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Nordwestmecklenburg Die Frau und das Meer
Lokales Nordwestmecklenburg Die Frau und das Meer
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20:14 24.01.2017
Bei Wind und Wetter: Astrid Appel liebt die Natur. Jetzt nach der Sturmflut sei der Strand besonders interessant für Sammler, sagt sie. Quelle: Fotos: Jana Franke
Hohenkirchen/Boltenhagen

Nordwestmecklenburg – wo die Seele lächelt. Diesen Slogan kann Astrid Appel nur unterstreichen. Ihre Seele lächelt insbesondere am Strand des Landkreises. Und mit dieser Liebe zur Ostsee steckt sie regelmäßig naturverbundene Menschen an. Denn die 55-Jährige ist zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin. Was etwas sperrig klingt, ist eine Tätigkeit, in der die Sozialpädagogin aus dem schleswig-holsteinischen Stormarn aufgeht.

Astrid Appel (55) bietet regelmäßig Naturführungen an Boltenhagens Ostseestrand an.

Astrid Appel sitzt am Esstisch in ihrem Bungalow in Hohenkirchen an der Wohlenberger Wiek – ihre zweite Heimat. 2008 kaufte sie sich das Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Strand. Von dort kommt sie gerade, die sandigen Schuhe stehen zum Trocken im Regal. Der Kamin in der Ecke und der frisch aufgebrühte Tee spenden wohlige Wärme. Vor ihr liegen viele Funde ausgebreitet: Donnerkeile, das Souvenir von der Ostsee schlechthin, 70 Millionen Jahre alte versteinerte Seeigel, zu kleinen Bällen geformtes Seegras, leere Panzer von Krabben. Alles gefunden an der Ostseeküste. „Gerade jetzt nach der Sturmflut ist die Chance groß, viele Fossilien zu finden“, sagt die Expertin.

Ob Sturmflut oder nicht: Astrid Appel kommt immer mit interessanten Fundstücken vom Strand zurück. So wird es auch wieder am 3. Februar sein, wenn sie von der Boltenhagener Kurverwaltung aus zu einer Wanderung aufbricht. „Die Führungen im Winter waren nur ein Experiment. Die Kurverwaltung hatte mich angesprochen, ob ich das machen würde“, erklärt sie und nimmt einen Schluck von ihrem Tee. Sonst wandere sie von April bis September jeden Freitag mit Interessierten am Strand entlang – und ist immer gut ausgebucht. Auch jetzt im Winter hätten sich viele gefunden, die etwas finden möchten. „Im Winter untersuchen wir den Badestrand, ab Frühjahr die Steilküste. Die ist jetzt zu gefährlich“, erklärt sie. Ist sie mit einer Truppe unterwegs, halte sie keinen Vortrag, erklärt die Ostsee nicht mit erhobenem Zeigefinger, sie hat den Anspruch, mit ihren Gästen ins Gespräch zu kommen. „Ich binde sie ein.“

Die Natur war schon immer ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein sei es insbesondere ihr Vater gewesen, der ihr alles in Sachen Natur nahegebracht hat. „Ich habe mich schon immer zum Meer hingezogen gefühlt, habe dort auch immer Urlaub gemacht“, erzählt sie und schaut in die Runde ihres Bungalows – so, als wollte sie sagen: Und jetzt lebe ich meinen Traum von einem Dasein am Meer. „Ich bin einfach beeindruckt von der Natur hier, habe die Ostsee schon in jeder Jahreszeit erlebt und bin von jeder fasziniert“, schwärmt sie.

Ihren Hauptwohnsitz hat die 55-Jährige noch in Stormarn, dort arbeitet sie auch als Sozialpädagogin. „Ich kann mir meine Arbeit aber so frei einteilen, dass ich noch genügend Zeit für die Führungen habe“, sagt sie.

Angetan habe es ihr besonders das Seegras in all seinen Facetten – als Wiese im Wasser, als Pflanze angespült am Strand und letztlich getrocknet. „Der Geruch, über den sich viele Urlauber und Einheimische in Boltenhagen beschweren, ist gar nicht das Seegras an sich. Es sind die Lebewesen, die mit an den Strand gespült wurden. Kleine Fische, Krebse, Muscheln“, zählt sie auf. Ansonsten, so sagt sie, hätte man früher Matratzen und Schränke nicht mit Seegras ausgestopft. Es wird als Dämmung genutzt und in Dänemark steht sogar ein Haus, dessen Dach mit Seegras gedeckt ist – alles geruchsfrei. „Seegras ist schwer entflammbar“, begründet sie.

Von Mallorca habe sie sich Seegras als Souvenir mitgenommen – in einer ganz anderen Form, nämlich als Ball im Kleinformat geformt. „Das passiert durch die Bewegung des Wassers.“ Auf Mallorca würden die so haufenweise am Strand liegen und regelmäßig abgefahren werden, weil die Urlauber sonst keinen Fuß vor den anderen setzen könnten. Einen ähnlichen Ball habe sie auch schon auf Rerik gefunden, erzählt sie und dreht diesen in ihrer Hand. Seegras werde absolut unterschätzt, meint sie nachdenklich. „Ein Hektar Seegras produziert so viel Sauerstoff wie zwei Hektar Regenwald.“ Gerade das würde viele Gäste ihrer Führung immer wieder in Staunen versetzen. „Am meisten freut es mich, wenn Einheimische sagen, sie haben ihren Strand so noch nicht, im wahrsten Sinne des Wortes, unter die Lupe genommen.“ Denn jeder ihrer Gäste bekommt eine kleine Lupe in die Hand, die 30-fach vergrößert. Und erkennen sie dann damit die Struktur eines Steins, die beweist, dass dieser Millionen von Jahren alt ist – ja dann lächelt die Seele an Nordwestmecklenburgs Küste.

Info: www.ostsee-erlebnis-wanderungen.de. Nächste Winterwanderung am 3. Februar. Start ist 10 Uhr an der Kurverwaltung Boltenhagen. Astrid Appel bietet auch Führungen für Schulklassen an. Die Wanderungen dauern zwei bis drei Stunden.

Jana Franke

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