Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg CD-Werk: Anklage unbegründet?
Lokales Nordwestmecklenburg CD-Werk: Anklage unbegründet?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:31 07.02.2018

Hätte es gar nicht zur Anklage kommen dürfen? Das zumindest glauben die Verteidiger der drei Geschäftsführer des ehemaligen CD-Werks ODS in Dassow. Der gestrige dritte Verhandlungstag vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Schwerin war mit Vorwürfen gespickt, mit denen sich nun die Staatsanwaltschaft beschäftigen und Stellung beziehen muss.

Eigentlich, so hieß es gestern, seien die drei Manager Wilhelm M. (68), Andreas O. (62) und Kai N. (52) Opfer und nicht – wie in der Anklageschrift ausgeführt – Untreuetäter. „Es ist erschreckend, wie leichtgläubig die Staatsanwaltschaft den Lügen bestimmter Repräsentanten des Partnerfonds aufgesessen ist und wie willkürlich sie sich vor deren Karren spannen lassen hat“, führte Oliver Pragal, Anwalt von Kai N., aus. Gerhard Strate, Verteidiger von Wilhelm M., schloss sich dem an.

Hintergrund: Die ODS hatte im November 2006 einen Vertrag mit Universal Pictures International (UPI) abgeschlossen – seinerzeit das zweitgrößte Hollywoodunternehmen. In einem Zeitraum von viereinhalb Jahren sollte das Dassower Unternehmen 70000 Europa-Kunden von UPI mit DVDs beliefern. Der Partnerfonds war ein Geldgeber für den Deal. Über Risiken sollen die drei ehemaligen Geschäftsführer die Fondsgesellschaft informiert haben. Mit der Insolvenz argumentiert die nun anders – unter Vortäuschung falscher Tatsachen, sagen die Verteidiger. Er habe seit langem kein Verfahren mehr erlebt, bei dem es dringend notwendiger gewesen wäre, insbesondere die Schöffen davor zu warnen, dass es sich bei dieser Anklage um eine Verzerrung des Sachverhalts handele, so Anwalt Oliver Pragal. Als verwerfliche und unhaltbare Stimmungsmache bezeichnete er die Anklage. Er forderte ein Sachverständigengutachten und warnte zugleich, dass sich die Kammer mit der Wirksamkeit der Klage befassen müsse. „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Anklage das sprichwörtlich tote Pferd reitet.“

Kai N. erläuterte in seiner mehrseitigen Einlassung, die er gestern verlas, dass er im Jahr 2001 von Geschäftsführer Wilhelm M. das Angebot bekam, als kaufmännischer Leiter bei ODS zu arbeiten. 2003 wurde er Prokurist, zwei Jahre später zum weiteren Geschäftsführer bestellt. Er war bei den Verhandlungen mit dem Partnerfonds dabei, der zur Finanzierung des Deals mit UPI insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen wollte – 15 Millionen 2006 und die weiteren fünf Millionen 2007. Auch er betonte, dass die Gesellschaft auf mögliche Risiken hingewiesen worden war. Auch der Creditreform hätten stets sämtliche Informationen vorgelegen. Beim Entwurf des Ratingberichts an die Creditreform hatte N. den damaligen Leiter des ODS-Finanz- und Rechnungswesens zur Seite. Durch diesen Außenstehenden hätte es gar keine Möglichkeit gegeben, durch Falschangaben über die Firma in betrügerischer Absicht eine Finanzierung zu ergaunern, sagte er aus. Sowohl eine Verletzung der Buchführungspflicht, als auch eine Insolvenzverschleppung hätte es nie gegeben. „Seit nunmehr zwölf Jahren sehe ich mich mit diversen schweren Vorwürfen und Anklagen konfrontiert und es ist kaum vorstellbar, was das für meinen privaten und beruflichen Alltag bedeutet“, verdeutlichte er. Es würde keine Planungssicherheit für ihn und die Familie geben, die berufliche Laufbahn sei so gut wie zerstört. „Ich bin ein grundehrlicher Mensch und habe stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“

Ähnlich unschuldig sieht sich Andreas O., der im Sommer 1997 mit Wilhelm M. in Kontakt kam, nachdem der seine insolvente Firma aufkaufte und später als ODS firmierte. O. wurde als Produktionsleiter eingestellt und im September 2001 als weiterer Geschäftsführer ernannt. Im November 2007 habe er das Unternehmen verlassen. Bei den Verhandlungen mit dem Partnerfonds sei er zu keinem Zeitpunkt involviert gewesen. Die Anklageschrift kritisierte er in vielen Punkten. Mehrere falsche Daten und auch Tatsachen seien angegeben. Die ihm vorgeworfenen schweren kriminellen aber unhaltbaren Taten hätten unmittelbar Einfluss auf seine Lebensqualität und die beruflichen Möglichkeiten. „Das Mindeste, was ich als Angeklagter von der Staatsanwaltschaft erwarten kann, ist, Fakten korrekt niederzuschreiben und mit größter Sorgfalt zu prüfen.“

Die nächste Verhandlung steht am 15. Februar an. Dann wird M. nochmals aussagen und die Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Die Hintergründe der Anklage

Den Angeklagten wird gemeinschaftlicher schwerer Betrug, Bankrott und Verletzung der Insolvenzantrags- und Buchführungspflicht vorgeworfen. Sie sollen durch falsche Angaben eine Fondsgesellschaft dazu gebracht haben, 15 Millionen Euro für bestimmte Vorhaben des CD-Werkes bereitzustellen.

Das CD-Werk galt als einer der größten Hersteller von CDs und DVDs in Europa. Durch die Firmenpleite vor zehn Jahren verloren rund 1200 Beschäftigte ihre Jobs. Die Angeklagten standen vor vier Jahren vor dem Landgericht, das sie wegen Kreditbetruges schuldig sprach und Bewährungsstrafen verhängte. Vom Vorwurf des Subventionsbetrugs und der Steuerhinterziehung wurde das Trio freigesprochen. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein.

Jana Franke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Verwaltung strebt Senkung von 42 auf 39,8 Prozent an / CDU-Fraktion fordert 38 Prozent.

07.02.2018

Wählergemeinschaft kritisiert Kreis.

07.02.2018

Einen 22-Jährigen, der unter Drogeneinfluss am Steuer saß, hat die Polizei am Mittwochmorgen bei einer Verkehrskontrolle in Grevesmühlen ertappt. Die Kontrolle erfolgte um vier Uhr morgens.

07.02.2018
Anzeige