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Der Job im Miniaturenpark macht Mut

Kalkhorst Der Job im Miniaturenpark macht Mut

Nur zwei Bürgerarbeiter gibt es im Klützer Winkel. Marlis Seydewitz hofft in Kalkhorst auf eine Festanstellung.

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Marlis Seydewitz arbeitet als sogenannte Bürgerarbeiterin im Miniaturenpark Kalkhorst. Die gelernte Wirtschaftsgehilfin hatte seit der Wende bestenfalls Gelegenheitsjobs.

Quelle: Foto: Dana Dolata

Kalkhorst. Marlis Seydewitz arbeitet im Miniaturenpark in Kalkhorst. Sie und ihr Kollege Thomas Junghans sind dort im Rahmen eines vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales entwickelten Modellprojektes beschäftigt. Die sogenannte Bürgerarbeit gibt es bereits seit dem Jahr 2011 und hat das Ziel, arbeitslose aber erwerbsfähige Hilfebedürftige in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Marlis Seydewitz und Thomas Junghans sind die beiden einzigen Bürgerarbeiter, die es im Klützer Winkel gibt.

„Du kommst unter Leute und hast mehr Geld auf dem Konto als unter Hartz IV“, fasst Marlis Seydewitz ihre Eindrücke zusammen. Die 48-Jährige arbeitet gern im Miniaturenpark. Ihr Traum: am Ende dort fest angestellt zu werden. „Das würde ich von allem am liebsten machen“, erklärt sie. „Aber ich kann mir auch vorstellen, wieder Gartenarbeit zu machen, wie ich es schon einmal gemacht habe.“

In der DDR hat sie eine Ausbildung zur Wirtschaftsgehilfin absolviert, dann bis 1990 im VEB Diamant in Dassow gearbeitet und Herrenbekleidung hergestellt, erzählt sie. 1990 folgte die Arbeitslosigkeit mit anschließenden Gelegenheitsjobs in verschiedenen Branchen. Vor der Bürgerarbeit hat Marlis Seydewitz Hartz IV bekommen. Sie selber nennt es Sozialhilfe — „es ist ja ein und dieselbe Sache unter anderem Namen“, findet sie.

Im vergangenen Jahr lief für sie und ihren Kollegen das Projekt Bürgerarbeit an, das sich über insgesamt drei Jahre erstreckt und mit deren Hilfe die beiden wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Marlis Seydewitz und Thomas Junghans sitzen im Kassen-Häuschen, stehen für Fragen und Antworten der Besucher zur Verfügung und erledigen gelegentlich auch Reinigungsarbeiten.

Marlis Seydewitz sieht die Parallelen zu den früheren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), die der Staat nach der Wiedervereinigung einsetzte, um Menschen in den neuen Bundesländern den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Das sei im Grunde dasselbe, sagt sie.

Alles läuft über das Jobcenter. In Zusammenarbeit mit dem Amt Klützer Winkel realisiert es die Bürgerarbeit in der Region. Marlis Seydewitz arbeitet rund sechs Stunden wöchentlich im Miniaturenpark, meist an vier Tagen der Woche. „Das ist doch besser, als vor dem Fernsehgerät zu hocken“, sagt sie. An der Aufgabe gefalle ihr außerdem, unter Menschen zu kommen.

Tätigkeiten im öffentlichen Interesse
Bürgerarbeit bezeichnet Tätigkeiten die im öffentlichen Interesse liegen, für die aber kein regulärer Arbeitsmarkt besteht. Teilweise wird darunter eine freiwillige Tätigkeit verstanden, teils aber auch die Zuweisung einer Maßnahme, die im Falle der Weigerung des Betroffenen mit für ihn nachteiligen Sanktionen verbunden ist. Im letzteren Fall geht es darum, Menschen, die Grundsicherung beziehen, für den Arbeitsmarkt zu aktivieren und in einer gemeinnützigen Arbeit auf kommunaler Ebene einzusetzen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im Juli 2010 das Modellprojekt Bürgerarbeit gestartet. Dazu sollten ab Januar 2011 bundesweit rund 34 000 so genannte Bürgerarbeitsplätze zur Verfügung stehen. Das mit der Umsetzung des Projekts beauftragte Bundesverwaltungsamt hatte bis Juli 2012 insgesamt 33 169 Bürgerarbeitsplätze bewilligt. Anträge zur Förderung von Bürgerarbeitsplätzen konnten bis Ende 2011 gestellt werden. Sie können längstens bis Ende 2014 gefördert werden.

Getragen wird das Projekt von etwa der Hälfte der Jobcenter, die die Bezieher von Arbeitslosengeld II verwalten. Zunächst soll versucht werden, arbeitslose erwerbsfähige Hilfeempfänger in einer sechsmonatigen Aktivierungsphase durch Beratung und Qualifizierung in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Scheitern die Integrationsbemühungen, können ausgesuchte Teilnehmer auf einen Bürgerarbeitsplatz vermittelt werden. Diese Tätigkeiten müssen zusätzlich sein und im öffentlichen Interesse liegen.

Dana Dolata

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