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Nordwestmecklenburg Den röhrenden Hirsch als Nachbarn
Lokales Nordwestmecklenburg Den röhrenden Hirsch als Nachbarn
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00:00 17.10.2012
Rolf und Telse Becker an ihrem Wildtier-Gehege in Menzendorf. Quelle: Cornelia Roxin
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Nordwestmecklenburg

Menzendorf – Wenn ein röhrender Hirsch in der Wildmalerei auch gern als Inbegriff des Kitsches angesehen wird, ihn bei lebendigem Leibe anzutreffen, das geht schon als Naturerlebnis pur weg. Beckers aus Menzendorf können das oft haben. Sie halten seit etwa sechs Jahren Rot- und Damwild in einem Gehege. Telse Becker sammelt auf dem Weg zum Gatter nahe des Hauses Äpfel auf. Als Lockmittel. Das klappt auch bei den Rotwildkühen und -kälbern, die nach kurzem Zögern näherkommen. Aber der kapitale Hirsch lässt sich erst einmal nicht auf den „Lolololu“-Lockruf der 51-Jährigen ein. Sie weiß: „Der hat jetzt anderes im Sinn, er ist in der Brunft.“ Als Rolf Becker kommt und es erneut mit dem Lockruf versucht, wird dessen Bemühen von Erfolg gekrönt. So ein Apfel ist offenbar nicht zu verschmähen.Auf knapp 30 Tiere ist der Bestand in dem etwa drei Hektar großen Gehege inzwischen angewachsen. Sogar einen Teich gibt es dort. Im Sommer habe diese Tatsache anfangs Suchaktionen ausgelöst, weil Tiere fehlten, nicht gesehen wurden. Sie aber steckten bis zum Hals im Wasser. Im Gegensatz zum Damwild geht Rotwild gerne baden, erfährt der Laie von Beckers.Sie wollen ob des gewachsenen Bestandes nun die ersten Tiere abgeben. Vier Rotwildkälber würden jetzt zum Beispiel nach Bayern gehen. Auf die Schlachtbank? Rolf Becker wehrt ab. „Lebend. In ein anderes Gatter.“ Auch Beckers haben für ihr Gehege damals Gattertiere angeschafft. Ein Auswildern würde wegen ihrer Zutraulichkeit nicht infrage kommen. Eine Wildbretvermarktung für den heute 68 Jahre alt werdenden aber ebenso wenig. Der aus Schleswig-Holstein stammende Landwirt, der auf Gut Menzendorf und nach wie vor auch im Kreis Plön Ackerbau und Viehzucht betreibt, sei zwar auch Jäger, räumt seine Frau ein, doch mehr Heger als das. Denn auch Fasane und Rebhühner setzt er aus.Das Wildgatter zu betreiben, mache ihm einfach nur Spaß, erklärt Rolf Becker. Dort könne er nach stressigem Arbeitstag entspannen. „Ich geh’ dahin, sehe wie das Wild aufwächst, wie es sich verhält und freue mich.“ Tiefe Befriedigung erfahren Beckers zudem, weil sich so auch ihrer 16-jährigen Tochter die Möglichkeit bietet, einmal mehr Natur zu erfahren. Kein Wunder also, wenn die so naturverbundenen Eltern der Geburtstagsgesellschaft ihres Nachwuchses jetzt sogar eine Nachtwanderung mit dem Jagdschulleiter Sascha Austermühle aus Dassow-Holm ermöglichten. „Wenn man Kindern und Enkelkindern auf diese Art etwas weitergeben kann, dann ist man reich“, philosophiert der Mann, der nicht verschweigt, auch einmal im Jahr zur Drückjagd einzuladen. Doch dann könne es durchaus passieren, dass die Strecke schon Mittags verblasen werde, obwohl bis 15 Uhr gejagt werden sollte. Aber er kenne sein Revier und wüsste, wann es genug sei. Und wenn er so redet, wird auch platt geschnackt. Die Natur im Auge zu behalten, das heißt für ihn auch, den Acker nicht sofort nach der Ernte umzubrechen, Stoppeln länger stehenzulassen, auch zwei Hektar Mais. „Wo sollen die Tiere sonst hin?“

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