogge war richtig aggressiv, hat immer wieder zugebissen“, erinnert sich Uwe Gerlach mit Schrecken an das Szenario. „Das werde ich mein Lebtag nicht vergessen.“

Um seinen Malteser zu schützen, nimmt der Rentner ihn auf den Arm — und gefährdet damit seine eigene Gesundheit. „In dem Moment war mir mein Leben egal, ich wollte ,Raudi‘ schützen“, erklärt der 71-Jährige. Auch diesen greifen die drei Kampfhunde an. „Raudi“ trägt eine gebrochene Rippe, Verletzungen am Bauch, drei tiefer gehende Bisswunden und ein leicht verletztes Auge davon. „Wenn Ralph Marggraff nicht zur Hilfe gekommen wäre, hätte ich wenig Chancen gehabt und unser ,Raudi‘ gar keine“, sagt Uwe Gerlach dankbar.

Nicht nachgedacht, einfach nur gehandelt hat Ralph Marggraff. Zusammen mit seiner 14-jährigen Nichte Angelina Marggraff besucht er eine Verwandte im Ploggenseering. Nur einem ausgiebigen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel ist es gedankt, dass die Marggraffs noch nicht weg sind und durch das geschlossene Küchenfenster das jämmerliche Schreien des kleinen „Raudi“ hören. „Eigentlich wollten wir schon eine halbe Stunde weg sein, hatten uns aber festgespielt“, sagt Ralph Marggraff.

Er reagiert schnell, zieht nur seine Schuhe an und rennt auf den Innenhof. „Da lag Herr Gerlach schon auf dem Boden, unter seinem Arm der kleine Hund. Der aggressive Weiße ist immer wieder mit dem Kopf dazwischen“, beschreibt er die Situation. Keine Leine, kein Maulkorb und nur einer hatte überhaupt ein Halsband, erinnert er sich. „Mein Adrenalin war so hoch, dass ich am ganzen Körper gezittert habe. Erst hinterher wurde mir klar, was alles hätte passieren können“, sagt er im Nachhinein. „Ich habe die aggressive Bulldogge mit dem Fuß auf Abstand gehalten und so versucht, den Mann zu schützen“, erläutert Marggraff, der unverletzt blieb.

Nach etwa 15 langen Minuten ist alles vorbei. „Ich habe Herrn Gerlach hochgeholfen und ihn zu meiner Schwester gebracht“, erzählt Marggraff. Auf der Treppe hilft die 14-jährige Angelina kräftig mit.

Sie ruft den Krankenwagen und die Polizei. Sowohl der 71-jährige Uwe Gerlach als auch sein Malteser „Raudi“ müssen mit Bisswunden ärztlich behandelt werden, der Rentner liegt mehrere Tage im Krankenhaus.

„Ich finde diese Zivilcourage beachtenswert“, erklärt die Frau von Uwe Gerlach. Sie ist für Ralph Marggraffs Einschreiten einfach nur dankbar. Uwe Gerlach fügt hinzu: „Mit ein paar Helfern mehr wäre es viel einfacher und weniger gefährlich gewesen.“ Auf Balkonen sollen etwa 20 Personen zu sehen gewesen sein. Keiner kommt zur Hilfe. Erst nach einiger Zeit taucht ein tätowierter, kräftiger, blonder Mann auf und zieht eine braune Bulldogge am Halsband weg. „Die Hunde machten den Eindruck, dass sie auf ihn hörten. Ich glaube, das war der Lebensgefährte der Hundehalterin“, vermutet Uwe Gerlach. Besonders bitter findet er jedoch das Verhalten der Hundehalterin selbst. „Sie versuchte chancenlos, die Hunde zurückzurufen, völlig überfordert von der Situation. Und mit einem Schlag waren die Hunde und auch die Besitzerin weg. Sie hat nicht mal geguckt, wie es mir geht“, so Gerlach. Das Ärgerliche: Nach Aussage von Uwe Gerlach soll die weiße Bulldogge nicht versichert sein. „Das heißt, wir sitzen jetzt auch auf den hohen Tierarztkosten“, sagt er entrüstet.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wobag als Vermieterin der Wohnblöcke im Ploggenseering hat auf den Vorfall reagiert. Da die Besitzer der Bulldoggen für die Haltung in der Wohnung keine Zustimmung der Wohnungsgesellschaft einholten, ist die Aufforderung klar: Alle drei Bulldoggen müssen weg. Ralph Marggraff, der ein Mitglied des Tierschutzvereins Roggendorf ist, meldete diesen Vorfall außerdem seinem Verein. „Der Weiße ist gefährlich. Wenn ein Hund das einmal macht, passiert es immer wieder“, ist sich Marggraff sicher.

Hundeführerschein
Der Vorschlag für einen Hundeführerschein wurde in Mecklenburg-Vorpommern schon vor fast zwei Jahren laut. Der Tierschutzbund fordert Lehrgänge für Hundehalter — für alle Hunde.


Der Hundeführerschein hätte den Vorteil, dass jeder Hundehalter zumindest einmal eine Hundeschule besuchen müsste, so die Begründung.

Nicht zu verwechseln ist der Hundeführerschein, der aus einem theoretischen und praktischen Teil besteht, mit dem nur theoretischen Sachkundenachweis. Dieser ist ein Befähigungsnachweis, mit dem grundlegende theoretische Kenntnisse über Hunde und ihre Haltung belegt werden. Eine bundeseinheitliche Regelung über die Pflicht zum Hundeführerschein gibt es nicht.

Johanna Hegermann

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