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Nordwestmecklenburg Darlehen: CDU-Frau lässt Ämter ruhen
Lokales Nordwestmecklenburg Darlehen: CDU-Frau lässt Ämter ruhen
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22:51 18.09.2013
Philip Schlaffer, langjähriger Präsident des MC „Schwarze Schar“ Wismar und Ines Raum, Geschäftsführerin der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft (WWG). Quelle: Kettler, ros, Montage: kha

Ines Raum (50) lässt ihren Posten als Geschäftsführerin der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft (WWG) ruhen. Das ist das Ergebnis einer Sondersitzung des WWG-Vorstandes am Dienstagabend. Auch aus dem Vorstand des CDU-Stadtverbandes zieht sie sich vorerst zurück. So lautet ein aktueller Dreizeiler auf der Homepage der CDU Wismar.

Damit ist klar: Das privat gewährte Darlehen über 90 000 Euro im Februar 2010 von Ines Raum an Philip Schlaffer, langjähriger Chef des Motorradclubs „Schwarze Schar“ und als Neonazi bekannt, schlägt hohe Wellen. Denn mit dem Geld konnte das Gelände für den Rockerclub im Gewerbegebiet Gägelow gekauft werden.

Amtierender Vorsitzender der WWG ist Dr. Wieland Kirchner. Der bisherige Stellvertreter sagte auf LN-Anfrage, dass Ines Raum den Vorstand gebeten habe, ihr Amt als Vorsitzende auf unbestimmte Zeit ruhen zu lassen. „Zur Sache möchte ich mich nicht äußern“, so Kirchner, Geschäftsführer einer Bauberatungskanzlei. Der WWG als größte Vereinigung von Unternehmen im Raum Wismar gehören 280 Firmen mit 7000 Mitarbeitern an.

Unterdessen endete gestern der Prozessauftakt vor dem Schweriner Landgericht mit einem Vergleich. Ines Raum forderte von Philip Schlaffer rund 70 000 Euro für ausstehende Ratenzahlungen. Die Gegenseite hatte den Anspruch zurückgewiesen.

Richterin Doris Struck eröffnete um 14.30 Uhr in Saal 15 des Landgerichtes die öffentliche Verhandlung mit den Worten: „Ich möchte zunächst eine intensive Güteverhandlung durchführen.“ Von der wurden Presse und Besucher durch richterlichen Beschluss ausgesperrt. „Beim Streitprozess dann können Sie wieder dabei sein“, so die Juristin. Zu dem kam es jedoch nicht mehr. Nach etwa 90 Minuten wurde die Öffentlichkeit über einen Vergleich informiert. Der Rechtsstreit ist damit erledigt. Über Inhalte hüllen sich beide Seiten in Schweigen. Dies ist Teil der Vereinbarung.

Zuletzt waren Raum gut 50 000 Euro außergerichtlich angeboten worden. „Ich habe nichts Böses gemacht“, so Ines Raum gestern nach der Verhandlung. „Ich bin froh, dass ich mich offenbart habe und nun meinen Seelenfrieden finden kann. Ich war sehr angespannt und die Geschichte hat mich schon lange bekümmert. Mit dem Vergleich kann ich leben.“

Ihr zur Seite stand gestern im Landgericht der Wismarer Peter Manthey (FDP). „Ist für mich selbstverständlich, sie hier zu unterstützen. Es gehört Mut dazu, dieser Truppe die Stirn zu bieten.“

Kopfschütteln bei Regine Kipke, einer Cousine von Ines Raum. Auch sie stand der Klägerin gestern zur Seite. Sie hatte auch den damaligen Geliebten von Ines Raum kennengelernt. Kipke: „Wir haben lange telefoniert. Ines ist zwar eine gute Schauspielerin, aber ich bin sicher, dieser ganze Rummel nimmt sie viel mehr mit als sie sich selbst zugesteht.“

Noch vor Prozessbeginn hatte Schlaffers Rechtsanwalt Sven Rathjens in einer Mitteilung erklärt: „Frau Raum versucht sich verständlicherweise als Gutmensch und Sauberfrau darzustellen, was sie jedoch nicht ist. Sie kennt Herrn Schlaffer bereits länger als ihren damaligen Lebensgefährten und zwar seit 2006 als sie Flyer für den damals so bezeichneten Werwolfshop drucken ließ.“

Völlig überrascht und fassungslos hat Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) auf die Berichte reagiert. Beyer: „Ich erwarte von Frau Raum eine deutlich klarere Distanzierung von dem, was sie gemacht hat. Das ist ein Tiefschlag, gerade weil sich die Stadt gegen Extreme positioniert hat.“ Er wisse sehr wohl um ihr starkes Engagement im Vereinsleben. Beyer: „Wie es mit den Ehrenämtern weitergeht, entscheiden die jeweiligen Vereine. Frau Raum muss selbst überlegen, inwieweit sie die Institutionen belastet.“

Kurz nach der Verhandlung sagte Ines Raum gegenüber der LN: „Ich muss erstmal zur Ruhe kommen. Deshalb werde ich meine Tätigkeiten einige Zeit ruhen lassen. Dann aber mache ich weiter.“

Hintergründe
Im August 2009 verliebt sich Ines Raum in einen ehemaligen Häftling und lernt über ihn Philip Schlaffer kennen. Der will in Gägelow einen Club aufbauen. Im Februar 2010 kommt es zum privaten Darlehensvertrag über 90 000 Euro zwischen Raum und Schlaffer.

Ab April 2010 beginnt die Ratenzahlung über 955 Euro. 20 Raten seien gezahlt worden — bis Ende 2011. Auf diese Weise flossen 19 100 Euro an Ines Raum zurück. Im Dezember 2011 endet, so der Vorwurf, auch die Zahlung von Schlaffer. Die Gegenseite behauptet, die Rückzahlung des Darlehens sei vereinbarungsgemäß erfolgt.

Ende Februar 2012 wendet sich Raum an die Polizei. Am 1. März 2012 reicht sie Klage bei Gericht auf Zahlung ein.

Im Juli 2012 und September 2013 sind anonyme Briefe im Umlauf, die Ines Raum in Misskredit bringen.

Am gestrigen 18. September war die Verhandlung vor dem Landgericht.

Heiko Hoffmann und Ina Schwarz

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