Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Das Aus abgewehrt: Piraten dürfen weiterkämpfen
Lokales Nordwestmecklenburg Das Aus abgewehrt: Piraten dürfen weiterkämpfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:20 14.08.2017

Durchatmen bei den Piraten: Das Amtsgericht Wismar wird im Lärm-Streit keine einstweilige Verfügung gegen das Grevesmühlener Open Air-Theater erlassen. Das ist gestern bei der Verhandlung in der Hansestadt deutlich geworden. „Ich sehe in der Sache keine Eilbedürftigkeit. Und auch in einem ordentlichen Verfahren würden sie nie erreichen, dass der Betrieb eingestellt wird“, sagte Richter Klaus Halm in Richtung Klägerseite. Damit kann der Spielbetrieb an der Schweriner Landstraße vorerst weitergehen. Eine offizielle Entscheidung des Gerichts steht aber noch aus: Am Montag soll das Urteil verkündet werden.

Dennoch herrschte bei den Verantwortlichen des Open Air-Theaters schon nach der gestrigen Verhandlung pure Erleichterung. „Uns ist allen ein Stein vom Herzen gefallen. Denn es geht um die eigene Existenz und die der vielen Mitarbeiter“, sagte Theater-Intendant Peter Venzmer. Die Klage von drei Anwohnern zielte darauf ab, den kompletten Spielbetrieb in Grevesmühlen wegen überschrittener Lautstärke einstellen zu lassen. Ein Großteil des Piraten-Ensembles war deshalb zum Gerichtstermin nach Wismar angereist und hat die Verhandlung im vollbesetzten Saal mitverfolgt. „Die Sache ist für alle emotional belastend. Das heute war eine kleine Befreiung“, meinte Hauptdarsteller und Regisseur Benjamin Kernen. Unterstützung gab es auch aus anderen Ecken Deutschlands: In einer Petition hatten im Vorfeld der Verhandlung mehr als 1000 Menschen mit ihren Unterschriften ihrer Unterstützung für das Theater Ausdruck verliehen.

Für die Klägerseite war einzig Rechtsanwalt Torsten Renzow im Gerichtssaal anwesend. Er rechtfertigte die Verfügungsklage damit, dass die „adventure-production Grevesmühlen GmbH“ als Veranstalter des Open Air Theaters mehrfach die Grenzwerte der Freizeitlärm-Richtlinien überschritten hätte. „Warum sitzen wir hier und diskutieren darüber, dass Gesetze eingehalten werden müssen?“, meinte Renzow. Er warf den Piraten-Verantwortlichen auch vor, bei Messungen der Behörden vorsätzlich leiser zu spielen.

„Wie soll man das mit einem Live-Theater machen?“, entgegnete Intendant Venzmer auf den Vorwurf. Er betonte, dass in den vergangenen Jahren alles dafür getan wurde, um den Lärm in Grenzen zu halten.

So seien die Ladungen in den Kanonen auf das Minimum reduziert und Dämmungen verbessert worden. „Mehr geht nicht“, so Venzmer. Piraten-Anwalt Dirk Nasdala stellte sogar in Frage, ob die Kläger überhaupt Schutzrecht fordern dürfen. Denn deren Häuser würden sich in einem Außenbereich ohne Bebauungsplan befinden. „Das ist ein Gebiet, in dem Wohnen nicht erlaubt ist“, behauptete Nasdala.

Auch der Versuch, einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen beiden Partien aufzusetzen, misslang. Laut Rechtsanwalt Torsten Renzow habe den Anwohnern in der Vereinbarung die klare Verpflichtung zur Einhaltung der Grenzwerte von Seiten des Open Air Theaters gefehlt. Aktuell würden diese Grenzwerte in der Spitze um fünf Dezibel überschritten werden, hieß es. Die Ergebnisse der Messungen, die in der vergangenen Woche vorgenommen worden sind, liegen aber noch nicht vor.

Aufmerksam verfolgt hat die Verhandlung auch Lars Prahler (ptl.). Der Grevesmühlener Bürgermeister ist ebenfalls erleichtert, dass eine einstweilige Verfügung vom Tisch scheint. Prahler zweifelt aber daran, dass das Gericht in der Angelegenheit Rechtsfrieden schaffen wird. „Deshalb habe ich der Klägerseite angeboten, dass wir zusammen in einen Diskussionsprozess einsteigen“, sagte das Stadtoberhaupt. Das Ziel sei, einen Kompromiss zu finden, bei dem nicht nur Regeln festgelegt, sondern auch für Rechtsfrieden gesorgt wird. Auch Peter Venzmer glaubt, dass der Streit noch nicht zu Ende ist. „Die Gegenseite wird weitere Schritte unternehmen.“

Daniel Heidmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Welches Buch lesen Sie gerade? „Fleischfabrik Deutschland“ vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen Anton Hofreiter.

14.08.2017

Schweriner Volleyballerinnen und Ex-Fußballer beim sportlichen Strandtag in Boltenhagen.

14.08.2017

Naturbad wird so gut besucht wie in den Vorjahren / Betreiberverein hält sich finanziell über Wasser.

14.08.2017
Anzeige