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Deponie Ihlenberg will 15 Hektar Alt-Bereich sicher abdichten

Selmsdorf Deponie Ihlenberg will 15 Hektar Alt-Bereich sicher abdichten

Lehm, Kies, Kiesel, Kunststoffbahnen und Schutzschichten bilden eine Multifunktionsabdichtung. Sie soll verhindern, dass gefährliches Sickerwasser austritt.

Selmsdorf. Die Deponie Ihlenberg in Selmsdorf investiert rund 20 Millionen Euro in eine sogenannte Multifunktionsabdichtung für den Alt-Bereich. Der Geschäftsführer der größten Sondermülldeponie Europas, Berend Krüger, stellte den aufwendigen Prozess gestern vor. „Die Multifunktionsabdichtung ist die endgültige Oberflächenabdichtung für das, was drunter ist. Sie ist Basisabdichtung, für das, was drauf kommt und sie trennt die beiden Deponieabschnitte räumlich.“

Bis 2017 soll der komplette Alt-Bereich — rund 15 Hektar — komplett abgedeckt sein. Die Abdichtung und räumliche Abschirmung zwischen Alt-Bereich und neuerem Sondermüllteil ist laut Deponieverordnung vorgeschrieben. In dem aufwendigen Verfahren wird die Oberfläche mit einer ein Meter dicken Schicht zunächst ausgeglichen und geglättet. Darüber bringen Deponiemitarbeiter eine Trag- und Ausgleichsschicht sowie rund 50 Zentimeter dick Lehm auf, der mit einer Kunststoffdichtungsbahn von oben versiegelt wird. Eingebaut werden soll auch ein Dichtungskontrollsystem, sagt die stellvertretende Projektleiterin Caroline Kobel. „Um den Eintritt von Wasser in den Untergrund zu verhindern.“

Spezielle Sensoren sollen künftig erkennen, wenn zum Beispiel giftiges Deponie-Sickerwasser austritt und die Kunststoffdichtungsbahn berührt. Die Sensoren messen nicht nur die Feuchtigkeit, sie orten auch Lecks und melden undichte Stellen. „Sie sind auf bis zu 2,50 Meter genau“, sagt Krüger.

Um die Kunststoffbahn und die Sensoren zu schützen, werden sogenannte Sandschutzmatten verlegt. Über diese Matten kommen Kies und Kiesel, Vlies, eine Frostschutz- und Filterschutzschicht sowie eine Folie als Schutz vor Einflüssen wie Regen und Wind. Pro Quadratmeter, so Berend Krüger, wiegt die Multifunktionsabdichtung bis zu vier Tonnen.

Den Auftrag für die Abdeckung des 15 Hektar großen Altteils hat die Heilit Umwelttechnik GmbH aus Bremen erhalten. Den ersten Abschnitt — rund drei Hektar — wollen die Experten noch in diesem Jahr abdichten. Bis 2015 sollen in einem zweiten Bauabschnitt 7,5 Hektar folgen. Für den dritten und letzten Bauabschnitt — 4,5 Hektar — ist die Fertigstellung bis 2017 geplant, so Krüger. „Die Hauptarbeiten müssen von Mai bis Oktober durchgeführt werden.“ In den kalten Herbst-, Winter- und Frühjahrsmonaten sei das Abdichten nicht möglich.

Deponiegegner behaupten seit Jahren, dass es ein Leck in der Abdichtung der Deponie gebe. Ihre Behauptung stützt sich auf Informationen des Wissenschaftlers, Professor Pegdecker. Er hatte vor Jahren festgestellt, dass der Untergrund des Altteils der Deponie „nicht so geeignet“ sei. So habe es zu „DDR-Zeiten keine Folienabdeckung zum Untergrund gegeben“, heißt es in seinem Gutachten. Außerdem sollen Keramikrohre, die zur Sickerwasserableitung dienten, „den Druck nicht ausgehalten haben“. Angeblich soll dadurch Sickerwasser in den Untergrund geflossen sein — bis zu 48 Kubikmeter täglich — was später auch das Geologische Landesamt Mecklenburg Vorpommerns feststellte.

Erst kürzlich hatte Deponie-Geschäftsführer Krüger in einem Interview mit den LN erstmals zugegeben, dass in den Bauabschnitten, die vor 1988 errichtet wurden, „natürlich nicht die Anforderungen der Deponieverordnung des Jahres 2012 eingehalten wurden“. Auch um auf Nummer sicher zu gehen, soll der Altteil deshalb jetzt versiegelt werden. Schlimmstenfalls, erklärt der Deponie-Geschäftsführer, könnte wegen der fehlenden Folienabdeckung des Untergrundes Sickerwasser in den Grundwasserleiter eintreten. Das hätte eine teure Sanierung zur Folge.

Marten Frank

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