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„Die Schulmensa ist auch ein Lernort“

Für eine bessere Schul- und Kitaverpflegung: Eltern und Träger machen Druck „Die Schulmensa ist auch ein Lernort“

Das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung wächst – doch laut Experten gibt es noch viel zu tun.

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Knödel und Fischbouletten: Martin (7, von links), Alea (7) und Rosalie (6) lassen sich das Schulessen in der „Kinderkunstakademie Rostock“ Am Wasserturm schmecken. Der Träger, das Institut für Lernen und Leben, hat gerade drei Millionen Euro investiert, um die Essenversorgung seiner Einrichtungen selbst in die Hand zu nehmen.

Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal, Privat

Grevesmühlen/Rerik/Wismar. Weniger Fett, Zucker und Fleisch – dafür mehr Gemüse und Salat: So beschreibt Kay Krehan (51), Geschäftsführer des Speiseanbieters „A+S Service GmbH“, den Trend, „der seit einigen Jahren die Entwicklung im Essen für Kitas und Schulen bestimmt“. Maßgeblich seien hier die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Aber auch der Druck, der von Eltern und Schulen ausgeht, weist in diese Richtung“, sagt Krehan. Sein Unternehmen mit Stammsitz in Rerik betreibt Niederlassungen in Schwerin und Hannover, hat 170 Mitarbeiter. In den 20 Küchen werden täglich rund 2000 Essen für Mutter-Kind-Kurkliniken, Einrichtungen für Familienerholung, Alten- und Pflegeheime, 25 Kitas, eine Schule mit Internat in Schwerin und ab 2018 auch für die Freie Schule in Rerik gekocht.

 

LN-Bild

Die Verpflegung darf nicht nur so nebenbei laufen.Arndt Müller Vernetzungsstelle Kitaverpflegung

Einmal Fisch, einmal Fleisch und drei vegetarische Gerichte in der Woche stehen heute in der Regel auf dem Speiseplan in Kitas, sagt Krehan. Bei den Fleischgerichten sei durchaus Traditionelles gefragt, wie Bratwurst, Schnitzel, Gulasch. Besonders beliebt seien bei den Kindern nach wie vor Nudeln mit Tomatensoße und Jägerschnitzel oder mit Wurstgulasch. Beim Schulessen werden drei Wahlessen gewünscht, von denen eines unbedingt vegetarisch sein sollte. „Damit Kinder und Jugendliche – vor allem aus muslimischen Familien – mit religiös bedingten Speiseregeln nicht in Konflikt kommen“, sagt Krehan. Wenn man dabei nicht übertreibe, komme Vegetarisches durchaus gut an. „Grünkern und Hirse haben die junge Kundschaft allerdings noch nicht überzeugt“, so der Experte.

In der Kita biete das Reriker Unternehmen seit etwa zwei Jahren auch Frühstücks- und Vesper-Buffet an. Das sei inzwischen so vom Gesetzgeber vorgegeben, weil das Frühstück, das Eltern ihren Kindern bis dahin mitgegeben hatten, sehr unterschiedlich war: „Von vorbildlich im Sinne gesunder Ernährung bis hin zum Süßigkeiten-und Fertigprodukte-Paket“, so Krehan.

Eltern fordern frisch Gekochtes

Ausgewogenes und vor allem gesundes Essen – darauf legt auch Manuela Bünger Wert. Sie ist Mitglied im Schulbeirat der Evangelischen Schule „Robert Lansemann“ in Wismar und sagt: „Wichtig ist uns vor allem, dass die Kinder frisch gekochtes und kindgerechtes Essen bekommen.“ Fleisch und Fisch steht nicht immer auf dem Plan, es gehe auch vegetarisch. Und: „Auch wenn die Kinder es manchmal nicht gerne mögen: Es gibt viel Gemüse und Salat.“

Die Mittagsgerichte werden aus einer kleinen Küche geliefert. Und die musste erst eine Woche Probe kochen, bevor Schule, Eltern und Kinder den Auftrag für die Schulspeisung erteilten. „Zuvor hatten wir einige Probleme mit anderen Anbietern“, berichtet Manuela Bünger. Die Kinder konnten damals ihr Essen wählen. Zur Auswahl stand zum einen eine Großküche – „da gingen die Essen oft zurück, sie waren nicht kindgerecht, eher auf ältere Menschen ausgerichtet“, sagt die Mutter. Zum anderen gab es eine kleine regionale Küche. „Deren Gerichte waren gut, aber etwas teurer, leider musste sie ihr Geschäft aufgeben.“

Letztendlich hat die Schule den Anbieter gewechselt. Der verteilt auch einmal im Jahr Umfragebögen an die Kinder. Das Ergebnis ist gut. „Es gibt kaum Beschwerden“, sagt Bünger. Auch ihre beiden Kinder seien mit dem Essen zufrieden.

Träger: „Bio ist zu teuer“

Rund 850 Mahlzeiten täglich bezieht der DRK-Kreisverband Nordwestmecklenburg in Grevesmühlen vom Anbieter Inservio für seine Einrichtungen. „Das Thema Bio haben wir mehrfach besprochen, es ist immer wieder eine Forderung. Aber bislang scheitert es an den Kosten, die Belastungen für die Eltern pro Monat sind bereits erheblich“, sagt DRK-Geschäftsführer Ekkehard Giewald. Regelmäßig spreche das DRK mit dem Anbieter, um Qualität und Auswahl der Mahlzeiten zu verbessern. Nachdem es vor Jahren mit einem anderen Anbieter zu Problemen kam, was die Qualität der Mahlzeiten anbetraf, funktioniere es laut Giewald nun sehr gut. „Natürlich gibt es immer wieder Anregungen und auch Beschwerden von Eltern. In den meisten Fällen geht es dabei um die Vielfalt der Mahlzeiten beziehungsweise die Auswahl.“

Essen in Schulalltag integrieren

Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung in Mecklenburg-Vorpommern fordert, dass das Schulessen fester Bestandteil des Schulalltags wird. „Denn hier können wichtige Grundlagen zur Ernährungs- und Verbraucherbildung gelehrt werden. Die Schulmensa kann auch einen Lernort darstellen“, sagt Meike Halbrügge. Auch lasse sich das Thema in allen Fächern thematisch einbauen. Generell sollten sich Lehrer, Schüler, Eltern, Träger und Caterer regelmäßig zum Schulessen austauschen, um eine höhere Akzeptanz der Schulverpflegung zu erreichen.

Einen noch größeren Nachholbedarf sieht die Vernetzungsstelle in den Kitas. „Hier braucht es bei allen Beteiligten die Einstellung, dass Verpflegung eine ernstzunehmende Aufgabe ist und nicht mal so eben nebenbei laufen sollte“, sagt Arndt Müller. Es wäre schon ein Erfolg, wenn die DGE-Standards bei weit mehr Einrichtungen angewendet würden, als bisher. „Der Wandel zu einer wohldurchdachten Speiseplanung, zu mehr Ernährungsbildung, zu mehr Beteiligung von Eltern und Kindern beim Thema Essen ist im Gange, braucht aber noch mehr Aufmerksamkeit in den Einrichtungen, bei den Trägern und in der Kommunal- und Landespolitik“, so Müller.

Michaela Krohn, Lutz Werner, Michael Prochnow und

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