Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Das tote Gleis am Börzower Weg
Lokales Nordwestmecklenburg Das tote Gleis am Börzower Weg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:12 18.01.2017

Der Laie wundert sich, der Fachmann staunt – Ein Personenwaggon aus dem Jahr 1928 wurde im Börzower Weg in Grevesmühlen auf einen Tieflader verladen. Dabei gibt es dort seit etlichen Jahren keinen Gleisanschluss mehr. Was also macht das historische Gefährt dort überhaupt?

Des Rätsels Lösung ist recht simpel. Der Wagen gehört dem Verein Historische Eisenbahn Klütz („Klützer Kaffeebrenner“) , der viele Jahre nach der Wende den Betrieb des Klützer Kaffeebrenners aufrechterhielt. Nach dem Streit mit Lutger Guttwein und der Klützer Ostsee Eisenbahn (KOE) ist das Tischtuch zwischen den Verantwortlichen bis heute zerschnitten. Damals uferte der Disput derart aus, dass Guttwein 1998 die Weiche nahe dem Getreidelager im Börzower Weg stilllegen ließ. Die Weiche war für den Verein Historische Eisenbahn die einzige Möglichkeit, vom Standort auf dem Getreidehandel auf das öffentliche Schienennetz zu gelangen. Guttwein begründete damals die Stilllegung mit den hohen Kosten, die die Weiche verursachen würde.

Damit standen zwei Loks und mehrere Waggons quasi auf dem Trockenen. In der Zwischenzeit wurden die meisten Gefährte abgeholt – wie jetzt auch mit einem Autokran und einem Tieflader. Denn einen anderen Weg gibt es nicht.

Wie ein Sprecher des Vereins mitteilte, würde der Personenwagen jetzt an einen Ort gebracht, wo er saniert werden könnte. Dort würden sich noch weitere Wagen befinden, auch eine Inneneinrichtung sei vorhanden, so dass der Wagen wieder in einen Zustand versetzt werden könne, um ihn weiter zu nutzen. Trotz des Alters von fast 90 Jahren befindet sich der Personenwagen in einem guten Zustand. Der Verein verfügt nach eigenen Angaben noch über vier weitere. Dass der Waggon jetzt abtransportiert wird, hat seinen Grund unter anderem in den Planungen der Stadt Grevesmühlen. Die will die alten Hallen in den kommenden Jahren abreißen, um ein Wohngebiet zu errichten. Die alte Bahnlinie, die von Grevesmühlen nach Klütz hier entlangführte, wird allerdings Geschichte bleiben. Denn der Kaffeebrenner fährt aktuell von Klütz nach Reppenhagen, eine Weiterführung würde bedeuten, dass der Betreiber die Schrankenanlagen, unter anderem über die B 105, und die Rehnaer Straße in Grevesmühlen unterhalten müsste – inklusive des Gleises am Bahnhofsgebäude.

Bis 1995 rollten noch reguläre Züge auf der Strecke von Grevesmühlen nach Klütz. Am 1. Januar 1994 wurde der Güterverkehr eingestellt, im Mai 1995 schließlich auch der Personenverkehr abbestellt. Ein Jahr später 1996 wurde die Klützer Ostsee-Eisenbahn (KOE) gegründet, die ab dem 6. Juni 1997 touristischen Verkehr mit historischen Dampflokomotiven, Diesellokomotiven und Triebwagen anbot. Doch nach kurzer Zeit gab es Auseinandersetzungen unter den Eisenbahnfans, die unter anderem dazu führten, dass 1998 die Weiche am Börzower Weg abgerissen wurde. 2005 wurde der Betrieb der Bahn eingestellt, im August 2006 wurden die Gleise abmontiert und als Schrott verkauft.

Von 2012 bis 2014 erfolgte der Wiederaufbau einer Schmalspurbahn durch die Stiftung Deutsche Kleinbahnen.

Michael Prochnow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Knapp vier Jahre war die Wehr abgemeldet / 24 Aktive stehen jetzt für Einsätze bereit.

18.01.2017

Bad Kleinen: Kursgruppe macht Bilddokumente von alten Bahnhofsgebäuden.

18.01.2017

Nach dem Ende des BRH geht die Arbeit für ältere Menschen weiter / 2018 droht jedoch das Aus.

18.01.2017
Anzeige