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DREI FRAGEN AN...

Boltenhagen DREI FRAGEN AN...

Ursula und Manfred Adam aus Lage in Nordrhein-Westfalen werden keine Fans von Boltenhagen.

Die Wetterlage schenkte den Adams (rechts im Bild) einen unverhofft sonnigen Urlaub in Boltenhagen– genießen konnten sie ihn aufgrund des Seegrases aber nicht.

Quelle: Annett Meinke

Boltenhagen. 1Warum wurde gestern das Seegras am Strand geräumt, obwohl es vorher hieß, das ginge nicht? Die Auskunft an die Touristen in den vergangenen Tagen, dass eine Seegrasräumung vom Strand nur bis zum 15. September erfolgt, entspricht den Tatsachen. Die Badesaison ist dann definitiv beendet. Auch wenn das in diesem Jahr aufgrund der Temperaturen unseren Gästen vielleicht ein wenig zu früh erscheint. Wir können nicht witterungsabhängig die Badesaison verlängern oder verkürzen, so wie man es gerade gern hätte. Der 15. September ist nun einmal in der Satzung der Gemeinde Ostseebad Boltenhagen über die Erhebung von Strandbenutzungsgebühren als offizielles Ende der Badesaison festgeschrieben. Der Grund, warum gestern der Strand in einem Teilbereich geräumt wurde, hat mit dem bevorstehendem Strandderby zu tun, das am kommenden Wochenende in Boltenhagen stattfindet. Dass das möglich war, dabei spielte das Wetter mit ablandigem Wind eine große Rolle. Nur so konnten überhaupt größere Mengen, die sich vorher im Spülsaum des Wassers befanden, vom Strand entfernt werden.

2 Könnte man in der Nebensaison nicht vielleicht im Sinne der Touristen flexibler auf das Problem Seegras reagieren? Das ist leider nicht so einfach möglich - aus mehreren Gründen. Die Räumung des Seegrases vom Strand kostet uns sehr viel Geld. Der Kurbeitrag – auf den sich viele Touristen bei Beschwerden gern berufen – wird auch nicht für die Strandnutzung gezahlt, sondern für das Vorhalten der übrigen Touristischen Infrastruktur des Ortes und deren Betreibung. Der Strandkurbeitrag wiederum, der nur in der Zeit vom 15. Mai bis zum 15. September eines jeden Jahres erhoben wird – ebenso wie die Strandkorbstandgebühren – dienen der Bewirtschaftung des Strandes. Der Kurbeitrag hingegen, der ganzjährig erhoben wird, unterscheidet sich in Vor- und Nachsaison. Wir haben außerdem klare behördliche Auflagen, was den Strand angeht – der sich im Übrigen nicht im Eigentum des Ostseebades, sondern des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) befindet. Bei jeder Räumung von Seegras wird enorm viel Sand mit abgetragen.

3 Könnte man das Problem Seegras nicht verständlicher für die Touristen und Gäste kommunizieren? Das versuchen meine Mitarbeiter und ich, so gut es geht. Ich persönlich kann mich aber leider nicht mit jeder Touristenbeschwerde ausführlich auseinandersetzen. Es ist vielleicht vorstellbar, dass ich mich als Kurdirektorin um sehr viele Dinge kümmern muss. Ich kann an dieser Stelle die Besucher unseres Ostseebades nur noch einmal daran erinnern: Boltenhagen ist aufgrund seiner Lage in einer Bucht immer wieder mit einer erhöhten Menge von anlandendem Seegras konfrontiert – wie kein anderer Badeort. Und es wird in der Nebensaison normalerweise nicht beräumt. Wer in dieser Zeit bucht oder uns besucht, sollte dies vielleicht wissen. Letztlich frage ich mich manchmal aber auch, warum heutzutage das Seegras so ein Problem ist? Es ist ein Naturprodukt! Ich kann mich nicht erinnern, dass früher die Menschen so ein Problem damit hatten.

Touristen stinkt das Seegras

Die Adams aus Lage in der Nähe von Detmold mögen vor allen Dingen die Strände Mecklenburg-Vorpommerns. Schon seit Jahren kommen sie im Urlaub gern hierher.

„Wir mögen Kühlungsborn, die Insel Usedom, waren schon oft dort“, sagt Manfred Adam (62). In diesem Jahr wollten sie etwas anderes ausprobieren – ihre Wahl fiel auf Boltenhagen. Seit dem 18.

September ist die Familie hier – noch bis Anfang Oktober.

„Die Ferienwohnung gefällt uns schon gut“, sagtUrsula Adam (61). „Zwei Balkone, zum Mitwandern mit der Sonne.“ Allerdings so viel Zeit verbringen die Adams in ihrem Zuhause auf Zeit in der Ostseeallee nicht. Sie nutzen ihren Urlaub nämlich am liebsten, um lange Spaziergänge an der frischen Luft – immer am Meer entlang – zu unternehmen. Das hatten sie auch in diesem Jahr vor. Doch daraus wurde nichts – das am Strand angeschwemmte Seegras verleidete der Familie aus Nordrhein-Westfalen die Strandwanderungen.

„Als wir ankamen, dachte ich noch: Die Kurverwaltung wird den Strand schon morgen oder übermorgen reinigen“, erzählt Manfred Adam. Doch dann verging ein Urlaubstag nach dem anderen – nur das Seegras blieb. Die Adams beschlossen, in der Kurverwaltung nachzufragen. Mit ihnen auch andere Touristen – wie sie bald mitbekamen. Die Antwort, die sie von den freundlichen Damen am Servicepunkt erhielten war: Seegras wird nach dem 15. September aus umweltschutztechnischen Gründen nicht mehr abgefahren.

Eine Antwort, die Manfred Adam merkwürdig fand. „Andere Seebäder fahren doch das angeschwemmte Seegras auch noch ab.“ Zumal, wie er und seine Frau finden, doch noch nicht von Nach-Saison die Rede sein kann. „Wir zahlen immerhin noch den vollen Hauptsaison-Preis für die Ferienwohnung. Bis zum 1. Oktober“, sagt Ursula Adam. „Und Kurtaxe zahlen wir doch auch.“

Manfred Adam wollte es nun ganz genau wissen und suchte Kurdirektorin Claudia Hörl auf. „Ich fühlte mich absolut unhöflich behandelt, abgefertigt zwischen Tür und Angel.“ Auch das ärgerte die Adams, die sich Zuhause auch „politisch und sozial engagieren“, nicht einfach alles hinnehmen wollen, was für ihr Gefühl eben nicht passt. „Wir haben jetzt beschlossen“, sagt Ursula Adam, „wir kommen nie wieder hierher.Wir werden uns wieder andere Urlaubsorte in MV suchen.“

Und obwohl gestern Vormittag das Seegras am Boltenhagener Strand plötzlich doch abgefahren wurde, sind die Adams partout nicht mehr umzustimmen. Denn mehr als das Seegras stinkt ihnen, wie sie sagen „der Umgang mit den Touristen.“

Annett Meinke

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