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Nordwestmecklenburg Der Künstler mit der Kettensäge
Lokales Nordwestmecklenburg Der Künstler mit der Kettensäge
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20:21 01.08.2015
Mit der Motorsäge schafft Sven Eggers (42) Werke wie hier einen Kranich, der sich hinter Schilf versteckt. Quelle: Fotos: Jana Franke

Als würde es Butter sein, gleitet die mit Benzin betriebene Kettensäge durch das Laubholz hindurch. Späne fliegen. Mit Schutzbrille auf der Nase arbeitet sich Sven Eggers Stück für Stück an sein Ziel: ein Kranich, der sich hinter Schilf versteckt.

Was heute nach Profiarbeit aussieht, begann vor Jahren beim Sägen von Brennholz. „Ich habe damals einfach mal versucht, daraus eine bestimmte Form zu machen“, erinnert sich der Grevesmühlener. Hatte er zunächst vor der Motorsäge Respekt, entwickelte sich die Arbeit mit ihr schnell zum Hobby, jetzt ist es ein Beruf: Der 42-Jährige ist selbstständiger Künstler, der Skulpturen mit der Kettensäge schafft.

Von der Kunst allein kann er nicht leben; damit wäre eine gesicherte Zukunft zu ungewiss. Somit arbeitet der Vater eines zehnjährigen Sohnes noch 20 Stunden in der Woche — wen wundert es — in der Holzindustrie in Wismar. Dort übernimmt er die Qualitätskontrolle — und kommt natürlich an Holz für seine Skulpturen.

Sein erstes Werk war eine Eule, die noch heute vor seinem Haus in der Heinrich-Heine-Straße in Grevesmühlen steht. Entstanden ist sie auf seinem Grundstück. „Ja, ich habe tolerante Nachbarn“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dann kam das erste Geburtstagsgeschenk, das aus einem Baumstamm entstand, dann das erste Auftragswerk. Vor zwei Jahren stellte er in der Sparkasse in Grevesmühlen aus. „Und dann nahmen die Dinge seinen Lauf. Seit drei Monaten bin ich damit selbstständig“, erzählt er. Auf dem Grundstück arbeitet er trotz toleranter Nachbarn nicht mehr. Mittlerweile hat er sich eine Ausweichmöglichkeit gesucht — in der Nähe des Tannenbergsportplatzes. Und dort steht er nun mit der Motorsäge bewaffnet und arbeitet mit ihr an der Kranichskulptur Schilfrohr für Schilfrohr heraus.

Rundherum ist keine Menschenseele. Niemand stört sich an den lauten Motorgeräuschen. Die Bäume spenden kühlen Schatten — und Sven Eggers vergisst die Zeit; findet es toll, mit der Säge etwas im Holz — in den meisten Fällen Laub-, aber auch Eichenholz — zu verewigen. Er setzt die Motorsäge an, tastet sich Stück für Stück heran, bis er mit seinem Werk zufrieden ist. „Hundertprozentig bin ich es aber nie“, sagt er, nachdem er den Motor abgeschaltet und sich auf auf einen Holzstamm gesetzt hat.

Seine Arbeit an einem neuen Werk beginnt mit dem intensiven Schauen auf den Baumstamm, wie er erklärt. Er denkt sich quasi in die zu entstehende Form hinein. „Ich gucke länger, als ich säge“, sagt er schmunzelnd. Vorrangig entstehen Tiere — Eulen, Hunde, Kraniche. Aber auch einen 800 Kilogramm und 2,30 Meter großen Kapitän oder eine aufwendig gestaltete Spirale hat er schon fertiggestellt.

Vorlagen, um die Proportionen genau hinzubekommen, zieht er sich aus dem Internet. Namen vergibt er seinen Werken erst nach Fertigstellung. „Andere Künstler machen das umgekehrt“, meint er.

Alles wird nach Fertigstellung wetterfest gemacht — vier- bis fünfmal mit entsprechender Schutzflüssigkeit eingestrichen. „Das sollte dann alle zwei Jahre wiederholt werden“, rät er. Keine Skulptur gleicht der anderen — das ist sein Anspruch. 30 Zentimeter war die bisher kleinste Figur, drei Meter die größte. Die Preisspanne für den Verkauf reicht von 80 Euro bis open End, wie er sagt. Am Kinderumwelttag in Wotenitz im Juni schuf er vor aller Augen eine Sitzbank, auf der eine Eule thront. Verliebt darin hatte sich ein Wotenitzer, der die Bank für 500 Euro ersteigerte. „Das Geld habe ich dem Zweckverband für den nächsten Umwelttag überlassen“, sagt Sven Eggers.

Sein größter Kritiker ist sein Sohn. Und was sagt er zu den Werken? „Papa, du bist der beste Schnitzer!“, zitiert ihn Sven Eggers. Ein tolleres Lob kann man von seinem Kind nicht bekommen.

Kontakt: ☎ 0176/96 43 94 87

Jana Franke

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