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Nordwestmecklenburg Der Herr über die Kassen
Lokales Nordwestmecklenburg Der Herr über die Kassen
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11:59 11.10.2018
Das alte Gutshaus Quelle: Archiv Eckart Redersborg
Rankendorf

Der Reiz Mecklenburgs liegt nicht nur in seiner landschaftlichen Schönheit sondern auch in den interessanten Möglichkeiten, die es für die Anlage von Kapital bietet. Eine Erkenntnis zu der finanzkräftige Investoren nicht erst seit der deutschen Wiedervereinigung kamen. Bereits in früheren Jahrhunderten gab es zahlreiche Beispiele die zeigen, wie der jeweilige Landesvater sich darum bemühte, Kapital ins Land zu holen, denn Geld war hier immer ein knappes und deshalb willkommenes Gut.

Während es zunächst Vertreter des Adels waren, die sich um den Segen des Großherzogs und den Erwerb von Grundbesitz bemühten, traten insbesondere ab dem 19. Jahrhundert zunehmend Vertreter des Bürgertums als Kaufinteressenten auf. Sie kamen, wie auch in unseren Tagen, überwiegend aus den westlichen Regionen Deutschlands, denn dort wurde das Kapital verdient, das man in lukrativem Großgrundbesitz anlegen konnte. Nicht unwillkommener „Nebeneffekt“ war auch die oft mit dem Grunderwerb einhergehende Erhebung in den Adelsstand. Ein „von“ vor dem Namen eröffnete neue gesellschaftliche Kontakte und geschäftliche Möglichkeiten. Zu den bürgerlichen Investoren die aus dem „Hannoverschen“ zu uns kamen und hier ihren Beitrag zur Entwicklung des Landes leisteten gehörte die Familie Müller aus Lüneburg, die dort mit der Saline reich geworden war.

Zu Jahresbeginn 1801 kaufte der Königlich Hannoversche Legationsrat Johann Andreas Müller zunächst gemeinsam mit Carl von Bülow das Lehngut Rankendorf im fruchtbaren Klützer Winkel und wurde nur wenige Monate später am 5. August in den Adelsstand erhoben. Sein am 19. Juli 1817 in Flandern geborener Sohn Adolf von Müller erbte Gut Rankendorf und den Adelstitel. Rasch gelang es diesem die Gunst des Großherzogs Friedrich Franz II. zu gewinnen und Karriere am Schweriner Hof zu machen. 1852 war er bereits Kammerdirektor und wurde als Administrator des Bothmerschen Fideikommiss, der zu jener Zeit unter Landesherrlicher Verwaltung stand, eingesetzt.

In dieser Eigenschaft unterzeichnete er zahlreiche Erbleihebriefe für Bauernhöfe in den Dörfern der Grafschaft Bothmer, so u. a. in Hohen Schönberg und Steinbeck. Auch bei der Entwicklung der „Großherzoglich Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn“ (M.F.F.E) hatte Adolf von Müller ein gewichtiges Wort mitzureden. Als eines von 5 Mitgliedern des Eisenbahnkomitees nahm er am 04.Dezember 1858 an einer Landtagssitzung in Malchin teil, auf welcher über die Eisenbahnfrage verhandelt wurde. Nachdem die „Mecklenburgische Eisenbahngesellschaft“ die Strecke von Hagenow nach Schwerin und Wismar sowie über Bützow nach Rostock mit Abzweig nach Güstrow 1850 vollendet hatte, fehlte eine West-Ost-Verbindung die auch das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz erschließen sollte. Auf Initiative des Großherzogs Friedrich Franz II. wurde die Strecke Güstrow-Teterow-Malchin-Neubrandenburg gebaut und am 11.November 1864 eröffnet.

Malchin wurde Sitz der Direktion.

Im März 1867 schließlich wurde Kammerdirektor und Staatsrat Adolf von Müller Direktor des Kammer- und Forstkollegiums und bald darauf Finanzminister in Schwerin, ein erneuter Gunstbeweis seines Landesherrn. Auch die „Reluitionskasse“, die großherzogliche Kredit- und Schuldenverwaltung, leitete von Müller. 1875 bat er um Entlassung aus dem Amt des Finanzministers, um sich mehr um die Entwicklung seines Gutes Rankendorf kümmern zu können. Friedrich Franz entsprach der Bitte und verlieh seinem Ex-Minister zum Abschied aus dem Amt den Titel eines Geheimrates. Einige Nebenämter führte Adolf von Müller noch einige Zeit weiter, so u.a. das des Vorstandes des „Mecklenburgischen Gotteskasten“, der u.a. Theologie-Studenten finanziell unterstützte. 1886 endete sein schaffensreiches Leben. „Der Nachbar“, ein illustriertes christliches Volksblatt, berichtete über die Beisetzung: „Am 18.Dezember wurde auf dem Kirchhofe zu Kalkhorst unter zahlreicher Beteiligung von Hoch und Niedrig der verstorbene Geheimrat von Müller auf Rankendorf, der in Mecklenburg eine vielseitige und gesegnete Wirksamkeit geübt hat, begraben. Er hatte auf dem Lüneburger Gymnasium und der Universität Göttingen seine Ausbildung empfangen. Nachdem Herr von Müller auf unseren Landtagen durch eine höchst ersprießliche Tätigkeit sich hohes Ansehen erworben hatte… Nach zweitägigem schwerem Leiden, war er im 70. Lebensjahr sanft eingeschlafen… Unter der zahlreichen Trauergesellschaft, die aus den höchsten Ständen sowie aus den verschiedensten Klassen der Bevölkerung bestand, befanden sich auch die Staatsräte Buchka und von Bülow.“

Ein Denkmal besonderer Art, ein literarisches Denkmal, errichtete der mecklenburgische Heimatdichter Fritz Reuter dem Rankendorfer Gutsbesitzer Müller und dessen Frau Louise von Wedemeyer noch zu deren Lebzeiten in seinem 1862 erschienenen Roman „Ut mine Stromtid“. Reuter hielt sich häufig bei seinen Schwiegereltern im nahegelegenen Roggenstorfer Pastorenhaus auf, wo er billig leben konnte und zahlreiche Anregungen für seine schriftstellerische Arbeit fand. Bei Kutschfahrten nach Boltenhagen kam das Ehepaar Reuter auch durch Rankendorf, wo sie Adolf von Müller vor seinem Gutshaus sahen: Dass du den Rankendorfer zum „Pomuchelskopp“ machen würdest, sagte Luise Reuter, das dachte ich mir. Du hattest es dir ja schon lange vorgenommen. Guck ihn dir doch einmal richtig an, da drüben steht er vor seinem Schloß. Ist das ein Pomuchelskopp oder ist das keiner? entgegnete ihr darauf Fritz. Dieser Typ des Rittergutsbesitzers fehlte ihm noch in seiner Komposition. Er hatte grünkarierte Hosen und einen nankingschen Rock angezogen, ihn als rundlich und auf seinen Vorteil bedacht beschrieben und ihm die Worte in den Mund gelegt: „All min! All min!“ Drinnen im Gutshaus schaltete Pomuchelskopps „drögere Hälfte“, „sei was en hellsch langes Rick“. Bei feierlichem Anlass trug sie eine Haube mit so vielen Bändern und Rüschen, „dat er Sorgen-Gesicht dor `rute kek, as `ne halw verhungerte Mus“. War sie böse, so nannte sie ihren Mann nur kurz „Kopp“, alltäglich sagte sie „Muchel“, hatte sie ihn so, wie sie ihn haben wollte, dann sagte sie „Pöking“.

Horst Rohde

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