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Nordwestmecklenburg Das Dorf der Ruhe feiert Geburtstag
Lokales Nordwestmecklenburg Das Dorf der Ruhe feiert Geburtstag
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20:22 17.09.2013
Typisch Rosenhagen: Ein zwölfjähriger Junge sammelt Steine am Naturstrand. Dort findet er mit etwas Glück Hühnergötter. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Die Autotür öffnet sich und man hört — nichts. Nur ein leises Säuseln des Windes. Willkommen in Rosenhagen. Hier wohnt die Stille. Siedlerhaus reiht sich an Siedlerhaus an der einzigen Straße, die durch den alten Teil des Ortes führt. Es ist die „Straße des Friedens“. Hier wohnt Dieter Garbe, 66 Jahre, Vollbart. Wie lebt es sich in Rosenhagen an der Ostsee, Herr Garbe? Herr Garbe lächelt verschmitzt und antwortet: „Ruhig.“

38 Frauen und Männer wohnen in dem Ort, der bis 1945 nur aus einem Gutshaus, Scheunen, Ställen und ein paar Katen bestand. Kinder gibt es hier momentan keins. Am Sonnabend erwarten die Bewohner des Dorfes jedoch einen ganzen Schwung auf einmal. Dann bieten sie nämlich bei der 450-Jahr-Feier von Rosenhagen Spiel und Spaß für die Kleinen. Los geht‘s um 14 Uhr auf dem Parkplatz am Ortseingang. „Es sind natürlich nicht nur die Rosenhäger eingeladen, sondern alle“, sagt Gerd Matzke, Vorsitzender der Ortsteilvertretung für Pötenitz, Rosenhagen, Feldhusen, Johannstorf, Benckendorf und Volkstorf.

Dieter Garbe engagiert sich im Festkomitee. In den vergangenen Monaten hat er einiges über die Geschichte von Rosenhagen herausgefunden. „Schauen Sie mal hier“, sagt er und zeigt auf Zeichnungen. Es sind Außenansichten und Grundrisse des Gutshauses von Rosenhagen. „Es war ein ganz besonderes Gutshaus — im Kolonialstil“, sagt Dieter Garbe und zeigt auf ein vergilbtes Bild. Der Bauherr, Meno Rettich, 1839 in Rosenhagen geboren, war von 1893 bis 1907 Mitglied des Deutschen Reichstags. Er gehörte der Deutschkonservativen Partei an. 1976 rissen Arbeiter das Anwesen nahe dem Ostseestrand ab.

Es stand zu dicht an der Grenze, hieß es. Vom alten Gut sind nur Erinnerungen und ein paar Ruinen geblieben.

Was macht Rosenhagen heute aus? „Unser Dorf liegt idyllisch am Naturstrand“, antwortet Dieter Garbe. Eine Steilküste gehöre auch dazu. Tolle Wanderungen könne man hier im Herbst, Winter und Frühjahr machen. Mit etwas Glück finde der Wanderer Donnerkeile, Hühnergötter, Seeigel.

Beim Jubiläumsfest am Sonnabend finden die Besucher Bratwürste vom Grill, Räucherforellen, Kaffee und Kuchen, einen Trödelmarkt, Wildschwein vom Spieß. Kinder werden die Gelegenheit haben, mit einem Feuerwehrauto zu fahren, zu malen, zu spielen. „Auch eine Hüpfburg ist da“, kündigt das Festkomitee an. Am Abend spielt die Lübecker Musikgruppe „Swing in Blue“ in einem Zelt. Danach zieht in Rosenhagen wieder die Stille ein.

Die Bewohner der neuen Ferienhäuser schätzen das. Ihre Siedlung ist mittlerweile größer als der alte Teil des Ortes. Viele von ihnen unterstützen die 450-Jahr-Feier. Dieter Garbe sagt: „Wir haben 26 Sponsoren. Die meisten sind Familien, die hier Ferienhäuser gebaut haben.“ Sie wohnen wenige hundert Meter vom Naturstrand entfernt. Im Küstenwald rascheln die Blätter. Eine frische Brise weht übers Meer. Die Luft riecht nach Seegras. Zwei Wanderer gehen die Steilküste entlang. Ein Kind sammelt Steine auf. Die Wellen plätschern. Auf dem Meer zieht eine Fähre vorbei. Segelboote verlassen den Hafen von Travemünde. Über Rosenhagen ziehen Wildgänse. Ganz gemächlich. Ruhig.

Jürgen Lenz

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