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Nordwestmecklenburg Den Willen äußern, bevor es zu spät ist
Lokales Nordwestmecklenburg Den Willen äußern, bevor es zu spät ist
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22:22 28.10.2013
So ungern die Menschen über solche Themen reden, es ist ratsam und wichtig.“Stefan Baetke, Betreuungsverein „Der Weg“ in Grevesmühlen
Grevesmühlen

Die Welt war in Ordnung, bis er mit seinem Auto gegen einen Baum krachte. Seitdem liegt er im Koma. Seine Frau weiß nicht, wo ihr der Kopf steht. Das Büro, das er als Unternehmer anmietete, kann sie nicht zahlen. Ebenso wenig seinen dienstlichen Telefonanschluss. Hat sie doch selbst nur ein kleines Einkommen. Aber kündigen kann sie beide Verträge nicht. Sie und ihr Mann haben eine entscheidende Sache nicht gemacht: sich gegenseitig eine Vorsorgevollmacht erteilt. Das macht es ihr unmöglich, im Namen ihres Mannes zu handeln und das Büro sowie den Telefonanschluss zu kündigen.

„Eine Vorsorgevollmacht ist ratsam und eigentlich schnell gemacht“, erläutert Stefan Baetke vom Betreuungsverein „Der Weg“ e. V. in Grevesmühlen. Dieser existiert seit 2009 in Grevesmühlen und gibt Tipps rund um das Betreuungsrecht — kostenlos. Im Internet sind viele Muster solcher Vollmachten zu finden. „Wir empfehlen die des Bundesjustizministeriums“, erläutert Stefan Baetke. In eben dieser ist auch geregelt, dass der Bevollmächtigte, in unserem Beispiel die Ehefrau, Miet- und Telefonverträge kündigen darf.

„Für Handelsgewerbe ist eine notarielle Beurkundung der Vollmacht erforderlich. Ebenso, wenn Ehepaare bereits mit einem Notar zwecks Hauskauf zum Beispiel zu tun hatten“, sagt Stefan Baetke.

Ansonsten gelte eine Vorsorgevollmacht auch ohne Beglaubigung der Unterschrift durch einen Notar. „Wir empfehlen aber, die Unterschrift alle zwei bis drei Jahre mit Datum zu erneuern, um die Aktualität zu bewahren“, rät Baetke. Hinterlegt werden kann eine Vorsorgevollmacht in den eigenen Unterlagen, möglich ist das aber auch gegen Gebühr bei der Bundesnotarkammer.

Der Zustand ihres Mannes verschlechtert sich rapide. Die Ärzte haben keine Hoffnung mehr. Er wird sterben, machen sie ihr unmissverständlich klar. Sie weiß, dass er das nicht im Krankenhaus möchte.

Oft genug haben sie über den Ernstfall gesprochen — aber schriftlich nie etwas festgehalten. Eine Patientenverfügung des Mannes hätte es ermöglicht, dass sie ihn wenn möglich zu Hause beziehungsweise in vertrauter Umgebung sterben lassen. „Während eine Vorsorgevollmacht die rechtliche Seite betrifft, regelt die Patientenverfügung die medizinische. Auch hier verweisen wir auf die Textbausteine des Bundesjustizministeriums“, erläutert Stefan Baetke. Der Patient, in unserem Fall der Ehemann, kann mit der Verfügung ebenso regeln, dass lebenserhaltende Maßnahmen unterlassen oder keine künstlichen Ernährungen oder Beatmungen begonnen werden. „So ungern die Menschen darüber reden, aber solche Absicherungen sind wichtig“, verdeutlicht Stefan Baetke abschließend.

Verein sucht ehrenamtliche Betreuer
Ob Lebenspartner, Kind, Eltern- oder Geschwisterteil — ist jemand aus der Familie in einer Notlage, aus der heraus er selbst nicht mehr handeln kann, könnte ein Dritter mit Vollmachten und Verfügungen für ihn handeln. Als sogenannter Betreuer wird er vom Gericht bestimmt. Fühlt er selbst sich dazu nicht in der Lage, wird ein unabhängiger Betreuer vom Gericht bestellt. Eben solche arbeiten im Grevesmühlener Verein „Der Weg“ am Kirchplatz.

„Rechtliche Betreuung heißt nicht, dass man entmündigt ist. Der Wille des Betreuten steht im Vordergrund, soweit dies möglich und seinem Wohle zuträglich ist“, erklärt Baetke. Drei Mitarbeiter kümmern sich um etwa 120 Betreute aus dem gesamten Landkreis: Abhängigkeitskranke, psychisch Kranke, körperlich Behinderte, ältere Menschen. „Das Altersspektrum reicht von 18 bis über 90 Jahre“, weiß

Stefan Baetke. Neben den drei Hauptamtlichen — Anne Greiser als Geschäftsführerin, Anett Günther und Stefan Baetke — agieren auch einige ehrenamtliche Betreuer, die sich unter anderem um einfache Behördenschreiben kümmern. „Wir betreuen in rechtlichen Fragen, begleiten auch mal zu Arztbesuchen, verstehen uns aber nicht als Haushaltshilfen“, erklärt Stefan Baetke die Tätigkeit mit einfachen Worten. Dabei ist der Umfang gerichtlich festgelegt, die von persönlichen bis vermögensrechtlichen Angelegenheiten reichen. Mit richterlichem Beschluss hätte der Betreuer also auch Zugriff auf das Konto des Betreuten. „Jede Kontobewegung muss aber dokumentiert werden. In diesem Job ist ziemlich viel Schreibkram“, sagt Baetke lächelnd.

Die Mitarbeiter am Kirchplatz wünschen sich mehr ehrenamtliche Betreuer. „Die suchen wir händeringend“, verdeutlicht Stefan Baetke. Jeder von ihnen bekommt einmal im Jahr eine Aufwandsentschädigung.

Adressen
Kostenlose Formulare gibt es im Internet unter www.bmj.de unter den Schlagworten Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Kontakt Betreuungsverein: Kirchplatz 5 in Grevesmühlen, Telefon: 0 38 81/7 55 28 60, Internet:

www.betreuungsverein-der-weg.de

jf Jana Franke

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