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Nordwestmecklenburg Das Leben in der DDR, der Müll und mehr
Lokales Nordwestmecklenburg Das Leben in der DDR, der Müll und mehr
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20:38 08.09.2016
Volkmar Förster aus der Uckermark stellt derzeit im Wismarer Baumhaus aus. Quelle: Nicole Hollatz

Seine „Bildinszenierungen“ zeigt Volkmar Förster im Wismarer Baumhaus. Fünf Räume, gefüllt mit jeweils verschiedenen Themen und Techniken, die als Kunstwerk für sich aufgeschrieben und edel gerahmt über dem jeweiligen Türbogen im Baumhaus hängen.

„Der zertanzte Traum“ steht so über dem ersten Raum. Dort fallen die überlebensgroßen menschlichen Abbildungen auf. In einem Gestell hängen sie dicht an dicht nebeneinander. Im dichten Schwarz-Rot tänzeln die Figuren, bewegen sich. Farbholzschnitte auf luftigem Chinapapier. Dabei setzt er sich mit diesem 15 Bildern ganz konkret mit der eigenen Vergangenheit auseinander. „Das ist mein Leben in der DDR“, zeigt er auf die Bilder, macht auf die typischen DDR-Landschaften im Hintergrund der Tänzer aufmerksam. Und lächelt schelmisch: „Das wissen ja die meisten nicht, dass wir in der DDR auch getanzt haben.“ Aber: Die Menschen haben es falsch angepackt, sie haben sich ihren Traum zertanzt. Viel Philosophie für einen Rotweinabend zwischen den schwarzen und roten Flächen.

In Wismar ist Volkmar Förster kein Unbekannter. Im Dezember 2013 stellte er in der Galerie Hinter dem Rathaus aus. Damals noch viele Landschaften, die er – so seine eigenen Worte – ziemlich konservativ gezeichnet hat. Im Baumhaus zeigt er Neues. „Jeder Sache folgt eine andere“, antwortet er auf die typische Frage nach der Inspiration. „Ich kultiviere nie eine Technik, ich will immer Neues ausprobieren“, erklärt er die verschiedenen Techniken und Werke, die allesamt erst in den vergangenen vier Jahren entstanden sind. Ein Baumhausraum ist so mit „Unser täglich Brot“

überschrieben. An den Wänden hängen zwölf Farbholzschnitte und Collagen, die immer in der ähnlichen Perspektive meist augenlose Menschen zeigen. In ihre übergroßen, gefährlich bezahnten Mündern schaufeln sie Essbares. „Wenn man in einem Nobelrestaurant alles noble weg lässt, ist das Essen genauso ästhetisch wie bei den Tieren“, erklärt Förster. In der Mitte des Raumes zeigt er, was im Gegensatz zum tierischen Fressen beim Menschen übrig bleibt. Müll. Aufgetürmt zur auf der Spitze stehenden Pyramide, in der Luft schwebend und immer mit der Option des Fallens, des Umkippens. Unter der Müllpyramide steht „Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich im pazifischen Ozean ein riesiger Trichter mit plastikverseuchtem Meerwasser ausdehnt. Im Inneren ist die Konzentration von Plastikteilchen um ein Vielfaches größer als das natürliche Plankton. Letztendlich gelangen die Plastikteilchen in die Nahrungskette des Menschen. Unser täglich Brot.“

Das Œuvre des Künstlers ist beeindruckend. Bedrohliche Todesvögel setzt er neben liebreizenden Schwanengesang, setzt sich in Farbradierungen, Collagen und mit Kalligrafie mit der Nibelungengeschichte auseinander – intensive Bilder in Schwarz, Rot und Gold mit eigenen Texten.

Der Künstler

Volkmar Förster, 1939 geboren in Chemnitz, hat nach seiner Studienzeit in Dresden als Bühnenbildner in Schwerin, Magdeburg und Halle

gearbeitet. Seit 1981 ist er freischaffend, lebte und arbeitete erst in

Banzkow (Landkreis Ludwigslust-

Parchim), nun in Funkenhagen

(Uckermark), arbeitete als Puppenspieler und entwickelte einen

alten Gasthof zum Kulturzentrum.

Die Ausstellung im Wismarer

Baumhaus am Alten Hafen ist bis

zum 25. September täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei.

Nicole Hollatz

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