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Nordwestmecklenburg Dassow wehrt sich gegen Windräder
Lokales Nordwestmecklenburg Dassow wehrt sich gegen Windräder
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17:24 14.03.2019
Ein Bild von Magnus Pelkowski soll simulieren, wie Dassow nach dem Bau von Windenergieanlagen unweit der Stadt aussehen könnte. Quelle: Jürgen Lenz
Dassow

Als „Tor zur Ostsee“ mit schönen Landschaften und viel Natur sieht sich die Stadt Dassow, doch ihr Anblick könnte bald von Windenergieanlagen überragt werden. Dagegen will sich die Stadt seit Jahren wehren. Doch die Befürchtung vieler Bürger und Kommunalpolitiker bekommt jetzt neue Nahrung. Ein geplantes „Windeignungsgebiet Dassow und Roggenstorf“ ist nach einer ersten Beteiligung von Behörden, Kommunen und Bürgern nicht etwa gestrichen worden, wie einige Stadtvertreter hofften. Trotz vieler ablehnender Stellungnahmen ist es im zweiten Entwurf sogar größer als im ersten: statt bisher 72 Hektar jetzt 101.

Stadtvertreter in Dassow wollen das nicht hinnehmen. Sie bereiten eine Stellungnahme für die zweite Stufe des Beteiligungsverfahrens vor. Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Tourismus beschlossen einstimmig, dass ein Entwurf von Gerd Matzke (SPD) als Grundlage für ihre weiteren Beratungen dienen soll.

Wie berichtet, wurde nach der ersten Stufe des Beteiligungsverfahrens ein 243 Hektar großes Windeignungsgebiet zwischen Palingen und Selmsdorf gestrichen – mit der Begründung, dass der Bau von Windkraftanlagen dort die markante Silhouette des Unesco-Welterbes „Lübecker Altstadt“ in einer Weise stören würde, die nicht hinzunehmen sei. An diese Argumentation schließt die Stadt Dassow an. Im Entwurf der Stellungnahme heißt es, wegen der Schutzwürdigkeit einzigartiger kultureller Bauwerke und ihrer Sichtachsen sei die Sichtachse „Dassow-Speicher/Dassow-Kirche/Dassow“ zu berücksichtigen. Die Stadt habe als „Tor zur Ostsee“ für ganz Mecklenburg-Vorpommern ein Alleinstellungsmerkmal, das alle Reisenden aus Richtung Westen betrifft. Der alte Speicher an der Stepenitz sei für die Region ein einzigartiges Baudenkmal. Die weitere Argumentation: „Als Einzugsgebiet von vielen Tagestouristen aus Richtung Hamburg, Lübeck, Kreis Herzogtum Lauenburg und Kreis Stormarn über die A 20/B 105/ L 01 kommend, aber auch für viele Langzeiturlauber in Mecklenburg-Vorpommern ist das Tor zur Ostsee vielbedeutend für die visuelle Erlebbarkeit unserer Landschaft.“ Deshalb hätten Anlagen in einem Windeignungsraum „Dassow-Roggenstorf“ ein „hohes Beeinträchtigungspotenzial von landesweiter Bedeutung.“

In Sülsdorf ist zu sehen, wie sich Windräder auf ein Ortsbild auswirken. Quelle: Jürgen Lenz

In der ersten Stufe des Beteiligungsverfahrens hatte die Stadt Dassow mit einer ähnlichen Stellungnahme allerdings keinen Erfolg. Der Regionale Planungsverband Westmecklenburg hält ihr entgegen: „Durch die Errichtung von Windkraftanlagen kann es im Einzelfall zu einer Überformung des Erscheinungsbildes auch weiter entfernt liegender Kultur- oder Baudenkmäler durch die Baukörper kommen. Dies kann aber erst auf lokaler Ebene in Abhängigkeit von Höhe und Anordnung der tatsächlichen Windenergieanlagen untersucht werden und ist damit Gegenstand des nachgeordneten Genehmigungsverfahrens.“

Bürger können Stellung nehmen

Die Ausweisung von Eignungsgebieten für Windenergieanlagen zu aktualisieren, ist ein Ziel einer Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms für Westmecklenburg. Einzusehen sind die Unterlagen im Internet unter www.raumordnung-mv.de und www.westmecklenburg-schwerin.de, im Amt für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg in Schwerin, in den Verwaltungen der Landkreise Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim sowie in den Amtsverwaltungen in Westmecklenburg. Auch Bürger können bis 10. April Stellungnahmen abgeben: per E-Mail an beteiligung2@afrlwm.mv-regierung.de, im Rahmen der Onlinebeteiligung unter www.raumordnung-mv.de und www.westmecklenburg-schwerin.de und in der Geschäftsstelle des Regionalen Planungsverbands Westmecklenburg, Wismarsche Straße 159 in 19053 Schwerin.

Ins Feld führen kann die Stadt Dassow auch das „Schutzgut Menschen“. Im Entwurf ihrer Stellungnahme heißt es: Mit dem Eignungsgebiet darf keine unzulässige Verhinderungsplanung von dringend erforderlicher Stadtentwicklung verbunden sein.“ Gegen eine Verhinderungsplanung, die die Bedingungen und Bedürfnisse von Dassow unberücksichtigt lässt, werde die Stadt auch mit rechtlichen Mitteln vorgehen. Zu berücksichtigen sei auch der Erlebnis- und Tigerpark, in dessen Nähe das Windeignungsgebiet derzeit vorgesehen ist. Er sei von überörtlicher Bedeutung für Erholung und Tourismus in der Region. Gerd Matzke erläuterte im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Tourismus: „Wir wollen hier auf eine vorhandene und gewachsene Infrastruktur hinweisen.“ Besonders für die Dassower Ortsteile Groß Voigtshagen und Holm seien das Kriterium „Vermeidung erheblich beeinträchtigender Umfassung von Siedlungen“ und das Verbot von erheblichen Belästigungen für die Allgemeinheit und die Nachbarschaft bisher nicht ausreichend berücksichtigt worden. Mit etwa 135 Grad werde Groß Voigtshagen durch das Windeignungsgebiet umfasst – und zwar in der nächstmöglichen Distanz von 1000 Metern. Auch werde die optische Riegelbildung in der Landschaft bisher nicht berücksichtigt. Langgestreckte Eignungsgebiete seien zu verhindern. In der derzeit vorgesehenen Ausdehnung entstehe aber mit einer Länge von mehr als drei Kilometern und einer Breite von 100 bis 800 Metern ein beherrschender optischer Riegel. Ein Mindestabstand von 1000 Metern zum Ortsteil Holm sei ebenfalls noch berücksichtigt worden. Außerdem liege das Windeignungsgebiet in der unmittelbaren Nähe eines Vogelschutzgebietes mit „windsensiblen Arten“: Flussseeschwalbe, Rohrweihe, Rotmilan, Schwarzmilan und Weißstorch.

Bis 10. April hat die Stadt Dassow Zeit, ihre Stellungnahme beim Regionalen Planungsverband Westmecklenburg einzureichen. Am kommenden Dienstag, den 19. März, berät der Hauptausschuss der Stadtvertretung in einer öffentlichen Sitzung. Sie beginnt um 19 Uhr mit einer Einwohnerfragestunde im alten Rathaus.

Jürgen Lenz

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