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Nordwestmecklenburg Clever: 16-Jähriger schafft Abi mit 1,0
Lokales Nordwestmecklenburg Clever: 16-Jähriger schafft Abi mit 1,0
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22:22 02.07.2013
Victor Sudmann musste sich für seinen Schnitt von 1,0 nicht sonderlich anstrengen. Quelle: Foto: uo

Mit fünf Jahren eingeschult, die vierte Klasse übersprungen, zur neunten Klasse auf die Hochbegabtenschule gewechselt — das ist der bisherige Lebenslauf von Victor Sudmann aus Boltenhagen. Den krönte der 16-Jährige jetzt mit dem Abitur. Durchschnittsnote: 1,0.

Du oder Sie? „Das ,Sie‘ schafft Distanz. Wenn ich Lehrer wäre, würde ich meinen Schülern das Du anbieten“, antwortet der große, junge Mann, der reifer als 16 wirkt. Er fügt noch ein paar Gedanken über das Du und das Sie hinzu und darüber, dass er auch über den Lehrerberuf durchaus schon nachgedacht habe. „Aber das wurde von anderen Studienwünschen übertönt. Im Moment bin ich — seit mindestens zwei Jahren — bei Medizin. Erst wollte ich Kinderarzt werden, aber dann habe ich ein Praktikum in einer Kinderarztpraxis gemacht. Es war immer das Gleiche, das fand ich langweilig.“ Victor Sudmann erzählt, wie er von der Gynäkologie über die Neonatologie (Neugeborenenmedizin) befasst habe und mittlerweile bei der Neurologie angekommen sei. „Ich kenne noch gar nicht alle Fachgebiete. Ich studiere mindestens sechs Jahre Medizin. Dann werde ich hinterher wissen, was ich will — ob Praxis, Forschung oder Klinik.“

Der Boltenhagener will die Welt erkunden, das tut er gewissermaßen schon mit fast jeder Antwort. Er reflektiert die Dinge, einsilbige Auskünfte gibt es bei ihm nicht, wenn er über sein bisheriges Leben spricht. Über die Zeit am Gymnasium Am Tannenberg in Grevesmühlen und die ehemalige Physiklehrerin, die zum Ende der achten Klasse zu seinen Eltern kam und ihnen mitteilte, dass der Junge unterfordert sei. „Ich war ihr sehr dankbar“, auch wenn er für den Wechsel an die CJD Christophorusschule in Rostock, eine Privatschule mit Internat, sein soziales Umfeld verlor. „Ich bin ein sehr rational denkender Mensch. Ich kann mit so einer Situation gut umgehen“, sagt er. Gelangweilt habe er sich aber auch am Grevesmühlener Gymnasium nie. Wenn er mit seinen Aufgaben fertig gewesen war, hat er sich neue gesucht, notfalls die Hausaufgaben. „Auch ich vergesse Sachen. Und wenn ich eine Klausur schreibe, muss ich mir die Sachen auch vorher angucken. Aber es ist für mich wesentlich leichter als für andere“, stellt er sachlich fest. „Wenn ich höre, dass jemand vier Stunden am Tag Englisch gelernt hat und trotzdem nur eine Drei schreibt, ist das nicht nachvollziehbar für mich.

Ich kann meine Vokabeln während der Busfahrt lernen und trotzdem eine Eins oder Zwei bekommen.“

Auch an der Christophorusschule in Rostock habe er sich selber stark gefordert, beispielsweise bei Arbeitsgemeinschaften wie Badminton, der Schülerzeitung oder Volleyball, beim Schulsanitätslehrgang oder im St. Johannes-Chor. „Irgendwie hatte ich immer zu tun.“ Vergangene Woche war er mit seinem Chor auf Wanderschaft, diese Woche tritt er ein Pflegepraktikum im Grevesmühlener Krankenhaus an, das er für sein Medizinstudium benötigt. Im August reist er für eine Woche nach Japan zu einer internationalen Konferenz für Schüler. Das Angebot habe er nach seiner Jugend-forscht-Teilnahme erhalten. Bei diesem Schülerwettbewerb beschäftigte er sich mit „Tätowierfarben auf Zellen“ und schaffte es bis zum Bundeswettbewerb. Eine Freundin hat er auch, kennengelernt an seiner Rostocker Schule.

Seine Eltern? Der Vater ist Berufsschullehrer für Köche in Zierow, die Mutter betreibt gemeinsam mit einer Freundin das „Café Pralinchen“ in Boltenhagen.

Auch ich vergesse Sachen. Wenn ich eine Klausur schreibe, muss ich auch vorher lernen. Aber es ist für mich wesentlich leichter als für andere.“Victor Sudmann

Ulrike Oehlers

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