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Nordwestmecklenburg Die Abenteuer des Capt’n Flint jede Woche in den LN
Lokales Nordwestmecklenburg Die Abenteuer des Capt’n Flint jede Woche in den LN
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18:19 01.07.2016

Nach fünf Wochen intensiver Probezeit sitzt der Regisseur, bereits als Capt’n Flint gewandet, hinter der Bühne, wartet auf seinen Premierenauftritt und richtet seinen Blick unruhig in den Himmel. Dunkle Wolken umkreisen das Gelände des Piraten Open Air und Blitze zucken aus allen Himmelsrichtungen. Die ersten schweren Tropfen des nahenden Sommergewitters fallen, binnen Sekunden wird es kälter. Den besorgten Mienen der umstehenden Kollegen begegnet der Capt’n mit einem gequälten Lächeln und der nicht ganz glaubhaften Versicherung: „Es ist nur eine Husche.“

Als die bekannte Eröffnungsfanfare ertönt und das herbeigesehnte Spiel auf der Bühne endlich beginnt, öffnet auch der Himmel seine Schleusen. Aus den Tropfen wird Starkregen. „Nur eine Husche“, murmelt der Capt’n, lächelt wiederum und zeigt zwei Daumen hoch. „Wir schaffen das!“

Das Schauspiel nimmt seinen Lauf, unten auf der Bühne und oben im Wolkenbett. „Unser Schiff wird im Sturm brechen“, ist aus den Lautsprechern zu hören – und als ob es inszeniert wäre, legt der echte Sturm zu. Der Capt’n versammelt seine Männer um sich, lacht ihnen aufmunternd zu und läuft durch einen undurchdringlichen Regenvorhang ins Scheinwerferlicht.

„Das Schiff da unten hat es im Sturm nicht geschafft“, „hatten nicht soviel Glück wie wir, was Capt’n?“. . . die Bühnentexte scheinen das reale Unwettergeschehen live zu kommentieren.

Aber was für ein Anblick bietet sich den schon nach Sekunden durchnässten Piraten: Viele der eben noch freudig erregten Premierengäste verlassen fluchtartig das Theater. Sehen kann man sie kaum, da das Licht der Scheinwerfer sich in den niederstürzenden Regenfluten bricht. Aber die Aufregung auf den Tribünen und die immer neuen, fliehenden Scharen sind spür- und hörbar.

„Weitermachen“ befiehlt der Capt’n und der Befehl im Spiel ist ebenso Aufmunterung zur Realität. So wird gekämpft, gehauen und gestochen und die Angst steigt, dass all die Probenarbeit, die vielen Stunden Kampftraining den Fluten nicht gewachsen sind. „Bloß keine Verletzungen“, schießt dem Regisseur durch den Kopf, während er seine Mannschaft anfeuert, noch wilder zu kämpfen.

Doch dann plötzlich verschafft sich eine Stimme Gehör, die des Intendanten: „Verehrte Gäste, an dieser Stelle müssen wir leider abbrechen, die Gewitterzelle über uns bleibt noch zwei Stunden bestehen.“

Die wenigen tapferen Zuschauer, die bis jetzt ausgehalten hatten, fliehen nun auch ins Trockene.

Zurück bleibt ein Häufchen pudelnasser Piraten und die Wehmut, dass das Premierenfieber soeben von Sturzfluten weggespült wurde.

Aber sie wären keine echten Piraten, wenn sie es nicht am nächsten Tag aufs Neue wagen würden.

Info: Jede Woche wird Benjamin Kernen während der laufenden Spielzeit an dieser Stelle über seine Erfahrungen berichten.

Benjamin Kernen

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