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Nordwestmecklenburg Dassower schreiben neue Chronik
Lokales Nordwestmecklenburg Dassower schreiben neue Chronik
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22:01 17.10.2017
Dokument aus der Geschichte von Dassow: Eine Ansichtskarte von 1898 gibt künstlerisch gestaltete Ansichten des Ortes wieder. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz
Dassow

Wer die Geschichte eines Ortes erforscht, der findet Interessantes, das kaum jemand weiß. Diese Erfahrung hat die Dassowerin Andrea Hinrichs gemacht. Die 48-Jährige gehört einer Arbeitsgruppe an, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine Chronik zu 800 Jahre Dassow erscheinen zu lassen. Pünktlich zum Jubiläum 2019 soll das Buch erscheinen. Bis dahin ist noch ein langer Weg. Die Arbeitsgruppe hofft auf Hilfe aus der Bevölkerung. Auch der Dassower Pastor Ekkehard Maase forscht und schreibt mit an der Chronik. Für ihn steht fest: „Es darf keinWerk sein, das behauptet: Früher war alles besser.“ Die Chronik solle vielmehr ein Buch werden, das möglichst objektiv erzählt, was gewesen ist. Deshalb gehöre zur Historie der Stadt auch die Geschichte der Zwangsarbeiter in der Zeit des Nationalsozialismus, die auf dem Friedhof in Dassow bestattet wurden. Eines sei bereits deutlich geworden: „Schwierig wird es für die Zeit der DDR.“ In jedem Fall sei es wichtig, das Geschehen in den historischen Zusammenhängen zu sehen und von verschiedenen Seiten zu erzählen. Welche Folgen es haben kann, wenn jemand nur auf das Vergangene starrt, das weiß

Buch soll zum Jubiläum 2019 erscheinen / Arbeitgruppe hofft auf die Hilfe von Bürgern.

der Dassower Pastor aus der biblischen Geschichte von Lots Frau. „Dann erstarrt jemand zur Salzsäule. Dann entsteht nichts neues“, erklärt Ekkehard Maase. Die Bibel ist nach seinen Worten „unter anderem auch ein Chronikwerk.“ Menschen hätten offenbar ein Bedürfnis, Geschichte und Geschichten festzuhalten. Das hat auch die Dassowerin Christine Bentlage erfahren. Sie ist für die redaktionelle Betreuung der „Dassower Hefte“ zuständig. In den Heften veröffentlicht der Heimat- und Tourismusverein „Tor zur Ostsee“ vor allem historische Fakten und das, was Einwohner der Stadt und ihrer Ortsteile erlebt haben.

Der Arbeitsgruppe für die Dassower Chronik gehört Christine Bentlage ebenfalls an. Weitere Mitglieder sind Angela Radtke, Volker Jakobs, Hans-Heinrich Moll, Lutz Pinnecke aus dem Ortsteil Pötenitz, Karl-Ludwig Strübing und Stefan Pohlke, der bereits eine umfangreiche Chronik des Kirchspiels Dassow zusammengestellt und kommentiert hat.

In der Chronik zu 800 Jahre Dassow soll neben vielen anderem auch die Geschichte der Landwirtschaft, der Feuerwehr, der Schulen, der Kindergärten und vieles mehr vorkommen. Ekkehard Maase ergänzt:

„Die Kirche ist für Dassow ebenfalls wichtig, auch weil sie das älteste Gebäude ist.“ Sie wurde bereits 1232 erwähnt – 13 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung von Dassow. Andrea Hinrichs sagt: „Wir bitten darum, dass die Dassower in sich gehen und nachdenken, was sie noch Interessantes zu Hause haben und was sie erzählen können.“ Andrea Hinrichs nennt Beispiele: Die Badestelle am Dassower See, der im Moment wie im Dornröschenschlaf aussehe, oder auch der Transport der Dassower Fischkutter zu DDR-Zeiten auf Tiefladern nach Wismar. „Auch Details könnten wichtig sein“, sagt Andrea Hinrichs. Ekkehard Maase ergänzt: „Was wir brauchen, sind vor allem Dokumente, die möglichst alt sind und Bilder, die möglichst alt sind. Da ist die Quellenlage bisher relativ dürftig.“ Für alle Fotos und Schriftstücke gilt nach Auskunft von Andrea Hinrichs: „Wir wollen die Originale nicht behalten. Wir geben sie zurück.“

 Jürgen Lenz

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