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Nordwestmecklenburg Dassower Kuh-Drama mit Happy End
Lokales Nordwestmecklenburg Dassower Kuh-Drama mit Happy End
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10:16 02.11.2017
Feuerwehrleute hatten am Sonntag versucht, das Kalb an Land zu treiben. Quelle: Foto: Malte Behnk
Dassow

 Alles in Ordnung?

Kalb war auf überflutete Weide geraten und sorgte für Großeinsatz.

Nicht ganz, denn Landwirt Harald Benett hat die Situation vom Wochenende noch immer nicht ganz verdaut. Zu groß war die Aufregung um die Rettung des Kalbs. Neben den Feuerwehren aus Dassow und Israelsdorf – Harald Benett ist Mitglied der Wehr, die freiwillig zu Hilfe eilte – einer Amtstierärztin und der Polizei waren auch etliche Behördenvertreter vor Ort. „Der ganze Aufwand war viel zu groß, der Stress für das Tier gewaltig.“ Benett, der die Weide seit 20 Jahren gepachtet hat, hatte bereits am Sonnabend, einen Tag vor dem Sturmtief, die Rinder von der Weide geholt. „Leider hatte das Kalb es sich anders überlegt, es wollte partout nicht aus Mecklenburg weg.“ Das führte schließlich dazu, dass am Sonntag die Feuerwehr alarmiert wurde. Am Montag, so informiert der Landkreis, wurde das Veterinäramt durch das Amt Schönberger Land über die Situation informiert. Weil drei Versuche eines Tierarztes, mithilfe eine Betäubungspfeils das Kalb zu beruhigen, fehlschlugen, hatte die Amtstierärztin das Erschießen angeordnet. Sehr zum Entsetzen von Harald Benett. „Ich habe um 13 Uhr davon erfahren, dass das Kalb um 15 Uhr erschossen werden sollte. Dabei wäre Ruhe das einzige Mittel gewesen, um das Tier von der Weide zu holen.“ Er hatte die Mutterkuh in der Nähe der Weide behalten, um das Kalb anzulocken. „Aber bei der Masse an Menschen war der Stress viel zu groß.“ Und Stress hatte nicht nur das Kalb. „Es war nicht ganz einfach mit den Behördenvertretern und der Polizei, das muss ich schon sagen. Denn die Anweisung, das Tier zu erschießen, war völlig überzogen.“ Um 15 Uhr sollte der Schuss fallen, um 14.45 Uhr gelang Benett schließlich die Rettung. Das Kalb hatte offenbar genug von der feuchten Weide, es lief über die Straße auf eine trockene Wiese. Inzwischen sind Kalb und Muttertier wieder vereint, und Harald Benett ist froh, dass das Tier nicht erschossen werden musste. Die spannende Frage ist nun allerdings, wer den Großeinsatz finanziert. „Ich habe natürlich eine Haftpflichtversicherung, die für solche Schäden aufkommt“, betont der Landwirt: „Aber nötig gewesen wäre das alles nicht.“ Inzwischen muss sich der Tierhalter Vorwürfe anhören, er hätte seine Kühe zu spät von der Weide geholt. „Alles Unsinn, wie gesagt, ich habe bereits am Sonnabend die Kühe zurück nach Schleswig-Holstein gebracht, aber dieses eine Kalb wollte nicht.“

Mathias Diederich, erster Stellvertreter der Landrätin, erklärt auf Anfrage der LN, dass die zuständige Amtstierärztin sich am Montag ein Bild gemacht habe. Ihr sei berichtet worden, dass sich das Tier bereits Sonntag in dieser Situation befinde und der Tierhalter bereits am Vortag durch hektisches Eingreifen und unkooperatives Verhalten die Rettung des Rindes behindert habe. Aufgrund der niedrigen Temperaturen und des schwierigen Geländes auf der überfluteten Weide habe die Amtstierärztin angeordnet, das Rind durch ein Narkosegeschoss zu betäuben. Das gelang nicht. „Als die Rettungskräfte die Aktion abbrechen wollten, blieb der Amtstierärztin zunächst keine andere Möglichkeit, als aus Tierschutzgründen die Tötung des Tieres anzuordnen“, informiert Mathias Diederich.

Erst dann sei es Harald Benett gelungen, das Kalb zu retten.

 Malte Behnk und Michael Prochnow

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