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Nordwestmecklenburg Der lange Kampf mit der Krankenkasse
Lokales Nordwestmecklenburg Der lange Kampf mit der Krankenkasse
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20:43 21.09.2016

Am Ende ist der monatelange Kampf von Erfolg gekrönt. Seit Anfang des Jahres haben sich Kirsten Melles und ihr Mann Stefan dafür eingesetzt, dass die 83-jährige, schwer kranke Anneliese Sauer einen Patientenlifter bekommt, der ihre Pflege gewährleistet und dazu beiträgt, den Rest an Beweglichkeit zu erhalten. Die Krankenkasse weigerte sich mehrmals die Kosten zu übernehmen. Schließlich wandte sich die Lüdersdorfer Familie an die OZ – und die an die Deutsche BKK. Nur einen Tag später kam die Antwort: „Die Bewilligung geht raus an den Kunden.“ Kirsten und Stefan Melles freuen sich über die Zusage. „Wir sind froh, dass es geklappt hat“, sagt Stefan Melles. Er ergänzt: „Es scheint nur zu funktionieren, wenn Öffentlichkeit reinkommt.“

Kirsten Melles (l.) und ihr Mann Stefan kümmern sich um die 83-jährige Anneliese Sauer. Sie ist Kirsten Melles Mutter. Quelle: Jürgen Lenz

Man fühlt sich hilflos. Ständig wird man abgebügelt.“Kirsten Melles

Kirsten Melles Mutter Anneliese Sauer leidet unter Parkinson und ist schwer dement. Im Februar erläuterte die Tochter nach einem ablehnenden Bescheid der Krankenkasse: „Um meine Mutter weiterhin in der Häuslichkeit pflegen zu können und einen Pflegeheimaufenthalt zu verhindern, ist es essentiell, dass sie ihre zurzeit noch vorhandene Restbeweglichkeit behält und nicht noch weiter versteift.“

Auch sei ein Patientenlifter im Erdgeschoss nötig, um die Pflege zu gewährleisten. Sowohl der Pflegedienst als auch sie selbst würden an ihre Grenzen stoßen, weil sie ihre Mutter bisher im Erdgeschoss tragen müssen. Zwar ist im Dachgeschoss ein Lifter vorhanden. Er kann aber wegen des hohen Gewichts nicht immer wieder von oben nach unten und von unten nach oben transportiert werden.

Auf das monatelange Nein der Krankenkasse reagierten Mitarbeiter des Pflegedienstes mit Bestürzung. Die Deutsche BKK hingegen lehnte einen Widerspruch von Kirsten Melles mit den Argumenten ab, Krankenkassen dürften Hilfsmittel nur dann genehmigen, wenn sie sowohl medizinisch notwendig als auch wirtschaftlich seien und Krankenkassen müssten keine Hilfsmittel bewilligen, die ein Versicherter allein wegen seiner „individuellen Wohnverhältnisse“ benötige. Gemeint war die Versorgung der schwer kranken Frau in Lüdersdorf auch im Erdgeschoss, wo sich, wie Kirsten Melles erklärt, „das meiste Leben abspielt.“

„Man fühlt sich hilflos. Ständig wird man abgebügelt“, sagt Kirsten Melles aus monatelanger Erfahrung. Man komme sich vor wie ein Bittsteller und Bettler.

Nun teilt die Deutsche BKK gegenüber der OZ mit, ausschlaggebend für die Bewilligung sei eine im Juli nachgereichte Begründung für die „Doppelversorgung“ gewesen. Auch habe der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) die Versorgung nicht ausdrücklich abgelehnt. Das habe den Kollegen der Deutschen BKK die neue Gesamtbewertung des Falles erleichtert. Weiter teilt die Krankenkasse mit: „Für die verzögerte Kostenzusage entschuldigen wir uns bei Frau Sauer und ihren Angehörigen und hoffen, dass die Versorgung gut passt.“ Die Kosten liegen laut Krankenkasse bei 2500 Euro.

Jürgen Lenz

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