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Nordwestmecklenburg Diabetiker-Tag: Reise in die Vergangenheit des Insulins
Lokales Nordwestmecklenburg Diabetiker-Tag: Reise in die Vergangenheit des Insulins
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21:36 23.10.2013
Sieht aus wie ein Kugelschreiber und ist lebensrettend: die Insulinspritze. Ein ganz neues Modell stellte Regina Kühn (l.) der Diabetes-Patientin Claudia Wierandt (26) gestern beim Diabetiker-Tag im DRK-Krankenhaus Grevesmühlen vor. Quelle: Fotos: Jana Franke
Grevesmühlen

Urplötzlich nahm Claudia Weirandt damals zu. Zehn Kilo in ganz kurzer Zeit. „Ich war schläfrig, total launisch und hatte ganz viel Durst“, erinnert sich die 26-Jährige.

Acht Liter Wasser am Tag nahm sie zu sich. Ihr Hausarzt veranlasste einen Zuckertest. Diagnose: Diabetes Typ I. Mit ihren damals 15 Jahren konnte Claudia Weirandt damit nicht sehr viel anfangen. „Ich habe mich ja nie mit der Krankheit beschäftigt“, sagt sie. Fortan musste sie es.

So wie Claudia Weirandt geht es vielen Menschen: Sie wissen nicht, dass sie gefährdet oder schon an Diabetes erkrankt sind. Das bestätigt Dr. Rolf Klingenberg-Noftz, Chefarzt für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin am DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen. Um über die Krankheit aufzuklären, initiierte das Krankenhaus einen Diabetiker-Tag. Der 13. fand gestern statt — und fand wieder großen Anklang. Von 9 bis 13 Uhr wurden im Konferenzraum Vorträge geboten, eine Industrieausstellung lockte zusätzlich ins Foyer des Krankenhauses. Und dorthin führte es auch Claudia Weirandt, um sich über die neuesten Technologien zu informieren. Eine ist eine neue Insulinspritze, die eher einem Kugelschreiber gleicht und farbenfroh daherkommt. „Sie stammt aus der Designerschmiede, die auch das iPhone von Apple designt hat“, erklärt Regina Kühn von der Firma, die die Pens, wie die Spritzen heute genannt werden, vertreibt. „Er ist sozusagen das iPhone 7“, witzelt sie.

Noch vor 90 Jahren gab es bei der Krankheit nichts zu lachen. Denn Insulin gab es damals nicht und Diabetespatienten sind an der Krankheit verstorben. 1923 kam das erste Insulin auf den Markt — ausprobiert an einem kleinen Jungen, wie Regina Kühn informiert. Vorher-Nachher-Fotos gingen um die Welt, die einen zunächst abgemagerten und dann einen wohlgenährten Jungen zeigten. „Früher sind die Patienten verhungert“, erzählt Regina Kühn.

All das wusste auch Claudia Weirandt bis gestern noch nicht. Aber sie weiß um den Fortschritt. Denn auch die Grevesmühlenerin hat das „iPhone 7“. „Der neue Pen ist mit der Insulinspritze vor elf Jahren überhaupt nicht zu vergleichen“, sagt sie. Noch genau kann sie sich an die Angst erinnern, die sie einnahm, als sie sich das erste Mal spritzen sollte. „Ich habe mich nicht überwinden können.“

Und überhaupt habe es sechs Jahre gedauert, bis sie ihre Krankheit akzeptierte. „Jetzt lebe ich entspannt damit. Mit der richtigen Therapie lässt sich die Krankheit in den Griff bekommen.“ Zu kämpfen habe sie im Moment nur mit den Folgeerkrankungen: schlechte Zähne, schlechte Sehkraft, Herz- und auch Beinnerven sind angegriffen. „Aber ich lasse mir das Leben dadurch nicht vermiesen“, sagt die 26-Jährige selbstsicher.

Herzinfarkt
Menschen mit Diabetes sind deutlich mehr gefährdet, einen Herzinfarkt zu erleiden. „Fatal ist, dass die typischen Herzinfarktsymptome wie etwa Schmerzen vom Brustbein bis in den Arm bei Menschen mit Diabetes oft weniger ausgeprägt sind oder ganz fehlen“, informierte Dr. Dirk Killermann, Chefarzt für Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin am DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen, gestern in seinem Vortrag vor etwa 80 Interessierten. So könne es sein, dass „nur“ der Kiefer oder die Hand schmerzt. „Wichtig ist, diese Schmerzen ernst zu nehmen“, so Dr. Killermann.
Betroffene sollten keine Scheu haben, den Notruf zu wählen. Denn: Jede Sekunde zählt.

Jana Franke

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