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Nordwestmecklenburg Die Lösung für das Seegras-Problem
Lokales Nordwestmecklenburg Die Lösung für das Seegras-Problem
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22:56 02.03.2018
Derzeit ruhen die Arbeiten an der Anlage im Osten der Gemeinde Boltenhagen. Quelle: Foto: Michael Prochnow

Die Seegras-Anlage des Ostseebades Boltenhagen soll in dieser Saison in Betrieb gehen. Derzeit ruhen die Arbeiten auf dem Gelände am östlichen Ortseingang aufgrund der Witterung. „Die Betonplatte muss gegossen werden, das geht erst ab fünf Grad plus“, sagt Kurdirektorin Claudia Hörl. „Es gab in der Vergangenheit ein paar Faktoren, die zu Problemen geführt haben. Zum Beispiel war nicht klar, ob der Untergrund tragfähig genug ist.“

Die Anlage ist dringend notwendig und die Boltenhagener Kurdirektion ein Vorreiter in der Region. Denn das Seegras, oder Treibsel, wie es in der Fachsprache heißt, da das Seegras nur ein Bestandteil ist, darf nicht mehr einfach gelagert werden, wie es über viele Jahre gängige Praxis war. „Sobald wir es am Strand anfassen, greift das Abfallwirtschaftsgesetz, dann handelt es sich um regulären Abfall, und der muss entsorgt werden“, erklärt Claudia Hörl. Über das „Wie“ streiten sich Generationen von Wissenschaftlern und Experten. Denn während reines Seegras durchaus Verwendung in der Industrie beispielsweise als Dämmstoff findet, ist die Mischung aus Gras, Algen und Müll, die an den Ostseestränden angeschwemmt wird, teurer Abfall.

Bislang wird das anfallende Treibsel gesiebt, der Sand wird im Frühjahr in Boltenhagen an den westlichen Strand gebracht und verteilt. Das soll auch in der neuen Anlage geschehen. Unklar ist allerdings noch, ob sich das Ostseebad eine eigene Siebanlage leisten will oder die Arbeiten an Externe vergibt. „Wir stehen mit dem Landesförderinstitut in Kontakt, man hat uns Fördermittel in Aussicht gestellt“, so die Kurdirektorin: „Aber derzeit überlegen wir, ob es nicht mehr Sinn macht, dass beispielsweise ein Lohnunternehmen das Treibsel für uns siebt. Dann müssten wir keine teure Anlage anschaffen, die gewartet werden muss und die meiste Zeit des Jahres ungenutzt ist.“

Tatsache ist, dass Boltenhagen in Sachen Treibsel eine exponierte Stellung unter den Ostseebädern einnimmt. Im Jahr 2014 registrierte die Kurverwaltung während der Saison rund 11000 Tonnen, die am Strand aufgenommen, gelagert und anschließend gesiebt werden mussten. „In den anderen Jahren war es zum Glück weniger, 2017 vor allem wegen des kalten Sommers. Aber aus den Gesprächen mit anderen Bürgermeistern und Kurdirektoren weiß ich, dass an anderen Stränden der Ostsee deutlich weniger Treibsel angespült wird. Dort geht es um 1500 oder 3000 Tonnen. Das sind Mengen, über die wir uns freuen würden“, sagt Claudia Hörl.

So pragmatisch, wie die Kurdirektion das Thema inzwischen angeht, so idealistisch wurde in der Vergangenheit über Lösungen und Alternativen diskutiert und experimentiert. Unvergessen ist im Klützer Winkel das Seegras-Projekt, das mehrere Millionen Euro Fördermittel gekostet und am Ende – im wahrsten Sinne des Wortes – versandet ist. So sollte in Grundshagen bei Klütz eine Aufbereitungsanlage entstehen, das Endprodukt, also das gereinigte Seegras, sollte in Kosmetikprodukten landen, in der Bauindustrie Verwendung finden, sogar italienische Autositze sollten mit Nordwestmecklenburger Seegras gefüllt werden. Etliche Workshops gab es zum Thema, Expertenrunden, Forschungen der Wismarer Hochschule – und am Ende die Erkenntnis, dass das Zeug aus der Ostsee nur sehr schwer gewinnbringend zu vermarkten sei. Das Projekt ist längst Geschichte, das Treibsel ist aber immer noch da. Zumindest in Boltenhagen wird mit der Eröffnung der neuen Anlage ein neues Kapitel der Aufbereitung und Entsorgung aufgeschlagen. Die anderen Kommunen suchen derweil noch nach Lösungen. Dazu gehören die Insel Poel und auch die Stadt Klütz, die mit Wohlenberg einen Ortsteil mit einem Seegras-Problem besitzt.

 Michael Prochnow

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