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Nordwestmecklenburg Die „Kehrseite“ des Herbstes
Lokales Nordwestmecklenburg Die „Kehrseite“ des Herbstes
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23:12 25.10.2017
Auf dem GER-Recyclinghof in Neu Degtow wird aus dem antransportiertem Herbstlaub Kompost hergestellt. FOTOS (2): DANIEL HEIDMANN
Grevesmühlen/Wismar

Kinder finden es toll, für manch Erwachsenen ist es ein Groll – Grundstücksbesitzer eingeschlossen, die oft den Besen oder die Harke schwingen müssen:

Herabgefallenes Laub prägt derzeit die Landschaft / Der Baumschmuck kann für Ärger sorgen.

Herbstlaub. Die Blätterpracht schmückt derzeit Straßen, Gehwege und Autos. Doch wer ist für die Reinigung und Entsorgung zuständig? Was passiert damit? Und ist Verbrennen im eigenen Garten erlaubt?

Kommunen können Anwohner zur Reinigung verpflichten

Der Baum steht auf Stadt- oder Gemeindegrundstück und geht mich nichts an! Ganz so ist es dann doch nicht. Eine Kommune darf die entsprechende Straßenreinigungspflicht auf Anlieger übertragen. So hält es auch die Stadt Grevesmühlen. In der Straße Am Gerberhof zum Beispiel halten sich die Anwohner daran, kehren die Masse an Blättern zusammen und bilden Haufen. Aber das, so Manuela Harder vom Bauhof, stellt ein großes Problem dar. „Denn unsere Mitarbeiter müssen die Laubhaufen wieder auseinanderfegen, damit wir die Blätter mit der Maschine aufnehmen können. Das macht für uns die Sache nicht einfacher.“ Besser sei es aus ihrer Sicht, wenn sich die Haus- und Grundstücksbesitzer im Vorfeld mit dem Bauhof in Verbindung setzen würden. „Wir finden für alle eine Lösung, und natürlich kümmern wir uns darum, aber wir können nicht überall gleichzeitig sein.“ Laubbläser und Laubsammler sind nur an Werktagen in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr erlaubt.

Aus Laubhaufen wird Kompost gemacht

Entsorgt wird die gelbbraune Pracht letztlich beim GER Entsorgungsbetrieb in Neu Degtow oder zum Beispiel auf dem Abfallwirtschaftshof in Wismar Müggenburg. In der Hansestadt sind allein im Oktober 3000 Kubikmeter Gartenabfälle angeliefert worden – und jeden Tag wird der riesige Berg größer. Ein Kubikmeter kann dort für einen Euro entsorgt werden. Sachbearbeiterin Denise Schulz sagt: „Das ist wirklich günstig und wir holen Gartenabfälle ja auch mit dem Container ab.“

Mehr als 800 Kubikmeter Laub hat die Deponie in Neu Degtow bisher in diesem Jahr schon angenommen. 50 Fahrzeuge würden dafür pro Tag vorfahren. „Bis Ende November werden es etwa 2000 Kubikmeter sein“, sagt Ulrich Karge, Betriebsleiter des Recyclingparks östlich von Grevesmühlen. Der Antransport von Laub würde sich bis zum ersten starken Frost hinziehen. Danach nehme der Betrieb mit dem abgefallenen Baumschmuck schlagartig ab, so Karge. Auf dem Gelände von GER wird aus Laub schließlich Kompost gemacht. Innerhalb von acht bis zehn Wochen entstehe natürlicher Dünger, der in Verbindung mit Erde verkauft wird. „Aus 2000 Kubikmeter Laub gewinnen wir rund 600 Kubikmeter Kompost“, erklärt Karge.

Privates Verbrennen im Landkreis untersagt

Doch trotz der Annahmestellen wird im Landkreis immer wieder privat Laub verbrannt – unerlaubterweise. Auch hier gibt es Verordnungen, an die sich gehalten werden muss. Denn, darauf weist der Landkreis noch einmal deutlich hin, das Verbrennen von Abfällen außerhalb von hierfür zugelassenen Anlagen ist gesetzlich verboten. „Die Pflanzenabfall-Landesverordnung unterstreicht dieses Verbot für das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen auf privaten Gartengrundstücken und lässt es nur im äußersten Ausnahmefall zu“, erläutert Pressesprecherin Wiebke Reichenbach. Diese Ausnahme bestehe nur, wenn die Entsorgung durch Kompostierung oder in einem öffentlichen Entsorgungssystem nicht möglich oder nicht zumutbar sei. „Da jeder Bürger des Landkreises von der GER Umweltschutz GmbH in Grevesmühlen oder der Gollan Recycling GmbH in Rosenhagen eine vom Landkreis finanziell gestützte Biotonne erhält, ist es auf jeden Fall unzulässig, Gartenabfälle zu verbrennen, die mit einer solchen Biotonne entsorgt werden können“, führt Wiebke Reichenbach weiter aus. Hierfür gebe es auch keine Ausnahme oder die Prüfung der Zumutbarkeit.

Auch trockenes Gehölz muss auf die Deponie

„Unzulässig sind auf jeden Fall auch Gartenabfallfeuer, wenn die Gartenabfälle auf dem eigenen Grundstück kompostiert werden könnten.“ Übrig bleibt also allenfalls noch größerer und vor allem trockener Gehölzschnitt, der nach dem Zerkleinern auch bei mehreren Entleerungen weder in die Biotonne passt noch kompostiert werden kann. „Aber auch für trockenen und größeren Gehölzschnitt ist ein Verbrennen nach der Landesverordnung unzulässig, wenn eine gemeindliche oder gewerbliche Grünschnittannahmestelle in der Nähe erreichbar ist.“ Der Landkreis empfiehlt, im Zweifelsfall auch für solchen trockenen und größeren Gehölzschnitt die Annahmestellen zu nutzen.

Ist das Verbrennen ausnahmsweise doch zulässig, wird hierfür keine Genehmigung benötigt, wenn es im März oder Oktober werktags – also von montags bis sonnabends – während zwei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 18 Uhr erfolgt. Nur wer von diesen Zeiten abweichen will, benötigt hierfür eine Genehmigung des Landkreises.

Laub vom Nachbarn muss mitentsorgt werden

Herbstlaub wird hin und wieder auch ein Fall für die Justiz. Mal rutscht jemand auf Blättern auf, mal wird es lauter am Gartenzaun. Doch es gibt diverse Gerichtsurteile. So müssen es Grundstücksbesitzer hinnehmen, wenn vom Nachbargrundstück Laub herüberfällt. Es sei denn, die Menge ist nicht mehr zumutbar, dann kann der Betroffene einen angemessenen Ausgleich in Geld verlangen.

Laub vom Nachbarn ist allerdings hinzunehmen, wenn – so entschied das Amtsgericht München zum Beispiel – die Bepflanzung mit Laubbäumen dem Charakter der Gegend entspricht. Grundstücksbesitzer müssen auch nicht ständig vor ihrem Haus Laub fegen. Laut einem Urteil des Landgerichts Coburg müssen sich Fußgänger darauf einstellen, dass es im Herbst durch Blätter zu einer Rutschpartie kommen kann.

Vorsicht bei der herbstlichen Radtour

Auf eine erhöhte Rutschgefahr in Kurven und vor allem bei nassem, schmierigem Laub weist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Wismar vor jeder seiner angebotenen Touren hin. Die letzte war am vergangenen Wochenende. Über verschiedene Dörfer, Wege und Straßen ging es nach Boltenhagen. „Laub gehört zum Herbst dazu und mit dem Fahrrad ist es angebracht, nun etwas vorsichtiger unterwegs zu sein“, resümiert die ADFC-Vorsitzende Marie-Anne Schlaberg. Das Laub allerdings bereitet ihr und ihren Radfreunden eher weniger Probleme: „Fehlende Schneebeseitigung im Winter und zugewachsene Radwege sind viel wichtigere Themen.“

Jana Franke, Michaela Krohn, Michael Prochnow und

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