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Der Ureinwohner von Kastahn

Kastahn Der Ureinwohner von Kastahn

Hans Groth (93) ist gebürtiger Kastahner – er und seine Frau Ursula wollen nicht von zu Hause weg.

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Kastahn – ein Ortsteil Upahls. Die gesamte historische Ortslage steht unter Denkmalschutz.

Quelle: Foto: Ronald Gross

Kastahn. Wer sich die Zeit nimmt und sich länger mit Hans Groth, Jahrgang 1924, unterhält, kann mit ihm weit in die Zeit zurückreisen. Der gebürtige Kastahner ist geistig hellwach – und auch mit dem Gehen kommt er noch allein zurecht – wenn es auch nur langsam vorangeht. „Ja ja,“, sagt er, nach seiner Erfahrung mit dem Älterwerden befragt: „Alt werden wollen alle, aber alt sein will im Grunde keiner.“

LN-Bild

Hans Groth (93) ist gebürtiger Kastahner – er und seine Frau Ursula wollen nicht von zu Hause weg.

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Seit 68 Jahren ist Hans Groth mit seiner Ursula (88) verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Die jüngste Tochter Ellen (57) ist mit ihrem Mann Bernd Krieger (58) mittlerweile aus dem Brandenburgischen nach Hause zurückgekehrt. Alt und jung leben unter einem Dach. Die Jungen kümmern sich. Groths wollen unbedingt zu Hause bleiben – „bis zum Schluss“, wie sie beide mit Nachdruck betonen.

Als Hans Groth geboren wurde, lebte seine Familie schon seit 20 Jahren in dem Haus in Kastahn, in dem die Familie noch heute lebt. „Das war früher die älteste Häuslerstelle im Dorf“, erzählt der gelernte Landmaschinenschlosser. Seine Großeltern hatten das Haus im Jahr 1904 gekauft. „Sie haben lange an den Hypotheken abgezahlt“, erinnert er sich. Er weiß auch noch, dass es in seiner Kinderzeit noch deutliche Standesunterschiede im Dorf gab. Da waren die sieben Bauernstellen – das waren „die Herrschaften“ mit großen Höfen, Knechten und Mägden, die sich bei ihnen verdingten. „Das Leben der Landarbeiter war hart. Sie bekamen nur einmal im Jahr Geld, lebten ansonsten für Unterkunft und Verpflegung mit auf dem Hof, in kleinen Kammern jenseits der Dielen. Die waren nicht beheizt.

Da brauchte man im Winter schon ein dickes Federbett“, erzählt Hans Groth. Dann gab es die Büdnereien, auch fünf Höfe insgesamt, und fünf Häuslereien.

Die Häusler, so wie Groths Familie, standen am Ende der Dorfhierarchie. Auch wenn Hans Groth als Kind mit einem Bauernkind befreundet war. „Unser Haus sah früher anders aus, es war nur eine Hälfte Wohnbereich, die andere Hälfte Scheune, und hinten war ein Garten dran“, erinnert er sich. Nach dem Krieg, erzählt er weiter, lebten sie zeitweilig mit Vertriebenen in einem Haus. Doch das ging wirklich gut, betont er.

Das Ehepaar Groth hat sich in Kastahn kennengelernt. Beide erinnern sich an verliebte, romantische Spaziergänge über die Brücken, die in Kastahn über die Stepenitz führen. Ursula Groth arbeitete Ende der 1940er Jahre im Gasthof in Kastahn. Sie, die aus Warnow stammt, wollte eigentlich Schneiderin werden. „Doch daraus wurde damals nichts. Mädchen, die vom Land kamen, sollten auch Berufe auf dem Land ergreifen und dort bleiben, nicht in die Stadt gehen. Die ländliche Bevölkerung wurde damals sehr unterstützt.“, erzählt sie. Ihr Mann war mit 19 in den Krieg gezogen „bis weit hinter den Ural“, wie er berichtet. In Russland geriet er dann in Kriegsgefangenschaft. „Ich persönlich kann nicht sagen, dass die Russen schlecht zu mir waren. Harte Arbeit zwar, aber keine Misshandlungen“, sagt er.

Das Leben in Kastahn war in der DDR-Zeit schöner, sagen die Groths. Ursula Groth arbeitete später als Köchin in der LPG-Küche, die sich im Saal des Gasthofes befand. Sie und eine andere Köchin, die sie im Gespräch „Oma Hill“ nennt, sorgten nicht nur für das Essen der LPG-Mitglieder – oft kochten sie auch für NVA-Soldaten, die zu Ernteeinsätzen geschickt wurden. „Die schliefen dann im Saal“, erinnert sich Ursula Groth lachend. Der Saal ist inzwischen komplett verfallen – was ihr weniger gefällt.

Trotz ihrer geistigen Agilität und der Hilfe durch Tochter und Schwiegersohn brauchen die Groths Unterstützung von außen. Morgens und abends schaut ein Pflegedienst vorbei. Das Mittagessen kommt aus Rüting, aus Horns Gasthaus – dort, wo auch das DDR-Kultsofteis verkauft wird.

Annett Meinke

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