Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Damit „Das Eck“ bald auf die Rundung kommt
Lokales Nordwestmecklenburg Damit „Das Eck“ bald auf die Rundung kommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:34 25.08.2017
Vereint im Eck: Ahmad Ismaeil, Mohamed Ali Ismail, Renate und Johannes Schürmeyer sowie Mahmoud Akou (v. l.). FOTOS (5): CORNELIA ROXIN

Das Projekt „Grevesmühlener Stadtgarten – ein Fantasiegarten“ hat Fahrt aufgenommen. Vier Wochen läuft das offene Kreativ- und Kulturprojekt im Gebäude am Busbahnhof, das viele als „Mannis Holsteneck“ kennen, schon. Bis zu 30 Teilnehmer hat die Künstlerin Renate U. Schürmeyer als Projektleiterin schon an einem Tag gezählt. „Insgesamt haben wir bisher mehr als 90 verschiedene Menschen erreicht“, berichtete sie diese Woche.

Fantasiegarten wächst am Bahnhof / Neue Freundschaften in alter Kneipe.

Was hinter diesen nüchternen Zahlen steht, kann – wie diese Woche erlebt – so aussehen: Die aus Syrien stammenden Männer Ahmad Ismaeil, Mohamed Ali Ismail und Mahmoud Akou bearbeiten draußen mit Johannes Schürmeyer, den seine Frau mit ins Boot geholt hat, große Holzbuchstaben. Sie sollen die Worte „Das Eck“ formen, oben auf dem Dach über der Gebäuderundung. Mahmoud Akou sagt über seine Beweggründe mitzumachen schon sehr verständlich: „Ich möchte Deutsch sprechen lernen, viele Deutsche kennenlernen.“

Eine Arbeitsfläche weiter sind Elke Reichenberg und Christiane Goerke vom benachbarten Jugendzentrum (Juz) im BürgerBahnhof mit ihren Schützlingen, aber auch Dalal Ali Ismail sowie Heike Lindemann und Tochter Merle dabei, Latten für einen neuen Zaun farblich zu gestalten. Ganz individuell geht jeder zur Sache. Dem Erfindungsreichtum ist keine Grenze gesetzt. Der Zaun setzt sie auch nicht – ist er doch jederzeit zu überwinden angesichts seiner geringen Höhe. Er steht eher als Synonym für das bunte Grevesmühlen. Heike Lindemann aus Neu Degtow freut sich, dass auch deutsche Kinder sich im Eck mit für sie fremden Traditionen vertraut machen können.

Heidrun Lange, die Vorsitzende des Grevesmühlener Behindertenverbandes, sitzt gebückt an einer Hausecke über Scherben diverser Ausgangsgegenstände, wie Spiegel oder Teller, und gestaltet dort mit Fliesenkleber ein Mosaik. Es dauert nicht lange, und die Vereinsmitglieder Maik Adamski und Lydia Metzker kommen. Einer gesellt sich zu den Lattengestaltern, einer macht bei Heidrun Lange mit.

Derweil stellen Ritica Warnke und Gerhard Springer vom Verein „bleib.mensch“ zum Kaffeetrinken Tische und Stühle vors Haus. Letzterer muss dann noch schnell mit Mauhmud Omer, einem dunkelhäutigen 18-Jährigen aus Eritrea, den Verbleib einer E-Mail klären.

Renate Schürmeyer zeigt sich erstaunt ob der großen Resonanz auf das Projekt in Trägerschaft der Politischen Memoriale, das über den Integrationsfonds des Landes finanziert wird. Schließlich seien ja erst vier Wochen vergangen. Die 60-Jährige aus Jeese weiß dabei als Kooperationspartner nicht nur die Stadt und deren Jugendzentrum, sondern auch den Behindertenverband, die evangelische Kirchengemeinde, das Diakoniewerk und den Verein „bleib.mensch“ hinter sich. Die Firma Benthack hat mit Material geholfen. Gemeinsames kreatives Tun steht im Mittelpunkt der Treffen, bei denen bisher schon Kinder und Erwachsene aus Ghana, Syrien, Eritrea, England, Mauretanien und Afghanistan mit den deutschen Gastgebern zueinandergefunden haben. Ängste werden abgebaut. Im Idealfall, so sinniert die Projektleiterin, gingen junge Geflüchtete mit Besuchern des Jugendzentrums oder Menschen mit Handicap, die sie hier kennengelernt haben, später einfach mal mit rüber zum Juz.

Der Weg sei einfach das Ziel beim „künstlerischen Prozess“ im Eck, wie Renate Schürmeyer das Geschehen dort gern nennt. Im Innern der alten Kneipe zeugen schon viele Collagen, Bilder und andere Arbeiten von dem, was das Miteinander der verschiedenen Kulturen mit sich bringt. Die Projektleiterin lädt zum Mitmachen ein, jeder sei willkommen. Schon jetzt freut sie das Interesse Vorübergehender, die fragen, was da passiert. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie hereingucken, wird gemutmaßt. Die Lage zu ebener Erde direkt am Bus- und in Nachbarschaft zum BürgerBahnhof gefällt allen Mitstreitern. Schon allein darum gäbe es weniger Hürden zu überwinden, wie es bei Projekten der Fall ist, die in geschützten Räumen, wie bei der Kirche, stattfinden, erklärt Ritica Warnke. Die von der Stadt im Zuge der Quartiersplanung gekaufte Immobilie soll auch nach Auslaufen des Projektes Ende September Kreativzentrum bleiben. Alle Mitstreiter setzen auf Förderung weiterer Projekte.

Interkulturelles

Eine Ínterkulturelle Woche findet 2017

erstmals auch in Grevesmühlen statt: vom 25. bis zum 30. September. Am letzten Tag wird im Eck das Abschlussfest des Stadtgarten-Projektes gefeiert. Die Woche beginnt mit einer Ausstellungseröffnung im BürgerBahnhof zum Thema Integrationsprojekte. Aktionen verschiedener Vereine sind geplant und auch eine Lesung (die OZ

informiert noch).

Jeden Mittwoch und Freitag wird noch bis zum 2. September jeweils zwischen 14 und 18 Uhr ins Eck eingeladen, weitere Treffen nach Absprache.

Cornelia Roxin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gotteshaus in Dassow wird bald allabendlich angestrahlt / Handwerker sanieren Dach des Chores.

25.08.2017

Das „Monstrum“ Förderrichtlinie für städtische Zuschüsse entschlacken zu wollen, hat Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler (parteilos) schon im März während eines ...

25.08.2017

Der 25635 Medien zählende Bestand der Grevesmühlener Stadtbibliothek ist „in großen Teilen veraltet“.

25.08.2017
Anzeige