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Nordwestmecklenburg Deponie-Skandal: Glawes Problem mit der Wahrheit
Lokales Nordwestmecklenburg Deponie-Skandal: Glawes Problem mit der Wahrheit
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08:51 17.11.2018
Harry Glawe, CDU Foto: Ove Arscholl Veröffentlichung ist honorarpflichtig! No Model Release! Quelle: OVE ARSCHOLL
Selmsdorf

Also doch: Noch fast ein Jahr lang wird umstrittener Sondermüll aus Italien zur landeseigenen Deponie Ihlenberg in Selmsdorf gekarrt. Das Wirtschaftsministerium erklärt auf Anfrage der Ostsee Zeitung: Verträge laufen bis September 2019. Bis dahin sollen weitere 14500 Tonnen Müll aus Italien in den Nordosten kommen. Damit führt das Ministerium die Aussage seines eigenen Ministers, Harry Glawe (CDU), ad absurdum.

Glawe hatte am Mittwoch in Schwerin erklärt, er habe nach einem kritischen Bericht zu überschrittenen Grenzwerten die Lieferung des Italien-Mülls „gestoppt“. Das zweifelte Kerstin Weiss (SPD), Landrätin in Nordwestmecklenburg, an. Später ließ Glawe erklären: Er habe ausdrücken wollen, dass in Zukunft keine Müll-Transporte mehr aus Italien und dem EU-Ausland besiegelt werden.

Der Italien-Müll aber rollt weiter. Und zwar in Massen. Dabei handele es sich um Sondermüll „wie zum Beispiel Bau- und Abbruchabfälle aus Brandschäden sowie Schlämme aus der physikalisch-chemischen Behandlung“, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag. Darüber hinaus werde auch weiterhin Müll aus Dänemark und Irland nach Selmsdorf gebracht, bis 2019 noch einmal 13000 Tonnen. In Summe also: 27500 Tonnen. Dabei handele es sich zum Beispiel um „Dämmmaterialien, Filterkuchen aus der Abgasreinigung oder gipshaltige Abfälle aus der Abgasreinigung“.

Landrätin Weiss ist geschockt: „Genauso habe ich es leider befürchtet und bin erschrocken, dass es noch weitere Verträge mit einer so langen Laufzeit gibt. Ich erwarte jetzt politische Entscheidungen vom Land.“ Weiss fordert eine schnelle Schließung der Sondermüll-Deponie. Sie fürchte um die Gesundheit von Anwohnern.

Auslöser für die aktuelle Debatte ist ein Prüfbericht von Stefan Schwesig, der im Auftrag des Finanzministeriums Controller in der Mülldeponie war. Der Gatte der Ministerpräsidentin kritisiert darin zigtausendfache Überschreitungen von Sollwerten bei giftigen Schwermetallen in Müll-Lieferungen. Die Deponie wies dies zurück, nun soll ein unabhängiges Gutachten Aufklärung bringen.

Frank Pubantz

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