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Die Gemeinde Passee will ihr eigener Stromerzeuger werden

Passee Die Gemeinde Passee will ihr eigener Stromerzeuger werden

Die Kommune plant, auf dem Schafstall im Ortsteil Tüzen eine Fotovoltaikanlage bauen.

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Fotovoltaikanlagen auf Dächern nehmen auch in Nordwestmecklenburg zu. Die Handwerker haben sich darauf spezialisiert.

Quelle: Jochen Zick

Passee. Die Gemeinde Passee will selbst Strom erzeugen. Kommen soll er vom Dach des Schafstalls im Ortsteil Tüzen. „Das eignet sich von der Größe und Lage her gut für eine Fotovoltaikanlage“, sagt Gemeindevertreter Wolfgang Klaus (SPD), der sich seit Monaten mit dem Thema beschäftigt. Elf Angebote hat er eingeholt, von denen am Ende aber nur drei für die Gemeinde interessant sind.

Da ist zunächst der Anbieter aus Neukloster. Seine Anlage, die als Spitzenleistung 77 Kilowatt (kW) bringen würde, soll um die 127 000 Euro kosten. Bedingung: Zehn Prozent des Stroms müsste die Gemeinde selbst nutzen. „Wir haben uns den Stromverbrauch vom Gutshaus in Tüzen angesehen. Allein damit würden wir schon die zehn Prozent erreichen“, erklärt Bürgermeister Adolf Wittek (parteilos).

Ein Anbieter aus Emden bietet für 107 000 Euro eine 79,5 kW-Anlage an. „Der Pferdefuß dabei ist, dass er die Elektroanschlüsse ans Netz nicht selbst leistet. Dafür müssten wir etwa 15 000

Euro zusätzlich ausgeben“, so Klaus. Auch zum Strom für den Eigenbedarf stehe in dem Angebot nichts.

Als dritter im Bunde ist eine Firma aus Neubukow im Rennen. Sie hat gleich zwei Angebote vorgelegt: eine Anlage mit 74 bis 75 kW würde 125 000 Euro kosten, eine mit 60 kW nur 94 000

Euro. „Der Grund für den Preissprung kommt daher, dass für die größere Anlage größere Wechselrichter benötigt werden und die sind nun mal teurer“, erläutert Wolfgang Klaus.

Aber egal, ob es eine Anlage für 94 000 oder 127 000 Euro werden soll — genau betrachtet hat die Gemeinde kein Geld und müsste einen Kredit aufnehmen. Das aber geht nicht ohne die Zustimmung der Kommunalaufsicht. So sagt denn auch Bürgermeister Adolf Wittek: „Bevor wir überhaupt etwas planen, müssen wir mit der Kommunalaufsicht, möglichen Kreditgebern und auch mit der Wohnungsverwaltung sprechen, ob sie uns Strom abnehmen würde.“ Denn das Ziel müsse sein, so viel Strom wie möglich selbst zu vermarkten. „Bei verschiedenen Treffen hat sich gezeigt, dass das für die Gemeinde finanziell interessanter ist, als ihn ins Netz einzuspeisen“, berichtet Adolf Wittek. Der Hintergrund: Der örtliche Stromanbieter würde der Gemeinde derzeit 14,1 Cent pro kWh zahlen. Würde sie direkt an den Endverbraucher verkaufen, könnte sie 20 Cent und mehr bekommen und immer noch günstiger sein, als die meisten Stromanbieter.

Gern würde der Bürgermeister auch den Bewohnern in Passee Hoffnung auf Solarstrom machen. „Aber wir haben dort einfach kein Dach und auch keine Fläche, die sich dafür eignet“, bedauert Adolf Wittek.

Und den Strom von Tüzen nach Passee zu bringen, sei derzeit einfach noch nicht rentabel. Der Plan, in dem Ortsteil eine Fotovoltaikanlage zu errichten, soll aber weiter verfolgt werden. So lautet jedenfalls das einstimmige Votum der Gemeindevertreter.

Fotovoltaik im Trend
In Mecklenburg-Vorpommern entsteht ein neuer Solarpark nach dem anderen. Während vor einigen Jahren in erster Linie Investoren versuchten, dank Einspeisevergütung hohe Rendite zu erwirtschaften, investieren mittlerweile auch Gemeinden in die Sonnenenergie. Sie hoffen mit den Einnahmen aus der Solarenergie ihre klammen Haushaltskassen aufzubessern.


Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern sagt: „Das ist ein Trend, die Gemeinden beteiligen sich zunehmend an Fotovoltaik-Anlagen. Das ist eine große Chance, trotz der angespannten Haushaltslage vieler Gemeinden wichtige soziale Projekte finanzieren zu können.“ Die Gemeinden könnten einerseits geeignete Flächen verpachten und so ohne wirtschaftliches Risiko den Haushalt entlasten. Ein Beispiel: Selmsdorf.

Sylvia Kartheuser

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