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Nordwestmecklenburg Capt’n Flint segelt in den Hafen der Ehe
Lokales Nordwestmecklenburg Capt’n Flint segelt in den Hafen der Ehe
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22:43 07.07.2017
Spektakulär geht es zu in dem Seeräuberstück „Exekution in Cartagena“: Jeden Abend um 19.30 Uhr (sonntags um 16 Uhr, montags ist Ruhetag) beginnt die Vorstellung.
Grevesmühlen

Ganz leger im blauen Hemd, vor sich ein Becher mit Kaffee. Benjamin Kernen, alias Capt’n Flint im Piraten Open Air, verrät im Interview, welche privaten Pläne er für die Zukunft hat, was ihn an Nordwestmecklenburg fasziniert und wie er sich für die Rolle fit hält. In den nächsten Wochen wird er jeweils sonnabends eine Kolumne veröffentlichen.

Entspannter Interview-Partner: Benjamin Kernen (45)

Die 13. Episode der Abenteuer des Capt’n Flint läuft gerade an, die wievielte Saison ist das für Sie?

Benjamin Kernen: Das ist meine siebte als Capt’n Flint und meine sechste als Regisseur.

Was ist in diesem Jahr anders als in den Jahren zuvor?

Wir haben keine Promis. Ich weiß nur nicht, ob das eine gute Antwort ist.

Keine Promis stimmt ja auch nicht. Sie sind doch inzwischen auch einer. Genauso wie Matthias Schlüter und

Gero Bergmann.

Gero ist auf jeden Fall hier der Lokalmatador. Und ja, ich bin auch nicht ganz unbekannt. Das merke ich schon. Mathias Schlüter und auch Marc Clear haben schon an großen Häusern gespielt. Insofern haben wir schon einige allseits bekannte Kollegen aus der Theaterwelt dabei. Was fehlt, ist die frühere TV-Prominenz.

Klicken Sie hier, um zahlreiche weitere Eindrücke der Piraten-Premiere 2017 zu sehen.

Sie sind in der Schweiz geboren und aufgewachsen und leben inzwischen in Wismar. Sind Sie im Norden angekommen?

Ich bin seit 24 Jahren in Deutschland, habe in Bielefeld und Berlin gelebt, seit fünf Jahren lebe ich in Wismar. Ich will auch nicht wieder weg. Ich fühle mich unglaublich wohl hier, und es ist ein Geschenk, dass ich in einer Region leben und arbeiten darf, in der andere Urlaub machen. Und ich verstehe auch, warum so viele Leute hier Urlaub machen.

Sind Sie verheiratet?

Nein, aber ich werde im Herbst heiraten. Meine Braut heißt Julia und kommt aus Lübeck, sie arbeitet auch im Theaterbereich. Wir haben uns auf einer Tournee in Süddeutschland kennengelernt.

Das bedeutet, dass Sie sich auch familiär in Richtung Norddeutschland bewegen.

Ja, auf jeden Fall.

Das Open Air Theater hat nach mehr als zwölf Jahren in Grevesmühlen seinen Platz in der Theaterlandschaft im Norden gefunden. Sind die Piraten hier heimisch geworden?

Ich meine ja, es war ein langer Weg, der auch nicht immer ganz einfach war. Wir haben viel lernen müssen und in jedem Jahr unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sind stolz, dass wir dieses Theater hier betreiben können. Aber ich glaube auch, dass die Region stolz auf das Theater sein kann.

Wenn Sie durch Wismar oder Boltenhagen gehen. Werden Sie von vielen Menschen erkannt?

Ja, und es werden immer mehr. In Wismar wohne ich sehr prominent im Zentrum, und seitdem der NDR einen Film über mich in meiner Wohnung gedreht hat, hat die Bekanntheit doch deutlich zugenommen. Da kann ich beim Brötchenkaufen schon über Capt’n Flint reden oder mit dem Briefträger über das Theater philosophieren.

Die ersten Aufführungen in der Saison 2017 sind gelaufen. Wie motiviert man sich, sechs Tage in der Woche alles für die Rolle zu geben?

Das ist hier relativ einfach, denn jeder Tag ist anders. Mal gibt es viel Wind, auf den wir uns einstellen müssen, die Schiffe kämpfen ganz schön mit der Witterung, wir Schauspieler auch.

Schaffen es die Schiffe rechtzeitig auf ihre Positionen zu kommen, wie verhalten sich die Effekte, wie ist der Sand? Das ist jeden Tag anders. Außerhalb der Saison spiele ich auf normalen Bühnen, das ist schon ein Unterschied, dort ist es schwerer, sich zu motivieren. Hier ist es jeden Tag ein Abenteuer und damit auch täglich eine Premiere.

Zweimal über 60 Minuten jeden Abend spielen, das ist auch eine sportliche Herausforderung für die Darsteller. Wie hält Capt’n Flint sich eigentlich fit für die Aufführungen?

Ich habe in diesem Jahr schon im Januar angefangen zu trainieren und meine Ernährung auf wenig Kohlenhydrate umzustellen. So habe ich zehn Kilo abgespeckt. Ich backe und koche sehr gern. Und das hat Folgen, vor allem zu Weihnachten. Dann versuche ich, jeden Tag zehn Kilometer zu absolvieren.

Laufen?

Nein, ich hasse Joggen. Ich gehe die zehn Kilometer, so es denn die Zeit erlaubt. Ich habe in Wismar eine feste Runde, dazu jeden zweiten Tag ein Workout. Das reicht.

Wo warst du zur Wende 1989/90?

Da war ich auf der Schauspielschule in Zürich. Als die Mauer fiel habe ich in einer alten Jugendstilvilla gesessen.

Das heißt, du hast den Mauerfall quasi von außen beobachtet?

Ja, aber 1991 war ich schon in Thüringen, habe mich beim Theater in Nordhausen beworben. Das Gebäude war, wenn es man aus heutiger Sicht betrachtet, eine Ruine. Von Zürich nach Nordhausen damals, das war ein Kulturschock.

Was werden die Leser in den nächsten Wochen in deiner Kolumne erfahren?

Geschichten von der Bühne und von den Dingen, die dahinter passieren. Geschichten über die Menschen, die hier arbeiten, über die Zuschauer. Was mich in der Woche fasziniert hat und worüber ich mich geärgert habe. Also Dinge, die der Zuschauer, der sich das Stück anschaut, so nicht mitbekommt. Denn zum Theater gehören viel mehr Menschen als die 40, die auf der Bühne stehen.

Vielen Dank!

Tickets, Handlung, Historie

Exekution in Cartagena“ lautet der Titel der 13. Episode der Abenteuer des Capt’n Flint. Die Handlung: Der Anführer der Freibeuter ist mit einem Mitglied seiner Mannschaft gefangen genommen worden. Nun versuchen die Spanier herauszubekommen, wo Flint seine Beute versteckt hat. Doch der Cap’n schweigt.

Derweil gibt es mehrere Versuche, den Piratenkapitän zu befreien und etliche faszinierende, spannende und unterhaltsame Charaktere auf der Bühne, die für ein äußerst kurzweiliges Stück sorgen.

Bemerkenswert in dieser Saison ist auch der Umstand, dass die Qualität der Schauspieler, über das gesamte Ensemble gesehen, deutlich zugenommen hat. Der OZ-Tipp für das aktuelle Stück: Auf jeden Fall sehenswert! Für Kleinkinder ist es eher nicht geeignet, aber Schulkinder verfolgen mit Spannung die Abenteuer der Piraten in Nordwestmecklenburg.

2005 haben sich die Piraten in Grevesmühlen angesiedelt. Damals allerdings noch am Ploggensee, weil es dort jedoch Probleme in Sachen Lautstärke gab, zog das Theater an den südlichen Stadtrand um. Intendant, Herz und Kopf des Theaters ist Peter Venzmer, Geschäftsführer der adventure production Grevesmühlen GmbH, die für das Theater verantwortlich zeichnet, ist Matthias Sievert.

Karten für das Piraten Open Air in Grevesmühlen gibt es ab 13 Euro im OZ-Pressehaus in Grevesmühlen (August-Bebel-Straße 11, Telefon

03881 / 78 78 70), im Internet unter shop.ostsee-zeitung.de und natürlich bei den Piraten direkt im Theater an der Schweriner Landstraße (03881 / 75 66 00) oder im Internet unter www.reservix.de.

 Interview von Michael Prochnow

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