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Damit immer genug Wasser fließt

Schönberg Damit immer genug Wasser fließt

Zweckverband investiert 1,1 Millionen Euro in neue Hochbehälter auf Anhöhe zwischen Schönberg und Selmsdorf.

Unweit des Windparks „Selmsdorf/Sülsdorf“ ragen vom Hochspeicher Schönberg nur noch die oberen Teile aus dem Boden.

Schönberg. Wie die Spitze eines Eisbergs aus dem Wasser, so ragt jetzt ein neuer Hochbehälter zwischen Schönberg und Selmsdorf aus dem Boden. Der größte Teil des riesigen Trinkwasserreservoirs bleibt dem Auge verborgen. Auch ist nicht zu erkennen, was in der Anlage geschieht und welchen Zweck sie erfüllt. Sie dient einem wichtigen Ziel: die Versorgung der umliegenden Region mit sauberem Trinkwasser sicherstellen. 1,1 Millionen Euro hat der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Grevesmühlen in den Neubau investiert.

„Wir wollen Ende Mai fertig sein“, sagt Harald Marienhagen. Er arbeitet als Bauleiter für den Zweckverband. Einige Restarbeiten seien noch zu erledigen: den Hochbehälter fertig verklinkern, eine Straße bauen, den Boden planieren.

Seinen Zweck erfüllt der neue Hochbehälter auf der Anhöhe zwischen Schönberg und Selmsdorf bereits. Nach Auskunft des Verbandsingenieurs Andreas Lachmann hält er in seinen beiden Speicherkammern insgesamt bis zu 1500 Kubikmeter Trinkwasser bereit. Mit dieser Reserve stellt der Hochbehälter nicht nur sicher, dass auch im Fall einer Störung weiter Wasser aus den Leitungen fließen kann. Er sorgt auch für eine ausreichende Menge in Spitzenzeiten, wenn besonders viel benötigt wird — morgens, abends und in den Halbzeitpausen von Fußballspielen, die das Fernsehen überträgt. Außerdem trägt die Pufferfunktion des Hochbehälters dazu bei, den Druck im Versorgungsnetz stabil zu halten. Sollte bei einem Brand auf der nahe gelegenen Deponie Ihlenberg innerhalb kurzer Zeit viel Löschwasser benötigt werden, hielte er auch das bereit.

Der neue Hochbehälter Schönberg ersetzt einen alten, den Arbeiter in den Jahren 1978 bis 1981 auf der Anhöhe errichteten. „Er war in die Jahre gekommen“, erläutert Harald Marienhagen. Korrosion und massive Betonschäden waren offensichtlich. Der Zweckverband ermittelte die Kosten für eine Sanierung und für einen Neubau. Ergebnis nach Auskunft des Bauleiters: „Die Kosten waren gleich.“

Der Zweckverband hat auch für den Fall vorgesorgt, dass viele Menschen zuziehen und sich weitere Betriebe in der Region ansiedeln. „Für steigenden Bedarf kann eine zusätzliche dritte Speicherkammer realisiert werden“, erklärt Andreas Lachmann. Der Platz dafür werde vorgehalten, Anlagen und Verrohrungen seien bereits vorbereitet.

Sieben Trinkwasserspeicher gehören dem Zweckverband: drei Hochbehälter, drei Speicher an Wasserwerken und ein Erdspeicher in der Nähe des Gewerbegebietes Lüdersdorf.

Abriss wegen Wasserbehältern: Siedler mussten weichen

Neubauernhäuser standen einst auf der Anhöhe zwischen Schönberg und Selmsdorf. Hintergrund ist ein Wohn- und Stallbauprogramm, das die Behörden 1948 nach einem Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMA) im Gebiet der späteren DDR ins Leben riefen. In Schönberg bot sich dafür das „Bauhof“ genannte Staatsgut an. Zu ihm gehörten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs 415 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Der politisch belastete Pächter Rudolf Ledebour zog im Sommer 1945 nach Ratzeburg. Am 5. Oktober 1945 wurde das Land des Staatsgutes im Rahmen der Bodenreform verteilt. „Aus den 415 Hektar erhielten 43 Neubauern jeweils eine Siedlung, zwei Handwerker und fünf andere Personen Kleinparzellen“, heißt es in einer Abhandlung von Friedrich-Wilhelm Grosse über die Landwirtschaft in Schönberg und den eingemeindeten Dörfern zwischen 1945 und 1990.

„Bauhof West“ wurde das Gebiet westlich der Selmsdorfer Straße genannt, „Bauhof Nord“ das Areal östlich der Straße. Die zu „Bauhof Nord“ gehörenden Siedlungshäuser auf der Anhöhe zwischen Schönberg und Selmsdorf wurden zur DDR-Zeit abgerissen. Sie wichen dem Bau von Trinkwasserbehältern. Andere Häuser von „Bauhof Nord“ blieben erhalten: die an der heutigen Oberen Feldstraße.

An die Bezeichnung „Bauhof West“ erinnert noch der Name einer Bushaltestelle unweit von früheren Neubauernhäusern an der Selmsdorfer Straße.

Von Jürgen Lenz

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