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Nordwestmecklenburg Damit aus „Ssule“ eine „Schule“ wird
Lokales Nordwestmecklenburg Damit aus „Ssule“ eine „Schule“ wird
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00:00 17.10.2012
Die Grevesmühlener Logopädin Careen Klasen bringt Hannes (4) in ihrer Praxis den Sch-Laut bei.
Nordwestmecklenburg

Grevesmühlen – Die „Schule“ wird zur „Ssule“, aus „waschen“ wird „wassen“ und aus „Tisch decken“ ein „Tiss decken“. Bei Hannes (4) zeichnete sich früh ab, dass er einige Laute nicht richtig bilden kann. Seine Mama sprach ihre Sorgen beim Kinderarzt in der Vorsorgeuntersuchung U 8 an. Nun lernt der kleine Mann bei der Logopädin Careen Klasen in Grevesmühlen spielerisch die richtige Aussprache – einmal in der Woche für 45 Minuten. Große Fortschritte habe er seitdem gemacht, so die Sprachtherapeutin. „Wenn man innerhalb eines bestimmten Zeitfensters eingreift, lassen sich Lautbildungs- und Sprachentwicklungsstörungen gut behandeln“, weiß die Logopädin. „Danach ist es richtig Arbeit, weil sich die Kinder Falsches eingeprägt haben“, ergänzt sie. Je später eine Störung erkannt werde, desto länger dauere die Therapie – und umso kostenintensiver sei es für die Krankenkasse.Laut einem Arztreport, den Deutschlands größte Krankenkasse Barmer GEK herausbrachte, leidet in Deutschland jedes dritte Kind im Vorschulalter an Störungen der Sprachentwicklung. So waren innerhalb eines Jahres 1,1 Millionen Kinder betroffen. Auf Mecklenburg-Vorpommern fallen 11,2 Prozent der Mädchen und Jungen bis 14 Jahre – darunter eben auch der kleine Hannes aus Grevesmühlen. Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, sieht jedoch keinen Grund zur Sorge: „Wir sehen, dass professionelle Sprachförderung in Anspruch genommen wird.“ Außerdem betont er, dass die kinderärztliche Betreuung in Deutschland flächendeckend und ausreichend sei. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen würden die Kinderärzte bis zum fünften Lebensjahr regelmäßig die Sprachentwicklung bei ihren Patienten überprüfen und bei Auffälligkeiten eine Sprachtherapie verordnen. Die Grevesmühlener Logopädin Careen Klasen befürwortet diese Maßnahmen zur Früherkennung. „Ich kann bestätigen, dass Sprachentwicklungsstörungen zunehmen und komplexer werden. Die Entwicklungsverzögerung wird oft zu spät festgestellt“, bemängelt sie. Dann könne man mit spielerischer Förderung nicht mehr viel erreichen. Zugenommen hätte vor allem Probleme der kognitiven Entwicklung des Wortschatzes und der Grammatik. „Nun treten häufig komplexere Störungen auf, bei denen wir gleich an mehreren Baustellen gleichzeitig arbeiten“, sagt Klasen, die diese Entwicklung unter anderem auf die Reizüberflutung zurückführt, der die Kinder heute ausgesetzt sind. Darüber hinaus könne die Ursache auch in Hörstörungen, zweisprachiger Erziehung, Behinderungen und vielen weiteren Faktoren liegen.„Defizite in der Grammatik fallen im Gegensatz zu Lautbildungsstörungen lange nicht auf, weil das Kind Strategien entwickelt, um diese zu kompensieren“, weiß Klasen. Deshalb würden diese oft erst in der Grundschule entdeckt – für die Förderung viel zu spät. Wenn die Kinder in der Sprachentwicklung hinterherhinken, nage es an ihrem Selbstbewusstsein. Und: Die sprachlichen Defizite wirken sich auf die schulischen Leistungen aus. Viele trauen sich nicht mehr, sich am Unterricht zu beteiligen, aus Angst, etwas falsch zu machen. Klasen appelliert deshalb an die Eltern, sich aktiv an der Sprachentwicklung ihrer Kinder zu beteiligen und sich bei Auffälligkeiten an Kinderärzte und Logopäden zu wenden. Eine Sprachtherapie stehe jedem Kind zu und werde von den Krankenkassen bezahlt, so Klasen. „Es ist sehr wichtig, so früh wie möglich damit anzufangen.“

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