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Nordwestmecklenburg Denkanstoss
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20:51 30.10.2013

496 Jahre liegt das Ereignis zurück, das uns den Feiertag der Reformation beschert. „Wie kann ich Gott gefallen?“ — so haben Menschen früher oft gefragt. Heute fragen vermutlich nur noch wenige so. „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“, war die schwere Frage Martin Luthers. Er plagte sich mit Ängsten vor Höllenstrafen und ewiger Verdammnis. Auch diese Sorgen scheinen heute wohl eher klein geworden. Scheinen, das schreibe ich absichtlich. Ich glaube nämlich, dass sich eigentlich nur die Sprache von Menschen geändert hat, die Fragen nach Gott aber gleich geblieben sind. Und es hat sich womöglich auch der Ort der Fragen geändert. In der Kirche wird vielleicht nicht mehr nach dem gnädigen Gott gefragt und mit ihm gerungen, aber im Alltag schon. Im Krankenhaus, beim Verlust des Arbeitsplatzes, am Ende einer Liebe, in schwerer Stunde auf dem Friedhof: Warum passiert mir das? Hat das Leben, hat Gott nichts anderes für mich? Die Fragen nach Gott sind geblieben. Vielleicht sind sie nur aus der Kirche ausgewandert ins ganz alltägliche Leben. Vielleicht sind sie auch so leise geworden, dass viele sie kaum noch richtig hören können.

Aber sie sind da. Sie schlummern in uns und werden gestellt, wenn man genau hinhört und die Worte richtig deutet. Also: Wie kann ich Gott gefallen? Oder anders gefragt — in den Worten unserer Zeit:

Wann ist mein Leben in Ordnung? Wie kann ich die Schrecken in Grenzen halten? Wie bin ich dem Leben gewachsen? Sei demütig. So bist du dem Leben, allen Schönheiten und Schrecken gewachsen. Und was heißt das, demütig sein? Das heißt: Mach dich niemals zum alleinigen Herrn deines Lebens. Rechne mit dem Leben, mit einem Fingerzeig Gottes — für einen anderen, neuen Weg. Gib Glück und Schönheit und vielleicht Gesundheit deines Lebens niemals als dein eigenes Werk aus. Lass keinen Schrecken ohne ein ernstes Gebet für Nahe und Ferne. So könnte das in meiner Sprache heißen: demütig sein. Demut ist eine Lebenseinstellung: Ich nehme mein Leben als eine Gabe. Nicht immer eine Gabe, die ich schön finde. Aber immer eine Gabe, die Gott mir gibt — und nur mir. Demut ist meine Haltung, das mir gegebene Leben zu bestehen.Wer sein Leben lieb hat, macht es zum Gebet. Macht es zur Antwort auf Gottes Handeln. Sagt es, die ihr erlöset seid, von dem Herrn aus aller Trübsal: Er zählet unsere Tränen in der Zeit der Not. Amen!

LN

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